nur geliehen

nur geliehen
hab ich alle meine Wörter:
kein einziges Wort
mein eigenes Wort –
ach! könnt ich eines nur
entwenden! eins nur
von Grund auf neu
erfinden! was aber
hilft’s, wenn ich mit mir
Wörter stehlen kann?
Niemandswörter sind sie doch –
und wie ich’s auch dreh und wende:
am Ende
bleibt mir nichts als dass ich
alle meine Wörter sende
wohin auch immer
zurück

Prosa in Rosa (10)

Sie hatte sich verschiedene Listen besorgt: Einkaufs-, Telefon-, Teilnehmer- und Gästelisten, Zug- und Busfahrpläne, Speise- und Getränkekarten, Kassenzettel und anderes mehr. Mit einem eigens dafür gekauften Lineal und einem nigelnagelneuen Filzstift in frischem Rosa begann sie nun, einzelne Posten sorgfältig von diesen Listen zu streichen. Und unter die Listen schrieb sie mit Textmarker in Neonpink:

“Vorsicht! Frisch gestrichen!”

aus dem Schneckenhaus gesprochen

Wort
um Wort
bau ich mich
um mich, in mich
gekehrt, verkriech ich
mich in mir

träg scheint euch mein zwittrig
Wort, verschraubt, verschroben:
ja, Zeit lässt sich mein Wort –

doch hinterlässt es
eine Spur

 

inspiriert durch den Band „Schnecken“ aus der wundervollen Reihe „Naturkunden“ beim Verlag Matthes & Seitz