du kannst nicht mehr
so, wie du willst
du sollst nicht mehr
so, wie du magst
du darfst nur noch
so, wie du musst
Leben, Überleben
wo anfangen?
wo anfangen?
wo anfangen, wenn
gerade alles aufhört?
wo anfangen, damit
aufhört, dass alles aufhört?
wo anfangen, auf dass
es irgendwie weitergeht, neu anfängt?
wo anfangen, damit
aufhören aufhört und anfangen anfängt?
wo anfangen, wenn
niemand weiß, wo anfangen?
wo anfangen?
fragmentum fragile
fragen – möcht ich so vieles
fraglos – ist kaum noch etwas
fraglich – wird mir gerade einiges
fragil – ist mir alles geworden
wortverloren
wortgeboren wollte ich sein:
worterkoren, wortverschworen –
meine Worte: schriftgeschoren
und poesievergoren –
doch muss ich gestehen:
ich bin wohl einfach nur
unverfroren wortverloren
wortverlassen
wortverlassen stehe ich nun da: Wörter, die passen (vielleicht auch: Wörter, die nicht passen, die stören) haben sich von mir zurückgezogen (ich hoffe: sie sind nicht für immer fortgezogen) sie halten sich verborgen vor mir (noch hoffe ich auf ein lustiges Versteckspiel, bei dem ich diejenige sein darf, die suchen muss) doch fehlen sie mir täglich mehr
wortverlassen warte ich auf ihre Rückkehr noch halten sie sich fern, bleiben auf Distanz (vielleicht sind sie mir aber auch zu nah, so dass sie mir von der Zunge, aus den Augen gefallen sind) oder aber sie warten nur dort um die Ecke (ich fürchte: doch eher ganz am anderen Ende) auf eine Zeit, auf einen Raum, in die sie passen (oder eben: in die sie passen, weil sie stören), auf ihre Zeit, auf ihren Raum
wortverlassen bleibt mir nichts als mit ihnen auf sie zu warten (und nicht wortverprassen, will ich nicht wortverpassen)
Mensch, du Mensch
gedankliche Nachlese zum Antikriegstag am 1. September
du kannst fliegen ohne Flügel
du kannst träumen ohne Schlaf
du kannst lachen ohne Grund
aber
du kannst nicht atmen ohne Lunge
du kannst nicht leben ohne Wasser
du kannst nicht sein ohne Frieden
leichte Bewegung
leichtfüßig
probiere ich ein paar Schritte:
leichthin, leichther
leichtein, leichtaus
leichtvor, leichtzurück
und leichtgläubig
nehm ich alles ganz leicht:
leichthin, leichtherzig
leichtbeinig, leichtbauchig
leichtohrig, leichtrückig
ganz leichtsinnig
findet ihr das?
aber da ist der Wunsch
nach leichter Bewegung
und einem leichteren Leben –
leichtlebig eben
Sakura

durch luftiges Blau
wirbeln in zartem Rosa
Kirschblütenblätter
Nachsommer
das Alltagewerk ist endlich beendet. und nun, da die Zeit
des Nachsommers gekommen ist, so möge mein Geist
ins Hochland ausschweifen und stille Einkehr finden
im Rosenhause: auf dass er sich weit aufschwinge
und bilde an Natur, Kunst und Freundschaft –
und ich zu dem Menschen werde, der ich bin
Zur Genealogie der Moral, neu gefasst
gewiss: die Moral von heute
hat keine Eltern, hat keine Großeltern –
und bitte: hoffentlich auch keine Kinder!
wie weit
wie weit ist es nur gekommen?
wir sollten weinen um die Menschen
und sorgen uns um Energiepreise
und wie weit wird es noch gehen?
Sprache des Krieges (3)
es gebe „zu viele Bösewichte auf dieser Welt“
sagt einer von den einen zu einem von den einen
(und beide denken sie – na, klar! – an die anderen)
ein Bösewicht, wer Böses dabei denkt!