kein Sterbenswörtchen
werde ich mehr schreiben –
ich weiß, wir alle sterben: es lebe
des Lebens Wort
Gedankenspiele: Unsortiertes
Preis der Heftklammer

was von einem Leben als akademische Rät(t)in bleibt: ein Haufen Heftklammmern
scheinbar unscheinbar
(mal unauffällig aluminiumgrau
mal bescheiden kupferrot)
nimmt sie in ihren Klammergriff
ein jedes lose Blatt und hindert es
am Fliegen.
sie tackert alles und hält es fest:
ob Dokument ob Geistesblitz
von Anmerkung bis Zeugnis
Ideen Träume Gedankensplitter –
jede noch so kreative Zettelwirtschaft
verwandelt sie in eine Akte fürs Archiv.
biegsam – und am Ende selbst verbogen –
schafft sie Ordnung, wenn nötig, mit Gewalt:
nichts entgeht, nichts entkommt
diesem scharfspitzen Dracula-Biss –
nur was abgeheftet (davon ist sie überzeugt)
hat Bestand.
ihr Credo: „Ordnung ist das halbe Leben“ –
und die andere Hälfte? frage ich
(und kenne schon die Antwort:
„die andere Hälfte ist das Chaos“) –
und – hurra! – diese Hälfte startet
jetzt!
Zeit und Raum
an mich selbst auf dem Sprung in den Ruhestand (Tag eins nach dem letzten Arbeitstag)
es ist an der Zeit
für eine neue Zeit
und mit der Zeit
entsteht auch Raum
für neuen Raum
und im Raum
stehen endlich
unendlich
Zeit und Raum
für Neues
schenken
schenken wir uns
reinen Wein ein:
wir schenken uns
nichts
Tja, was so ein dummer Spruch auf einer Tüte, den ich heute im Vorübergehen mit den Augen ‚aufgelesen‘ habe, so in Gang setzen kann … Was für ein Sinnbild für die aktuelle Weltlage!
Zeitwortzeit
den Teufel mit dem Beelzebub
oder vom Regen in die Traufe:
den Mullah mit dem Schah
und sich verkaufen an die USA –
und dann tatsächlich doch noch glauben,
einen Trump im Ärmel zu haben
heute
ob gestern, heute oder morgen:
heute ist immer
heute
der alltägliche Wahnsinn
ist es euch eigentlich bewusst?
wann auch immer wir zuhause
einen Tee, Kaffee oder so was
trinken, haben wir nicht mehr
alle Tassen im Schrank
alles neu …
alles neu
macht der Mai:
neue Regierung
neuer Kanzler
neuer Papst
nur meine Gänsehaut
ist noch die alte
Bärenfrühlingshaiku
im Zoo der Bär ist
aus dem Winterschlaf erwacht:
jetzt ist es Frühling!
vom Wählen und Wollen
wählen kommt von
wollen
also lasst uns
wählen, was wir
wollen
ich fürchte nur:
wir können wählen,
was wir wollen –
werden wir auch wollen,
was wir wählen?
sicher?
sicher bin ich mir nur in einem:
dass wir nie ganz sicher sein können –
wie kann ich mir da so sicher sein?
Rundumschlag
Schlagwort um Schlagwort hauen
wir schlagende Argumente raus
als Antwort auf diesen Schlag
ins Gesicht der Demokratie
hat jemand einen guten Vorschlag, der
nicht Schlag vom gleichen Schlag ist?