Lyrifants notdürftige Ausscheidung zur Wahl von Sachsen-Anhalt
wer’s richtig verkackt,
hat’s eben verschissen
doch sollte, wer Mist baut, nicht
noch groß auf die Kacke hauen
Lyrifants notdürftige Ausscheidung zur Wahl von Sachsen-Anhalt
wer’s richtig verkackt,
hat’s eben verschissen
doch sollte, wer Mist baut, nicht
noch groß auf die Kacke hauen
Haltung ist in diesen Zeiten angesagt, doch welche?
mach ich den Vogel Strauß
und steck einfach den Kopf in den Sand?
oder nehm ich mir den Igel zum Vorbild
und roll mich zu einer stacheligen Kugel?
oder halt ich es mit dem Stier
und stell mich, hufescharrend, dem Kampf?
oder orientier ich mich am Reh
und ergreif lieber gleich die Flucht?
oder nehm ich mir am Hasen ein Beispiel
und sorg für Verwirrung, indem ich Haken schlag?
oder mach ich es wie das Chamäleon
und wechsel zur Tarnung meine Farbe?
oder verhalt ich mich wie das Opposum
und stell mich einfach tot?
oder richt ich mich nach der Kobra
und verspritz überall mein übelriechendes Gift?
hm, ich kann mich einfach nicht entscheiden …
und dann hätte ich ja auch noch diese Option:
versuchen, Mensch zu bleiben
Oh, wie weit ist dieses Bestiarium entfernt von Lyrifants idyllischem “Sommer-Bestiarium” aus dem letzten Sommer, das ich gerade in diesen Tagen – endlich! – zu einem Büchlein verarbeitet habe.
Begegnung am S-Bahnhof Adlershof
auf der Wartebank
bietet mir eine Frau neben sich einen Sitzplatz an
und empfiehlt mir den guten Kaffee vom Kiosk
(den sie eben bekommen hat, wie schon so oft),
und sie erzählt mir vom Leben in Adlershof,
in welchem Laden man noch Pizza bekommt für 4,50
(wo auch das kirgisisch-italienische Wirtspaar so nett ist)
und von ihrer kleinen Arbeit in einem Blumenladen,
und sie macht Werbung für das Kiez-Frühstück:
„Et jibt noch jute Menschen, globen Se det“, sagt sie
irgendwann zwischendrin
und ja, ich will es ihr gerne glauben – denn gerade
bin ich so einem guten Menschen begegnet
inmitten der Nacht
noch den Sommer auf der Haut
und den See im Haar
Grüße aus der Dachwohnung
kommst du von 27 Grad innen
früh morgens nach 22 Grad außen:
dann sind 27 Grad sehr warm
kommst du von 34 Grad außen
mittags nach 28 Grad innen:
dann sind 28 Grad recht kühl
kommst du dann wieder von 29 Grad innen
spät abends nach 29 Grad außen oder umgekehrt:
dann sind 29 Grad immer noch relativ warm
im Licht des Blaumonds
hinaus aus dem Mai – barfuß
in den Sommer, blau
Reprise zu Maimond
vielleicht finde ich
meine eigene Handschrift,
indem ich mir auf den Leib schreibe,
was mir auf der Stirn geschrieben steht
aus den Fugen
geraten mir Zeichen
und Wunder verraten
das Unverfügbare
kein Sterbenswörtchen
werde ich mehr schreiben –
ich weiß, wir alle sterben: es lebe
des Lebens Wort

was von einem Leben als akademische Rät(t)in bleibt: ein Haufen Heftklammmern
scheinbar unscheinbar
(mal unauffällig aluminiumgrau
mal bescheiden kupferrot)
nimmt sie in ihren Klammergriff
ein jedes lose Blatt und hindert es
am Fliegen.
sie tackert alles und hält es fest:
ob Dokument ob Geistesblitz
von Anmerkung bis Zeugnis
Ideen Träume Gedankensplitter –
jede noch so kreative Zettelwirtschaft
verwandelt sie in eine Akte fürs Archiv.
biegsam – und am Ende selbst verbogen –
schafft sie Ordnung, wenn nötig, mit Gewalt:
nichts entgeht, nichts entkommt
diesem scharfspitzen Dracula-Biss –
nur was abgeheftet (davon ist sie überzeugt)
hat Bestand.
ihr Credo: „Ordnung ist das halbe Leben“ –
und die andere Hälfte? frage ich
(und kenne schon die Antwort:
„die andere Hälfte ist das Chaos“) –
und – hurra! – diese Hälfte startet
jetzt!
an mich selbst auf dem Sprung in den Ruhestand (Tag eins nach dem letzten Arbeitstag)
es ist an der Zeit
für eine neue Zeit
und mit der Zeit
entsteht auch Raum
für neuen Raum
und im Raum
stehen endlich
unendlich
Zeit und Raum
für Neues
schenken wir uns
reinen Wein ein:
wir schenken uns
nichts
Tja, was so ein dummer Spruch auf einer Tüte, den ich heute im Vorübergehen mit den Augen ‚aufgelesen‘ habe, so in Gang setzen kann … Was für ein Sinnbild für die aktuelle Weltlage!