früher sagte man dazu:
den Bock zum Gärtner machen
heute müsste man sagen:
einem Pahlavi den Freiheitspreis
für das iranische Volk überreichen
findige Selbstfindung
Heute bin ich bei Andreas Erzählschnipsel auf ein schönes Wortspiel gestoßen, das ich jetzt noch ein bisschen weiter treiben musste …
sollte ich mich mal nicht finden,
kann ich mich jederzeit erfinden
dazu muss ich hier nun doch befinden:
sollte ich dabei mich irgendwie verfinden,
kann ich mich gewiss schon bald entfinden
nur: zerfinden möchte ich mich nicht
an die Jugend
schreitet weit aus und
schreit laut heraus,
was zum Schreien ist
und lasst euch nicht beirren
vom allgemeinen Aufschrei
über Ausschreitungen (der
nur eines zum Ziel hat:
euren Still-Stand)
schreitet weiter weit aus und
schreit weiter laut heraus,
was zum Schreien ist
an den November
o, November, schenk mir doch bitte ein Stück
vom grauen Tuch deiner Nebel, damit ich all
das verhüllen kann, was ich nicht mehr
im goldenen Licht des Oktobers
zu sehen vermag
bevor
bevor alles den Bach runtergeht:
lasst uns ganz unbeirrt im Fluss bleiben
und weiter gegen den Strom schwimmen
Flow
je weiter
ich meine Gedanken schweifen lasse
desto näher
bin ich mir
Modalitäten des Alters
du kannst nicht mehr
so, wie du willst
du sollst nicht mehr
so, wie du magst
du darfst nur noch
so, wie du musst
anfangen
anfangen, wo es anfängt:
anfangen, anzufangen
wie damals bei der Geburt:
Luft holen, laut brüllen
wie morgens beim Aufwachen:
die Augen reiben und weit öffnen
wie immer beim Gehen:
den einen Fuß vor den anderen setzen
und den ersten Schritt machen
Ein Antwortversuch auf wo anfangen? – der erste Vers ist übrigens ein Zitat aus „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas
wo anfangen?
wo anfangen?
wo anfangen, wenn
gerade alles aufhört?
wo anfangen, damit
aufhört, dass alles aufhört?
wo anfangen, auf dass
es irgendwie weitergeht, neu anfängt?
wo anfangen, damit
aufhören aufhört und anfangen anfängt?
wo anfangen, wenn
niemand weiß, wo anfangen?
wo anfangen?
fragmentum fragile
fragen – möcht ich so vieles
fraglos – ist kaum noch etwas
fraglich – wird mir gerade einiges
fragil – ist mir alles geworden
der Ruck
mein Kiez rückt nach rechts
dieses Land rückt nach rechts
die ganze Welt rückt nach rechts
doch ich bleibe, wo ich bin:
links
wortverloren
wortgeboren wollte ich sein:
worterkoren, wortverschworen –
meine Worte: schriftgeschoren
und poesievergoren –
doch muss ich gestehen:
ich bin wohl einfach nur
unverfroren wortverloren