es ist schon ein Phänomen, wie wenig
Geist es braucht, um logisch zu erscheinen:
vernunftfreies Selbstbewusstsein
ohne Sinn und Verstand
scheint ausreichend
Zeitlyrik
wo Sicherheit
nicht einmal mehr Wörter geben können:
wo schlafen dann die Verse, wenn
selbst Reime zum Steilhang werden?
kein Satz taugt zum Geländer:
wir können nur noch
im freien Fall
dichten und
denken
Gespräch unter Ziegen (5)
sie zu ihm:
dass du es immer verbockst,
zickt mich echt an
er zu ihr:
ich lass mich von deinem Zickenalarm
nicht ins Bockshorn jagen
eine kleine Krakelei
hingekrakelt sei mein Wort ohne jeden Wirbel
mit einer schwarzen Tinten:
stark autark. autochthon autonom. archaisch anarchisch.
habe acht: acht Versarme sagen
und saugen. Krikelkrakel nur, doch sie verfangen.
fangen. Kopf und Fuß. an Fuß und Kopf.
kurz ist das Leben:
Verse am Stiel lass wachsen aus des Wortes Augnapf
Inspiriert von dem Band „Kraken“ aus der wunderbaren Naturkunden-Reihe von Matthes & Seitz
Kritik der reinen Vernunft, neu gefasst
wo gar keine Vernunft mehr: dort ist
auch Kritik rein gar nicht erwünscht
Die Welt als Wille und Vorstellung, neu gefasst
die gegenwärtige Welt über-
steigt meine Vorstellung
bei weitem, und dabei unter-
läuft sie alles, was mensch
überhaupt so wollen kann
Gespräch unter Ziegen (4)
er zu ihr:
mach‘ ja keine Zicken
sie zu ihm:
red’ nich’ so’n Bockmist
Zeitwortzeit
den Teufel mit dem Beelzebub
oder vom Regen in die Traufe:
den Mullah mit dem Schah
und sich verkaufen an die USA –
und dann tatsächlich doch noch glauben,
einen Trump im Ärmel zu haben
Gespräch unter Ziegen (3)
er zu ihr:
mmmh, ich liebe Bockwurst
sie zu ihm:
hm, ich mag lieber Ziegenkäse
Gespräch unter Ziegen (2)
Eine Reprise zu „Gespräch unter Ziegen“
sie zu ihm:
ach, ich hab keinen Bock
er zu ihr:
dann nimm halt die Ziege
Ich muss es gestehen: Das war nicht mein Einfall. Danke, mein Liebster, für dieses schöne Wortspiel!
neujahr

Kleines Schneegedicht
zum Jahreswechsel
über Nacht
hat es tatsächlich ein paar Wortflocken geschneit:
sie legen sich ganz still auf mein Winterherz
zu einem kleinen Schneegedicht –
auf dass ich nun bleib
über Tag (und Jahr)
ganz tief verschneit
Einen guten Jahreswechsel allerseits! 🥂