haste ma n’Eis?
wat is’ mir heut’ so heiß!
oder doch lieber n’heißen Tee
jejen die olle Hitze-Fee?
der Wortbildhauer
Hommage an Constantin Brâncuși
stell ihn dir vor: den idealen Wortbildhauer.
sein Material, ganz schlicht: das WORT.
sein hehres Ziel: die Form. das Wesentliche.
er stellt sich vor: er setzt den Meißel an und
haut was weg. auf diese Weise fände er:
den ORT im Wort. doch das genügt ihm nicht.
er setzt den Meißel anders an und haut
noch viel mehr weg und übrig bleibt: ein WO.
das kommt dem näher, was er sucht.
doch ist auch das für ihn noch nicht genug.
weshalb er meißelt, schleift, poliert
sein Wort herunter bis zum O.
jetzt erst ist er froh.
was Wörter brauchen
Petros hat mich mit seinem humorvollen Gedicht „Was reimt muss nicht gleich dichten“ sehr zum Schmunzeln gebracht – nur der Satz
Worte brauchen Zügel
Sonst wird draus kein Gedichthat in mir – trotz seiner schönen Pegasos-Allusion – Widerspruch geweckt … und mich zu folgenden Zeilen inspiriert:
ja: manchmal brauchen Wörter Zügel.
manchmal aber brauchen sie wohl eher Flügel.
manche Wörter brauchen eine lange Leine.
und manche brauchen nichts als eigne Beine.
ich bin sicher: nur wenig Wörter sind zu zähmen
(Gefahr besteht, sie so zu lähmen).
viele Wörter brauchen nur etwas Pflege.
und einige Wörter gehen lieber ihrer Wege.
fürwahr: gewisse Wörter brauchen einen Schnitt.
andre Wörter bringen ihr Gefolge mit.
und wieder andre gehen nur bei Mondlicht um.
die meisten aber liegen einfach nur so rum
und warten nur darauf, dass wir sie lesen
und auf der Suche nach ihrem Wesen
in ihren Eigen-Sinn eintauchen:
wer kann schon erahnen, was Wörter brauchen?
was genug ist
eigentlich braucht es nicht viel zum Glück:
am Wasser sitzen und schauen, lauschen
und riechen, schmecken und Dein Lächeln
auf meiner Haut spüren
ein Elefant

ein Elefant
ist immer elegant:
ob er geht,
ob er steht,
wie er die Ohren senkt,
wie er den Rüssel schwenkt;
selbst wenn er sich reckt
und streckt:
ein Elefant
bleibt immer elegant
einKlang
im Einklang schwimmen wir still über den See:
Stockente, Haubentaucher, Blässhuhn
und ich – und um uns nur
ein Klang: um uns nur See
und das Gluckern des Wassers
die Synapsen japsen
„Die Synapsen japsen“ schrieb Myriade neulich – und sie hat mir erlaubt, mir diesen wunderbaren Satz ‚auszuleihen‘. Dafür ganz lieben Dank! Und hier das Ergebnis (alles, wozu mein poetisches Hirn gerade noch fähig ist).
die Synapsen japsen
die Kapillaren garen
die Zellen bellen
die Adern hadern
die Drüsen düsen auf Hochtouren
die Nieren gieren nach Wasser
die Nerven gehen surfen
die Herzklappen schlappen
die Lymphen rümpfen die Nase
und ich verkrieche mich
Mittsommernachtstraum
inmitten der Nacht
noch den Sommer auf der Haut
und den See im Haar
relativ warm
Grüße aus der Dachwohnung
kommst du von 27 Grad innen
früh morgens nach 22 Grad außen:
dann sind 27 Grad sehr warm
kommst du von 34 Grad außen
mittags nach 28 Grad innen:
dann sind 28 Grad recht kühl
kommst du dann wieder von 29 Grad innen
spät abends nach 29 Grad außen oder umgekehrt:
dann sind 29 Grad immer noch relativ warm
dem Wort das Wort
immer werde ich
dem Wort das Wort
reden: ich werde
um jedes Wort ringen,
mir dieses oder jenes
Wort vom Mund abschneiden
und rasch das Wort ergreifen,
sobald ich darüber stolpere:
immer werde ich dem Wort
das Wort reden
das Kapital der Poesie
zwar kann sie
auf Wörter
zählen
aber rechnen
mit Wörtern
kann sie nicht
dafür kann sie mehr
als nur schwarze und rote Wörter
schreiben
solange sie nie
an Wörtern
spart
sagenhafter Dialog
„sag mal, was sagst du dazu?“
„unter uns gesagt, ich muss schon sagen:
unsagbar unsäglich!“
„was du nicht sagst!
aber da sagst du was!“
„ich? ich hab nichts gesagt!“