schreitet weit aus und
schreit laut heraus,
was zum Schreien ist
und lasst euch nicht beirren
vom allgemeinen Aufschrei
über Ausschreitungen (der
nur eines zum Ziel hat:
euren Still-Stand)
schreitet weiter weit aus und
schreit weiter laut heraus,
was zum Schreien ist
an den November
o, November, schenk mir doch bitte ein Stück
vom grauen Tuch deiner Nebel, damit ich all
das verhüllen kann, was ich nicht mehr
im goldenen Licht des Oktobers
zu sehen vermag
bevor
bevor alles den Bach runtergeht:
lasst uns ganz unbeirrt im Fluss bleiben
und weiter gegen den Strom schwimmen
Flow
je weiter
ich meine Gedanken schweifen lasse
desto näher
bin ich mir
Modalitäten des Alters
du kannst nicht mehr
so, wie du willst
du sollst nicht mehr
so, wie du magst
du darfst nur noch
so, wie du musst
anfangen
anfangen, wo es anfängt:
anfangen, anzufangen
wie damals bei der Geburt:
Luft holen, laut brüllen
wie morgens beim Aufwachen:
die Augen reiben und weit öffnen
wie immer beim Gehen:
den einen Fuß vor den anderen setzen
und den ersten Schritt machen
Ein Antwortversuch auf wo anfangen? – der erste Vers ist übrigens ein Zitat aus „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas
wo anfangen?
wo anfangen?
wo anfangen, wenn
gerade alles aufhört?
wo anfangen, damit
aufhört, dass alles aufhört?
wo anfangen, auf dass
es irgendwie weitergeht, neu anfängt?
wo anfangen, damit
aufhören aufhört und anfangen anfängt?
wo anfangen, wenn
niemand weiß, wo anfangen?
wo anfangen?
fragmentum fragile
fragen – möcht ich so vieles
fraglos – ist kaum noch etwas
fraglich – wird mir gerade einiges
fragil – ist mir alles geworden
der Ruck
mein Kiez rückt nach rechts
dieses Land rückt nach rechts
die ganze Welt rückt nach rechts
doch ich bleibe, wo ich bin:
links
wortverloren
wortgeboren wollte ich sein:
worterkoren, wortverschworen –
meine Worte: schriftgeschoren
und poesievergoren –
doch muss ich gestehen:
ich bin wohl einfach nur
unverfroren wortverloren
wortverlassen
wortverlassen stehe ich nun da: Wörter, die passen (vielleicht auch: Wörter, die nicht passen, die stören) haben sich von mir zurückgezogen (ich hoffe: sie sind nicht für immer fortgezogen) sie halten sich verborgen vor mir (noch hoffe ich auf ein lustiges Versteckspiel, bei dem ich diejenige sein darf, die suchen muss) doch fehlen sie mir täglich mehr
wortverlassen warte ich auf ihre Rückkehr noch halten sie sich fern, bleiben auf Distanz (vielleicht sind sie mir aber auch zu nah, so dass sie mir von der Zunge, aus den Augen gefallen sind) oder aber sie warten nur dort um die Ecke (ich fürchte: doch eher ganz am anderen Ende) auf eine Zeit, auf einen Raum, in die sie passen (oder eben: in die sie passen, weil sie stören), auf ihre Zeit, auf ihren Raum
wortverlassen bleibt mir nichts als mit ihnen auf sie zu warten (und nicht wortverprassen, will ich nicht wortverpassen)
Gesetz der Scheiße
Lyrifants notdürftige Ausscheidung zur Wahl von Sachsen-Anhalt
wer’s richtig verkackt,
hat’s eben verschissen
doch sollte, wer Mist baut, nicht
noch groß auf die Kacke hauen