nur Wort
Wort pur
inspiriert von der großartigen Ausstellung „Wolfgang Hollegha: Denk nicht, schau!“ im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden
nur Wort
Wort pur
inspiriert von der großartigen Ausstellung „Wolfgang Hollegha: Denk nicht, schau!“ im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden
Hommage an Constantin Brâncuși
stell ihn dir vor: den idealen Wortbildhauer.
sein Material, ganz schlicht: das WORT.
sein hehres Ziel: die Form. das Wesentliche.
er stellt sich vor: er setzt den Meißel an und
haut was weg. auf diese Weise fände er:
den ORT im Wort. doch das genügt ihm nicht.
er setzt den Meißel anders an und haut
noch viel mehr weg und übrig bleibt: ein WO.
das kommt dem näher, was er sucht.
doch ist auch das für ihn noch nicht genug.
weshalb er meißelt, schleift, poliert
sein Wort herunter bis zum O.
jetzt erst ist er froh.
Petros hat mich mit seinem humorvollen Gedicht „Was reimt muss nicht gleich dichten“ sehr zum Schmunzeln gebracht – nur der Satz
Worte brauchen Zügel
Sonst wird draus kein Gedichthat in mir – trotz seiner schönen Pegasos-Allusion – Widerspruch geweckt … und mich zu folgenden Zeilen inspiriert:
ja: manchmal brauchen Wörter Zügel.
manchmal aber brauchen sie wohl eher Flügel.
manche Wörter brauchen eine lange Leine.
und manche brauchen nichts als eigne Beine.
ich bin sicher: nur wenig Wörter sind zu zähmen
(Gefahr besteht, sie so zu lähmen).
viele Wörter brauchen nur etwas Pflege.
und einige Wörter gehen lieber ihrer Wege.
fürwahr: gewisse Wörter brauchen einen Schnitt.
andre Wörter bringen ihr Gefolge mit.
und wieder andre gehen nur bei Mondlicht um.
die meisten aber liegen einfach nur so rum
und warten nur darauf, dass wir sie lesen
und auf der Suche nach ihrem Wesen
in ihren Eigen-Sinn eintauchen:
wer kann schon erahnen, was Wörter brauchen?
immer werde ich
dem Wort das Wort
reden: ich werde
um jedes Wort ringen,
mir dieses oder jenes
Wort vom Mund abschneiden
und rasch das Wort ergreifen,
sobald ich darüber stolpere:
immer werde ich dem Wort
das Wort reden
zwar kann sie
auf Wörter
zählen
aber rechnen
mit Wörtern
kann sie nicht
dafür kann sie mehr
als nur schwarze und rote Wörter
schreiben
solange sie nie
an Wörtern
spart
vielleicht finde ich
meine eigene Handschrift,
indem ich mir auf den Leib schreibe,
was mir auf der Stirn geschrieben steht
ich finde keine Worte für
die Worte, die nach mir
suchen gewiss
ich suche im Wortlosen nach
Worten für Worte, die mich
finden vielleicht
Wort für Wort ein Wort
für ein Wort: ohne Worte
hingekrakelt sei mein Wort ohne jeden Wirbel
mit einer schwarzen Tinten:
stark autark. autochthon autonom. archaisch anarchisch.
habe acht: acht Versarme sagen
und saugen. Krikelkrakel nur, doch sie verfangen.
fangen. Kopf und Fuß. an Fuß und Kopf.
kurz ist das Leben:
Verse am Stiel lass wachsen aus des Wortes Augnapf
Inspiriert von dem Band „Kraken“ aus der wunderbaren Naturkunden-Reihe von Matthes & Seitz
es ist Zeit zu überdenken:
will ich schreien oder schreiben?
will ich zeigen oder schweigen?
will ich sagen oder fragen?
will ich klären oder klaren?
es ist Zeit um_zu_dichten:
mehr WiederWorte, weniger WiderWorte
mehr WerkVerse, weniger MerkVerse
mehr MeerReime, weniger KehrReime
mehr GernSätze, weniger KernSätze
es ist Zeit
ich dichte immer
aus der hohlen Hand
gern mit vollem Bauch
und lieber ohne Kopf
doch dabei stets
aus tiefstem Herzen
ein Schild verspricht mir
„Otterwechsel“: nur sein Wort
behält er für sich
ein Teich in der Mark:
lauthals quaken die Frösche
Wort um Wort, waldgrün