nur Wort
Wort pur
inspiriert von der großartigen Ausstellung „Wolfgang Hollegha: Denk nicht, schau!“ im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden
Hier findest Du die wirklich guten Gedichte von Lyrifant, also die Texte, die Lyrifant selbst am besten gefallen. Der Rest sind Eintagsfliegen, Spielereien, Fingerübungen… und Müll ist sicher auch dabei :-)
nur Wort
Wort pur
inspiriert von der großartigen Ausstellung „Wolfgang Hollegha: Denk nicht, schau!“ im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden
es wäre wieder die Zeit: Goldlichtverse
auf fallende Blätter schreiben, Igelworte
unter raschelndem Laub verstecken und
in Nebelsätzen über Felder huschen
und Kastanienreime sammeln
wenn da nicht wären: düstere Wehrlyrik,
die täglich in unsere Köpfe fällt, Hetzworte
über rauschende Bildschirme, unverhohlen,
jeder Absatz marschtrittfeste Feldeuphorie
und geballte Kriegspropaganda
ich hänge
am Leben
leg ein gutes Wort ein
für haltbare Lyrik:
Verse (ausgekocht
und aufgeweckt)
aus der Konserve
als stille Reserve
wo Wörter träumen,
erwachen Gedichte
scheinbar einfach
um drei Ecken
drei gleiche Seiten
ungleich vielseitig
der eine Ton
nie eintönig
ja, ich mach mir
was aus Worten:
ich schreib mir
ein Gedicht

das schönste Gedicht
schreibt der See: in sanften Wellen
fängt ein er das Licht des Augenblicks
über der Ewigkeit Tiefe
das unwortbare
ins wortlose
wort fassen:
schweigen
singen
greif ein jedes Wort
bei den Wurzeln:
nicht an Blüte und Frucht
wirst du erkennen
das Wort, das dir
geschrieben ist auf Gedeih
und Verderb
setze meine Worte
lichte den Vers
lege ab
zu neuen Gedichten
ein jedes Wort
beim Wort nehmen:
dann gibt ein Wort
das andere