„Friedenskitsch“?

Nie hätte ich geglaubt, dass ich mich einmal tatsächlich öffentlich zu Kitsch bekennen müsste – doch ich in diesem einen Fall bleibt mir keine Wahl.

von seinem aufrechten „Friedenskitsch“
wünsche ich mir entschieden mehr
als von eurer verlogenen Kriegsromantik

nein, mein was auch immer geb ich euch nicht –
geb ich euch doch schon viel zu viel
mit meinem Wort

Sternengeburtstag

für Conny

spät nachts im Bett schon denken:
heute wärst Du 60 geworden …
morgens aufwachen und denken:
heute wärst Du 60 geworden …
mittags einer Kollegin erzählen:
heute wärst Du 60 geworden …
nachmittags beim Tee erneut inne werden:
heute wärst Du 60 geworden …
abends beim Essen daran erinnern:
heute wärst Du 60 geworden …
spätabends eine Kerze anzünden für Dich:
heute wärst Du 60 geworden …

… und denken:
Stern, Du – was sind schon 60 Jahre?
heute wirst Du täglich ewig!

retten

In seiner Form ist dieser Text inspiriert von „gedanken zerren“, dem Debüt-Gedichtband von Özlem Özgül Dündar, wobei ich die Form einerseits radikalisiert und andererseits aufgebrochen habe für eine Idee, die in mir gärte und die ich nun glaubte, mit diesem Format am besten umsetzen zu können. Das Potential dieser Form ist einfach klasse, weil diese gebrochene Sprache gleichzeitig so viel Ungesagtes mitschwingen lässt – eine echte Entdeckung!