„Et jibt noch jute Menschen“

Begegnung am S-Bahnhof Adlershof

auf der Wartebank
bietet mir eine Frau neben sich einen Sitzplatz an
und empfiehlt mir den guten Kaffee vom Kiosk
(den sie eben bekommen hat, wie schon so oft),
und sie erzählt mir vom Leben in Adlershof,
in welchem Laden man noch Pizza bekommt für 4,50
(wo auch das kirgisisch-italienische Wirtspaar so nett ist)
und von ihrer kleinen Arbeit in einem Blumenladen,
und sie macht Werbung für das Kiez-Frühstück:
„Et jibt noch jute Menschen, globen Se det“, sagt sie
irgendwann zwischendrin

und ja, ich will es ihr gerne glauben – denn gerade
bin ich so einem guten Menschen begegnet

ein prokrastinierendes Gedicht

für Fabio, der mich mit seinem aktuellen Post zu diesem Gedicht angeregt hat

bevor ich dieses Gedicht
schreiben kann, brauche ich
erst noch eine gute Idee

und bevor ich eine gute Idee
habe, muss ich mich erst noch
ein bisschen inspirieren lassen

und bevor ich mich inspirieren
lassen kann, muss ich erst noch
frische Luft schnappen gehen

doch bevor ich an die frische Luft
gehen kann, muss ich erst noch
einen Happen essen

aber davor muss ich noch

(ich schreib es morgen)

ein anderes Leben?

ein anderes Leben! – stell es dir vor:
wie du durch ein anderes Fenster
auf eine andere Straße blickst.
wie du durch eine andere Tür
in ein anderes Freie trittst.
wie du durch andere Straßen
zu anderen Geschäften gehst
und andere Dinge einkaufst.
wie du dich mit anderen Menschen
in anderen Cafés triffst und mit ihnen
über andere Themen sprichst.
stell dir vor: wie du einfach
in ein anderes Leben schlüpfst.
und stell dir vor: wie es wäre, wenn
dieses andere Leben dein Leben wäre.

doch: wäre diese andere Leben, sobald
es dein Leben wäre, dann überhaupt noch
ein anderes Leben?