Passend zum Thema: Ein Gedicht-Bastel-Satz – viel Spaß beim Puzzeln!
Wer von Säuberungen spricht,
wird eine breite Spur von
Dreck, Schmutz und Unrat
hinterlassen. Sauber bleibt
noch nicht einmal seine Weste.
Ich frage mich:
Wie oft wohl
habe ich schon
vor diesem verdammten Gral
gestanden, ohne
die erlösende Frage
gestellt zu haben?
Und warum
habe ich mich das
bisher noch nie
gefragt?
Welt, wohin gehst du?
Welt, wohin führt das?
Welt, wohin bringt es uns?
Welt, wohin haben wir es gebacht?
Welt, wohin mit uns, wenn die Welt aus den Fugen ist?
Welt, wohin mit dir, wenn wir die Welt aus den Angeln heben?
Welt, wohin?
Maske um Maske
suche ich unter
den vielen Masken
mein Gesicht.
Doch ich finde es nicht.
Und noch ein Text, der seinen Ursprung einer Formulierung der lieben Eulenschwinge verdankt…
Stets nehmen wir uns Zeit,
obgleich wir uns Zeit schenken müssten,
um Zeit zu haben.
Bisweilen vertreiben wir uns die Zeit,
stehlen einander die Zeit,
ja, schlagen die Zeit sogar tot,
anstatt uns Zeit zu lassen.
Wie oft spielen wir ganz auf Zeit,
wobei wir Zeit verlieren,
indem wir Zeit zu gewinnen glauben.
Wir denken, wir gehen mit der Zeit,
weil wir fürchten, die Zeit könnte stehen bleiben,
obwohl wir von Zeit zu Zeit
die Zeit am liebsten anhalten würden.
Doch die Zeit vergeht,
und es kommt die Zeit,
da es allerhöchste Zeit sein wird,
Zeit zu finden für uns und für unser Leben,
bevor wir für alle Zeit
das Zeitliche segnen.
Ihr fragt uns nach
unseren Antworten
auf eure Fragen.
Wir aber antworten mit
unseren Fragen
auf eure Antworten.
Wortdurstig
trinke ich
Sprache.
Sie ist mein Wasser.
Sie ist mein Nektar.
Sie ist mein Wein.
Und ich trinke
und trinke, trinke
und sinke
immer tiefer
in sie hinein, bis
ich singe –
worttrunken.
Mir träumte,
ich schriebe ein Gedicht:
Es war so leicht, so zart, so fein.
Doch als ich erwachte,
fand ich es nicht:
Mir fiel es einfach nicht mehr ein.
Ach, süßer Schlaf,
schenk du mir keine Traumgedichte mehr,
die mich zum Narren halten – hinterher.
Wer sich nicht ausweisen kann,
wird ausgewiesen.
Wer ausgewiesen wird,
bleibt für immer ohne Ausweis.
Wer aber einen Ausweis hat,
darf ausweisen.
Wer ausweist,
ist ausgewiesen ausgewiesen.
Denn:
Eine Ausweisung
ist ein Ausweis
ausgewiesener
Unmenschlichkeit.
“Heimat – was zum Kuckuck?!” ist das Motto des diesjährigen Open Ohr-Festivals. Eine kleine Idee, die mir schon länger zum Thema “Ausweisung” im Kopf herumspukt, habe ich deshalb heute noch mal aufgegriffen und zu einem vorläufigen Ende gebracht; sie passt ganz gut dazu, denke ich.
Leicht ist es,
Leichtes schwer zu nehmen.
Schwer ist es,
Schweres leicht zu nehmen.
Ein Denkzettel
ist ein Denkfehler,
der sich in eine Gedankenwelt
aus Denkfallen verzettelt,
ist ein Denkschritt
in ein gedankenloses Denksystem,
das zu Denkfaulheit anzettelt,
statt einen Denkanstoß zu geben.