Es dürfte ein Irrtum sein:
dass, ist die Sehnsucht endlich gestillt,
ein Gefühl der Sättigung eintritt.
Lyrik
Sehnsuchts Stille. Eine Rückfrage
Wie soll das gehen:
das, was da brüllt
in meiner Brust,
an meiner Brust
zu stillen?
Sehnsuchts Stille
Erst wenn du
deine Sehnsucht
gestillt hast, weißt du,
wie laut sie war.
Adieu, gnas barov!*
Nachruf auf Charles Aznavourian
Je vous parle d’un temps,
von einer Zeit, die nun für immer ist
Vergangenheit, von Künstlerglück, das
nie mehr kommt zurück:
La bohème, la bohème
Ça voulait dire on est heureux.
Je vous parle d’un homme,
von einem Menschen, der klein war, arm und
fremd, einem Menschen, der wurde groß und reich
zwar, doch heimisch nie:
La bohème, la bohème
Ça ne veut plus rien dire du tout.
Je vous parle d’une voix,
von einer Stimme, die nun für immer ist
verklungen, die war von dieser tiefen Traurigkeit, die
glücklich machen kann. Verstummt sie ist für immer,
wie ungern lass ich sie doch gehn.
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=A314PVRSQIM&w=560&h=315]
*armenisch: ‘mach’s gut’ (ich hoffe, dass es richtig ist, denn ich kann leider kein Wort Armenisch).
Verwandtschaften
Auch wenn Du es nicht weißt –
Du spürst es:
Elend und Anderland
sind ein und dasselbe Wort.
Und Exil ist Umhergeirr,
im Aus.
Auch wenn Du es nicht weißt –
Du ahnst es doch:
Wer fremd ist,
ist einer von Fort-von
und nicht von Hin-zu
oder gar von Inmitten.
Du hast geglaubt:
Asyl, das sei
ein Unraub-Raum, wo
niemand Dir von Dir was nimmt.
Und jetzt denkst Du, dass
Flucht und Fluch Verwandte sind –
sie sind es nicht im Gegensatz zu uns
(was wir nur vergessen haben),
sind In- und Ausland doch dasselbe.
wortorten
zwischen all den
Sprichorten
worte und orte ich
(die Fühler auf Empfang)
nach dem einen
Fundwort
Spezifisch Mensch
sagen
kannst du
ohne zu reden
aber leider auch
reden
ohne zu sagen
sprechen
kannst du
ohne zu denken
zum Glück aber auch
denken
ohne zu sprechen
Ein Zeitwort
Impertinenz
steigt auf, wo
Macht und Trotz
die Leiter halten
Septembermorgen
Goldlicht bricht
durch Silbernebel,
der zwischen Bronzeästen
in Kupferblättern sich verfängt:
schwer legt der September
sich auf mein Herz
aus Erz
Das Leben, ein Schatten
Es hat schon eine gewisse Tradition, dass mich Konzerte der fantastischen Capella Moguntina zu Gedichten inspirieren. Diesmal hat mich das Herbstprogramm “Unser Leben ist ein Schatten” zu einem kleinen Text nach Art der Konkreten Poesie angeregt (mag sein, dass er nicht in allen Medien korrekt angezeigt wird).
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergänglich
vergängLicht
Kurzglückfragmente (14)
im Schein der Nachttischlampe les ich neue Gedichte
(an sich schon ein Glück für sich!): treff auf ein altes Wort
und lass mir weit zurück in die Erinnerung leuchten
o Mensch!
schneidest dir
ins fremde Fleisch
die eigene Haut
zu retten
machst dir
so deinen Kopf
dem andern das Genick
zu brechen
du bist ein einig Leib
du bist ein einig Geist
und hast die Seele verkauft
und hast dein Herz verloren