Was mag der Ohrwurm am liebsten?
Kopfnüsse und Zungenmandeln? Oder
Nasenwurzeln und Wangenknochen?
Oder doch seine Ohrmuscheln?
Nein! Am liebsten ist ihm sein Augapfel –
da vergeht ihm Hören und Sehen.
Was mag der Ohrwurm am liebsten?
Kopfnüsse und Zungenmandeln? Oder
Nasenwurzeln und Wangenknochen?
Oder doch seine Ohrmuscheln?
Nein! Am liebsten ist ihm sein Augapfel –
da vergeht ihm Hören und Sehen.
Tier, ich seh dich an
und denke: Ich bin
ein Mensch, und du
bist ein Tier. Du
siehst mich an, doch
was denkst du?
Denkst du: Ich bin
ein Tier, und du
bist ein Mensch?
Wohl kaum. Oder
denkst du: Du bist
ein menschliches
Tier, und ich ein
Tier? Wohl kaum.
Tier, ich weiß, du
denkst, doch was
du denkst, kann
ich nicht denken.
Ich spüre, du siehst
mich an, doch was
du siehst, wenn du
mich siehst, kann
ich nicht sehen.
Tier, du bist ein Tier,
ich bin ein Mensch,
bin ein menschliches
Tier und dir so fern
wie Tier von Tier,
wie Mensch von Mensch,
wie Mensch von Tier.
Sorry, Leute, ich weiß, das ist wirklich ganz unter meinem Niveau, aber nach einem Tag wie heute kann ich nur noch blödeln…
Ficht ein Strauß
mit einem Strauß
einen Strauß
aus, kommt
oh, Graus!
ein ganzer Strauß
von Sträußen
und Straußen
aus diesem Strauß
heraus.
Den Spatz
mag ich nicht
in der Hand
haben.
Da ist mir
die Taube
auf dem Dach
schon lieber.
Am liebsten aber
halte ich Ausschau nach
dem schrägen Vogel und
dem komischen Kauz.
Gern schau ich ihnen zu,
sehe ihnen nach,
einfach so,
mit leeren Händen.
Der vierte Impuls hat es in sich: Geräusche, die wir im alleinsein machen… Will ich das überhaupt preisgeben? – Doch dann fiel mir ein, dass ich mich schon mal an einem Gedicht über meinen inneren Zoo versucht hatte, damit damals aber nicht weitergekommen bin. Und da war sie, die Idee: eine schlaflose Nacht in Tiergeräuschen.
Schlaflose Nacht
Um elf brummt dich
der Schlaf ins Bett,
noch summt dein Geist,
dein Körper zirpt.
Um Mitternacht
kräht dich ein Einfall wach.
Um ihn zu halten lässt du ihn
für eine Stunde in dir quaken.
Gegen halb zwei
krächzt dein Hals dich aus dem Schlaf.
Du nimmst einen Schluck Wasser,
da gackert es in deinem Bauch.
Viertel vor drei
grunzt es aus deinem Rücken,
dass dir die Knie schnattern.
Es quiekt in deinem Ohr.
Doch kurz darauf gurren
süße Träume durch dein Aug.
Deine Muskeln muhen entspannt.
Endlich kannst du schlafen.
Punkt vier beginnt – miau! –
die Sorge dumpf zu blöken,
und dein Herz wiehert auf.
An Schlaf ist nicht zu denken.
Um sechs bellt dein Wecker.
Deine Nerven keckern.
Du aber packst deinen Zoo
zusammen und stehst auf.
Sieh dir an, wie die kleine dicke Hummel fliegt!
Warum solltest du nicht auch endlich deinen Traum leben können?
Oje, beim dreiundzwanzigsten Impuls – „schreibt ein grünes pantun“ – hab ich erst einmal gedacht: “Jetzt steig’ ich aus. Das krieg ich auf Knopfdruck so nicht hin.” Aber wirklich eine spannende Form! Das hat mich dann doch gereizt. Dass es hätte reimfrei sein dürfen, hab ich erst heute Morgen realisiert… nunja, da war mein kleines sinnfreies (?) Tiergedicht schon da:
Das verliebte Fröschlein
Ein traurig’ Fröschlein saß im grünen Grase.
Es hatte sich gar frisch verliebt.
Das Ziel der grünen Liebe war ein Hase.
Es staunte, dass es sowas gibt.
Es hatte sich gar frisch verliebt,
Das Fröschlein dort im Wiesengrund.
Es staunte, dass es sowas gibt.
Ihm war im Kopf so kunterbunt.
Das Fröschlein dort im Wiesengrund,
Es konnt’ es einfach nicht verstehen.
Ihm war im Kopf so kunterbunt.
Wie sollt’ es ihm denn nun ergehen?
Es konnt’ es einfach nicht verstehen:
Das Ziel der grünen Liebe war ein Hase.
Wie sollt’ es ihm denn nun ergehen?
Ein traurig’ Fröschlein saß im grünen Grase.
Der zwanzigste Impuls – „lichtscheue wesen“ – hat mich zu einem kleinen allegorischen Tiergedicht inspiriert:
Lichtscheue Motten
Lichtscheue Motten
schwirren länger – ja,
aber sie haben
viel weniger
Spaß.
Für den elften Impuls – wählt einen oder zwei begriffsstudiobegriffe und bindet diese in euren text ein – bräuchte ich viel mehr Zeit (allein schon zum Durchstöbern und Durchforsten des Rinckschen Begriffsstudios), das gibt mein momentanes Arbeitsleben leider nicht her… Mein erster Impuls auf diesen Impuls war:
abstrakte tiere?
frau rinck, ich kapituliere.
vor diesem sammelsurium,
da knie ich nieder, stummDoch nächtens haben die “abstrakten tiere” dann doch noch ein wenig in mir rumort – und dies ist das (vorläufige) (nicht-amtliche) Endergebnis:
abstrakte tiere*
die ung, die frisst mir aus der hand
die heit, die keit stets elegant und sehr charmant
das tum ist etwas träge
die schaft dagegen rege
am klügsten ist das wesen
denn es kann schließlich lesen
doch wenn ich mal ganz ehrlich bin
und eben mal so weiterspinn‘
dann sind mir die vampierchen**
nun doch die lieberen tierchen
das un, das ent, das miss
und auch das zähnereiche dis
sie beißen ganz erfrischlings***
die lers, die lings, das dings
im wörterzoo sind sie alle vertreten
die hohen, die kleinen
die schlichten, die feinen
die abstrakten wie die konkreten
*Nr. 3267
**Nr. 3104
***Nr. 3524
aus Monika Rincks “Begriffsstudio”
Die Hafengiraffen recken ihre Hälse in die Luft:
Wann kommt das nächste Schiff?
Hafenelefanten säumen sorgsam aufgereiht
die Mole, bereit, die Lasten aufzunehmen.
Und zwischen den Containern entdeckte ich
neulich noch ein einsames Hafenkamel.
Nur die Hafenflusspferde sind offenbar immer
unter Wasser…
Eine Hommage an tierisch tierisches Industrie-Design!
Leider bin ich
eher Fliege als Wespe:
Immer wieder stoße ich
mit dem Kopf gegen das
geschlossene Fenster,
wohingegen die Wespe
nach ein, zwei Fehlversuchen
durch die offene Tür
wieder ins Freie fliegt.
Das schöne Wort “Unbär” in Heinrich Heines “Atta Troll. Ein Sommernachtstraum” (1841) hat mich zu diesem kleinen Text inspiriert.
„Ich bin doch kein Unbär“,
sagt der Bär, der von sich behauptet,
dass ihm nichts Bäriges fremd sei,
und er fügt hinzu, dass es doch
nur allzu bärig sei, wenn Inbären
Ausbären als Unterbären ansähen,
wodurch er sich als genau das
entlarvt, was mich veranlasst,
ihm jedwede Bärigkeit rundweg
abzusprechen, denn mit solchen
Äußerungen ist er einfach nur das,
was er demonstrativ leugnet zu sein:
ein Unbär.