Leider bin ich
eher Fliege als Wespe:
Immer wieder stoße ich
mit dem Kopf gegen das
geschlossene Fenster,
wohingegen die Wespe
nach ein, zwei Fehlversuchen
durch die offene Tür
wieder ins Freie fliegt.
Tiergedicht
Der Unbär
Das schöne Wort “Unbär” in Heinrich Heines “Atta Troll. Ein Sommernachtstraum” (1841) hat mich zu diesem kleinen Text inspiriert.
„Ich bin doch kein Unbär“,
sagt der Bär, der von sich behauptet,
dass ihm nichts Bäriges fremd sei,
und er fügt hinzu, dass es doch
nur allzu bärig sei, wenn Inbären
Ausbären als Unterbären ansähen,
wodurch er sich als genau das
entlarvt, was mich veranlasst,
ihm jedwede Bärigkeit rundweg
abzusprechen, denn mit solchen
Äußerungen ist er einfach nur das,
was er demonstrativ leugnet zu sein:
ein Unbär.
Der Wind
für Colorina und Negrito
Der Wind
ist eine Katze.
Er maunzt und raunzt,
murrt und schnurrt,
faucht und haucht,
schnaubt und staubt,
kratzt und schmatzt,
beißt und reißt,
zerrt und plärrt,
scharrt und schnarrt,
schmust und pfust,
schmiegt und siegt.
Im Wind
ist mein armes kleines Haus
nur eine erbärmliche Maus.
Von Bären und Beeren
Zu diesem kleinen Text hat mich die Fotoserie “A bear and her berries” von Christopher Martin inspiriert.
Wenn
die Bären
in die Beeren
gehen,
kommen
die Beeren
in die Bären:
Beerenbären
lieben
Bärenbeeren.
Fragment
Worte
springen mich an
wie Tiger
mit einem Satz
Rat eines Tieres
Wer büffelt, ochst nur
und stiert Löcher in die Luft.
Mensch, schlängel dich doch lieber durch dein Leben!
Mensch, hechte nicht durch den Tag,
krebse und krabbel nicht herum,
robbe dich nicht mühsam vorwärts:
aale dich lieber in der Sonne.
Du kannst hamstern wie ein Hörnchen,
mausen, mopsen,
und bist am Ende doch verratzt.
Dackel nicht jeder Mode hinterher,
bocke lieber mal.
Äffe niemanden nach,
damit übertölpelst du dich nur selbst.
Tiger nicht immer hin und her,
wiesel nicht ständig auf und ab,
luchs lieber dem Himmel ein Stück Sonne ab.
Igel dich ein,
drossel dein Tempo
und bremse.
Was maikäferst du denn den lieben langen Tag?
Schab dich nicht! Grille lieber –
oder noch besser: fliege.
Wer immer nur geiert,
am Ende reihert.
Vögel lieber!
Doch kiebitze nie beim
Liebesspiel des Nachbarn.
Denn nur wer mit Anstand ferkelt,
kann fröhlich gickeln
und schimmelt nicht.
Wer dagegen stets herumzickt,
muffelt.
Mensch, mir schwant,
dich wurmt, was ich dir sage,
dich verstört mein Rat.
Es fuchst dich mein Gedicht –
und du unkst:
„Du spinnst, du Tier,
das rentiert sich alles nicht.“
Wenn ich ein Vöglein wär’
Wenn ich ein Vöglein wär’
Und auch zwei Flügel hätt’,
Flög’ ich zu Dir.
Wenn ich ein Fischlein wär’
Und auch zwei Flossen hätt’,
Schwömm’ ich zu Dir.
Wenn ich ein Rehlein wär’
Und auch vier Beinchen hätt’,
Spräng’ ich zu Dir.
Da ich ein Menschlein bin
Und nur zwei Beine hab’,
Geh’ ich zu Dir.
Das kann nun langsam sein,
Das kann nun mühsam sein,
Doch komm’ ich zu Dir.
Selbst wenn ich ein Schnecklein wär’
Und keine Beine hätt’,
Blieb’ ich nicht hier
Und kröch’ zu Dir.
Bärenmüde
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 13
Es gibt Tage,
da fühle ich mich
wie ein Bär,
den man schon
sein halbes Leben
um seinen
Winterschlaf bringt.
Vergebliche Liebesmüh
Ich hab’ Pferde gestohlen
und Schafe gezählt,
Flöhe gehütet und
Mäuse gemolken.
Ich hab’ mir Bären aufbinden lassen
und mich zum Affen gemacht.
Alles für die Katz.
So geh’ ich vor die Hunde, doch
kein Schwein interessiert’s,
kein Hahn kräht danach.
Blinde Kuh
Das blinde Huhn erhascht
die taube Nuss.
Die lahme Ente packt sich
den stummen Fisch.
Es ist ein Kinderspiel.
Doch wer hat nun
den Schwarzen Peter?
Kalauer
“Auch der frühe Vogel
kann leer ausgehen”,
feixt der späte Wurm
in sich hinein –
bevor ihn der späte Vogel frisst.
“Wie wahr”,
denkt der frühe Wurm,
der heute einfach Glück hatte.
Ein Rausch im Plauschbär-Lauschbär-Flausch
nur für Kerstin, die es allein versteht 🙂
Der Plauschbär spricht zum Lauschbär:
“Ich möcht’ so gerne mit dir plauschen.”
Der Lauschbär aber sagt zum Plauschbär:
“Ich mag dir doch nur lauschen.”
Da will der Plauschbär lieber tauschen
und den Lauschbär’n hören rauschen.
Doch der Lauschbär bleibt ganz still –
und lässt Plauschbärs Ohren bauschen.