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manches
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schief
schief
schief
Lyrik
Miniatur
fernauf fernab gängiger Wege
weitaus weitein
nahezu naheweg
hellauf hellab der Mond
vollauf vollunter
rundum rundin
kurzum: kurzüber alle Welt
Dichten und Schwimmen
Dichten
ist Schwimmen
in Sprache
Schwimmen
ist Dichten
in Wasser
Wasser atmen tief
Wasser atmen tief
weiter schwimmen weit
hinaus dorthin wo der Himmel
das Wasser berührt Welle um Welle
immer weiter tiefer kein Land nichts
als Wasser Wasser atmen tief ich schwimme
dem See ins blaue Auge
er trägt mich auf nassen Händen
ins Trockene Grüne dem Himmel
entgegen grau blau und weiter tiefer:
in seinen Wasserarmen bin ich bei mir wasserblau
Das böse Kind
In den Augen meiner Eltern
bin ich stets das böse Kind, das
ihren Händen längst entglitten ist.
Sie haben kein Ohr für mein Glück.
Ihre Nase riecht in allem das Böse,
das ihnen ihr Kind entzogen hat.
Ihre Zunge kennt nur noch
Wut und Hass. Ihr Herz schreit
nach Liebe, doch ihre Füße treten
mich und machen aus mir
das, was ich in ihren Augen bin:
das böse Kind.
Sein
Es spricht mein Geist:
Ich denke, also
bin ich.
Es spricht mein Leib:
Ich leide, also
bin ich.
Es spricht mein Herz:
Ich liebe, also
bin ich.
Ich aber sage:
Ich bin.
heiß
heiß
ging’s her
diesen Sommer:
wir waren
ganz heiß
auf heiß –
bis es uns
erwischt hat:
eiskalt
bald
bald werden die Tage wieder kürzer beginnt der Sommer
wird es Herbst bald werden die Nächte wieder länger bald
beginnt der Winter wird es Frühling
ein Palimpsest
tiefe Rillen
ritzt das Leben
in die Rinde meiner Haut:
ganz aufgerauht ist sie
vom vielen Bims
über alten Zeichen,
immer wieder neu
beschrieben, dabei zerrieben fast
zwischen meinen Jahresringen:
ein Palimpsest,
in dem ich lese
und dennoch keines der geheimen Zeichen
zu entziffern vermag
schl-cht!
Schlacht: schlecht
schlicht: Schlucht
schade, kein
schlocht!
im Wort
im Wort
stehe ich:
meine Worte
so zu legen, bis
ein jedes Wort
sitzt
Wort ohne Worte
kein Wort
möchte ich verlieren
dort, wo ich keine Worte finde