Manchmal fürchte ich,
ich muss von Euch gehen,
um zu mir zu kommen.
Lyrik
Kurzglückfragmente (6)
an der Autobahnraststätte unverhoffte Begegnung mit einer Schafherde:
aus dem gleichmäßigen Blök-Sound erhebt sich gelegentlich ein sonores Schafsbass-Solo
Kurzglückfragmente (5)
nach einem erfrischenden Bad im See durch die Sommerhitze wandeln, eingehüllt
in sanft kühlende Seewasserhaut
Kurzglückfragmente (4)
der Wind spielt mit den zahllosen Lichtbällen auf der Wasseroberfläche, bis sie
zu seiner Musik über den See tanzen
Kurzglückfragmente (3)
im Angesicht der Sonne recken sich die Sonnenblumen
gesenkten Hauptes ins Sonnengelbe empor
Kurzglückfragmente (2)
in die frühmorgendliche Pause im Liebesgezirp der Zikaden zwitschern
die Singvögel ihr tägliches Loblied auf den Anbruch eines neuen Sommertages
Dichtdenken
Dichten ist
Denken in Bildern und Klängen,
dicht, ganz dicht
Vollmondnacht
das helle Auge des Mondes
lugt sanft herein durchs offene Fenster zur Nacht
und macht
meine dunkelblauschweren Gedanken licht
und leicht
Schatten
die Eidechse döst
in der Mittagssonne, bis
der Schatten meines Wortes
sie aufschreckt
ich fühle mich
schuldig
für einen kurzen Moment
für einen kurzen Moment
setzt sich der alte Mond
– des Wanderns müde –
nieder ins dürre Geäst: und
für einen kurzen Moment
steht die Nacht
still
Ein (verspätetes) Mondfinsternis-Elfchen
orangerot
steht Finstermond
am nachtschwarzen Himmel:
wir schauen, staunen, erschauern –
mondtrunken
(27. Juli 2018)
Noch so ein Gedanke
Wenn es wahr ist,
dass wir Menschen
nach Gottes Ebenbild
geschaffen sind, dann
kann dieser Gott
doch nur der Teufel
sein, oder nicht?