augen mag ich Dich,
sobald ich Deine Stimme ohre:
darf ich Dich behanden?
nasen tu ich Dich gern,
noch lieber zunge und herze
ich Dich, auf dass Du
mir mundest
Lyrik
Sommerkrimi
Sommer
streift ziellos
durch die Straßen
unserer hitzeträgen Stadt.
Unter den Staubwolken
hinterlässt er uns
eine heiße Spur:
hin zur
Sonne
Nur so ein Gedanke
Wer denkt sich nur sowas aus:
einen Baum der Erkenntnis, von dem
der Mensch nicht essen darf?
Das muss doch der Teufel gewesen sein.
Welt(un)verständnis
Ich verstehe die Welt
nicht mehr, doch auch
die Welt hat mich
noch nie verstanden.
Rechts vor Recht?
Recht ist gesprochen,
Gerechtigkeit gebrochen.
Aufklärung war versprochen,
doch wurde Unrecht nicht gerochen.
Rechts applaudiert, das Recht bleibt still.
Das ist nicht das Land, in dem ich leben will.
verschollen
manchmal
stell ich mir vor
wie es wohl wäre:
verschollen
zu sein
oder – schöner noch –
wie wohl es wäre:
zu verschellen
oder – am schönsten –
wie es wohl wäre:
Ton um Ton zu
verschallen
(nicht) ganz dicht
dicht
am Leben dichten
ist mir zu wenig
lieber dichte ich
mitten aus dem Leben
mitten ins Leben hinein
vielleicht bin ich
nicht ganz dicht:
doch will ich dichten
dicht, ganz dicht
wer kennt es nicht?
so
manches
geht
e
r
a
d
e
w
e
g
schief
schief
schief
schief
schief
schief
Miniatur
fernauf fernab gängiger Wege
weitaus weitein
nahezu naheweg
hellauf hellab der Mond
vollauf vollunter
rundum rundin
kurzum: kurzüber alle Welt
Dichten und Schwimmen
Dichten
ist Schwimmen
in Sprache
Schwimmen
ist Dichten
in Wasser
Wasser atmen tief
Wasser atmen tief
weiter schwimmen weit
hinaus dorthin wo der Himmel
das Wasser berührt Welle um Welle
immer weiter tiefer kein Land nichts
als Wasser Wasser atmen tief ich schwimme
dem See ins blaue Auge
er trägt mich auf nassen Händen
ins Trockene Grüne dem Himmel
entgegen grau blau und weiter tiefer:
in seinen Wasserarmen bin ich bei mir wasserblau
Das böse Kind
In den Augen meiner Eltern
bin ich stets das böse Kind, das
ihren Händen längst entglitten ist.
Sie haben kein Ohr für mein Glück.
Ihre Nase riecht in allem das Böse,
das ihnen ihr Kind entzogen hat.
Ihre Zunge kennt nur noch
Wut und Hass. Ihr Herz schreit
nach Liebe, doch ihre Füße treten
mich und machen aus mir
das, was ich in ihren Augen bin:
das böse Kind.