Sofreh-ye haft sin*

Salz in Deines Lebens Suppe
Sand in die Getriebe, die es nötig haben
Seelenruhe dort, wo Wut nicht hilft
Senkblei, um Dich aus- und aufzurichten
Silbermöwen, die auf neuen Wegen Dich begleiten
Sonne, die warm Dir auf den Rücken scheint
Süßholz gegen alle Bitternis der Welt

* Zu Nouruz, dem persischen Neujahrsfest (in diesem Jahr beginnt das persische Neue Jahr heute um 22:58 Uhr),  stellt man sieben Dinge, die mit dem Buchstaben س (sin) beginnen, auf ein Tuch (das Sofreh), das man auf einem Tisch oder auf dem Boden ausbreitet. Heute hab ich nur eine Lyrifant-Variante für Dich, mein Liebster – für alles andere war es jetzt leider zu spät 🙁 Dafür umso mehr von Herzen: سال نو مبارک – Alles Gute zum Neuen Jahr!

Asyl

mein Herz
hab ich für Dich
schön heimelig gemacht:
zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon,
mit Himmelbett und Schreibetisch
und einer Laube für uns zwei

Du trittst ein, und ja, Du freust Dich,
und doch, ganz insgeheim, vermisst Du
den großen Garten Deiner Kindertage
und die Veranda rings ums Haus, und
Dir fehlt die Wärme, nicht nur des
Korsi

 

Adieu, gnas barov!*

Nachruf auf Charles Aznavourian

Je vous parle d’un temps,
von einer Zeit, die nun für immer ist
Vergangenheit, von Künstlerglück, das
nie mehr kommt zurück:
La bohème, la bohème
Ça voulait dire on est heureux.

Je vous parle d’un homme,
von einem Menschen, der klein war, arm und
fremd, einem Menschen, der wurde groß und reich
zwar, doch heimisch nie:
La bohème, la bohème
Ça ne veut plus rien dire du tout.

Je vous parle d’une voix,
von einer Stimme, die nun für immer ist
verklungen, die war von dieser tiefen Traurigkeit, die
glücklich machen kann. Verstummt sie ist für immer,
wie ungern lass ich sie doch gehn.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=A314PVRSQIM&w=560&h=315]

*armenisch: ‘mach’s gut’ (ich hoffe, dass es richtig ist, denn ich kann leider kein Wort Armenisch).

Verwandtschaften

Auch wenn Du es nicht weißt –
Du spürst es:
Elend und Anderland
sind ein und dasselbe Wort.
Und Exil ist Umhergeirr,
im Aus.

Auch wenn Du es nicht weißt –
Du ahnst es doch:
Wer fremd ist,
ist einer von Fort-von
und nicht von Hin-zu
oder gar von Inmitten.

Du hast geglaubt:
Asyl, das sei
ein Unraub-Raum, wo
niemand Dir von Dir was nimmt.

Und jetzt denkst Du, dass
Flucht und Fluch Verwandte sind –
sie sind es nicht im Gegensatz zu uns
(was wir nur vergessen haben),
sind In- und Ausland doch dasselbe.

Wind und Wetter-Liebe

in Schnee und Eis
hab ich gesessen einst
bei Nacht und Nebel
hast Du mich gefunden
mit Blitz und Donner
hast Du mein Herz gerührt

Sturm und Hagel
können mir nichts mehr anhaben
Wind und Wetter
trotzen wir
in Licht und Sonne
bin ich bei Dir

ein Nachklang auf Sophie Paulchens “wind und wetter”-frapalywo, die ich leider mal wieder komplett verschwitzt habe, und ein Vorklang auf den Tag morgen (für Dich, mein Liebster)

der Liebenden Sinne

der Liebenden Nase
riecht Wasser schon dort,
wo noch Wüste ist

der Liebenden Zunge
schmeckt Honig noch dort,
wo schon Galle fließt

der Liebenden Ohr
hört Hymnen auch dort,
wo Stille herrscht

der Liebenden Auge
sieht den Morgen schon dort,
wo noch Nacht ist

der Liebenden Haut
spürt die Sonne noch dort,
wo schon Schnee fällt

der Liebenden Sinne
nehmen, immer und überall,
nichts als die Liebe wahr