die stillen Abende

die stillen Abende
sind’s, die ich so mag
und wo ich find
die Ruhe nach dem Tag

die stillen Abende
sind’s, die ich so brauch
und wo ich spür
die Harmonie von Kopf und Bauch

die stillen Abende
sind’s, die ich so lieb
und wo ich weiß
mich frei von Nimm und Gib

die stillen Abende
sind’s, die ich so mag
und wo ich bin
ganz eins mit Nacht und Tag

zum tod von SAID

Dies sein letztes Gedicht, veröffentlicht heute posthum auf FAZ.net:

in manchen nächten
suchen platanen nach einem gott
der schweigen kann
die dunkelheit zieht sich zurück
der mond ruft die zikaden
die unbelehrbaren beten
auf eine geste des triumphs verzichten sie

SAID (27. Mai 1947 in Teheran – 15. Mai 2021 in München)

und in den kommenden tagen
suchen die liebenden nach dem dichter
der singen kann
sei nacht zu mir
ich ruf zurück die vögel
die ferne mutterlandschaft schweigt
auf eine geste der trauer verzichte ich

wahr ist geworden sein wort:
wo ich sterbe
ist meine fremde