das Alltagewerk ist endlich beendet. und nun, da die Zeit
des Nachsommers gekommen ist, so möge mein Geist
ins Hochland ausschweifen und stille Einkehr finden
im Rosenhause: auf dass er sich weit aufschwinge
und bilde an Natur, Kunst und Freundschaft –
und ich zu dem Menschen werde, der ich bin
Leben, Überleben
Zur Genealogie der Moral, neu gefasst
gewiss: die Moral von heute
hat keine Eltern, hat keine Großeltern –
und bitte: hoffentlich auch keine Kinder!
wie weit
wie weit ist es nur gekommen?
wir sollten weinen um die Menschen
und sorgen uns um Energiepreise
und wie weit wird es noch gehen?
Sprache des Krieges (3)
es gebe „zu viele Bösewichte auf dieser Welt“
sagt einer von den einen zu einem von den einen
(und beide denken sie – na, klar! – an die anderen)
ein Bösewicht, wer Böses dabei denkt!
im (gewohnten) Gang?
alles geht seinen (unaufrechten) Gang:
doch stets nur einen Gang und runter
(schon schon jetzt jenseits aller Gangbarkeit)
wann kommen wir endlich wieder
in die (aufrechten) Gänge?
Frage an die Elefantenrunde
wie viele Elefanten
müssen eigentlich noch
im Raum stehen, bis
wir sie endlich sehen?
Sprache des Krieges (2)
und die Helfershelfer der einen
verurteilen nur die „Reaktion“
der (jetzt eben auch) anderen,
nicht aber die ‚Aktion’ der einen
Sprache des Krieges (1)
was die einen bei den anderen
„völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“
nennen, heißt bei den einen selbst
„Präventivschlag“
Sein und Zeit, neu gefasst
in dieser Zeit
will ich nicht sein –
denn für das Sein
ist keine Zeit
Versuch und Irrtum
tief geschnitten habe ich mich
an meinen Gedankensplittern
schief gewickelt liege ich nun
mit jeder Faser im Denkgezettel
woher all diese Scherben auf dem Holzweg?
bin doch nur ein Mensch: splitterfasernakt
Phänomenologie des Geistes, neu gefasst
es ist schon ein Phänomen, wie wenig
Geist es braucht, um logisch zu erscheinen:
vernunftfreies Selbstbewusstsein
ohne Sinn und Verstand
scheint ausreichend
Zeitlyrik
wo Sicherheit
nicht einmal mehr Wörter geben können:
wo schlafen dann die Verse, wenn
selbst Reime zum Steilhang werden?
kein Satz taugt zum Geländer:
wir können nur noch
im freien Fall
dichten und
denken