Wortdurstig
trinke ich
Sprache.
Sie ist mein Wasser.
Sie ist mein Nektar.
Sie ist mein Wein.
Und ich trinke
und trinke, trinke
und sinke
immer tiefer
in sie hinein, bis
ich singe –
worttrunken.
Wortdurstig
trinke ich
Sprache.
Sie ist mein Wasser.
Sie ist mein Nektar.
Sie ist mein Wein.
Und ich trinke
und trinke, trinke
und sinke
immer tiefer
in sie hinein, bis
ich singe –
worttrunken.
Der Mond
steht kopf.
Die Sonne
fällt aus allen Wolken.
Die Sterne
lügen dir das Blaue
vom siebten Himmel herunter.
Zu diesem kleinen Text inspiriert hat mich das Bild vom kopfstehenden Mond (von Dave Thomas), gefunden auf dem Blog “Wort und Stern”. Danke, Chris!
Mir träumte,
ich schriebe ein Gedicht:
Es war so leicht, so zart, so fein.
Doch als ich erwachte,
fand ich es nicht:
Mir fiel es einfach nicht mehr ein.
Ach, süßer Schlaf,
schenk du mir keine Traumgedichte mehr,
die mich zum Narren halten – hinterher.
Wie stehen wir da,
wenn wir da stehen,
wo andere dasitzen,
wenn wir da sitzen,
wo andere daliegen,
wenn wir da liegen,
wo andere dastehen –
wie stehen wir da da?
An der Balustrade
hat eine Eskapade
die süße Limonade.
Sie traf die Schokolade
bei einer Maskerade
– oder war es bei der Olympiade? –
auf der Barrikade
– oder war es auf der Promenade? – .
Da gab es Hitzegrade
wie bei der Hitparade.
Nachgerade
bot sie ihr Karbonade
mit Remoulade
als Serenade
– oder war es Marmelade? – .
Die Wirkungsgrade
waren schnurgerade
– oder kerzengrade? – :
Die Schokolade
warf die Bundeslade
nach der Kavalkade
in die Palisade,
gänzlich ungerade.
Nach der Schimpftirade
gab es Minusgrade
und eine Funkblokade.
Ach, wie jammerschade!
Ja, ich weiß, es ist völliger Quatsch! Aber manchmal muss so Blödsinn einfach sein! – Es entlastet…
Ja, ich weiß: Liebesleid
ist das schönste Kleid
für ein Liebesgedicht.
Ja, ich weiß: Liebesschmerz
ist der einzige Scherz
in einem Liebesgedicht.
Wie kann
ich es dann
wagen, wie kann
ich es bringen,
in diesen dreißig Jahren
an Deiner Seite
von Liebesfreud’ nur,
von Liebesglück nur
zu singen?
Ein Gedicht zu unserem dreißigjährigen Jubiläum und auch ein Dankeschön an meinen Liebsten für dreißig wunderbare Jahre!
Wer büffelt, ochst nur
und stiert Löcher in die Luft.
Mensch, schlängel dich doch lieber durch dein Leben!
Mensch, hechte nicht durch den Tag,
krebse und krabbel nicht herum,
robbe dich nicht mühsam vorwärts:
aale dich lieber in der Sonne.
Du kannst hamstern wie ein Hörnchen,
mausen, mopsen,
und bist am Ende doch verratzt.
Dackel nicht jeder Mode hinterher,
bocke lieber mal.
Äffe niemanden nach,
damit übertölpelst du dich nur selbst.
Tiger nicht immer hin und her,
wiesel nicht ständig auf und ab,
luchs lieber dem Himmel ein Stück Sonne ab.
Igel dich ein,
drossel dein Tempo
und bremse.
Was maikäferst du denn den lieben langen Tag?
Schab dich nicht! Grille lieber –
oder noch besser: fliege.
Wer immer nur geiert,
am Ende reihert.
Vögel lieber!
Doch kiebitze nie beim
Liebesspiel des Nachbarn.
Denn nur wer mit Anstand ferkelt,
kann fröhlich gickeln
und schimmelt nicht.
Wer dagegen stets herumzickt,
muffelt.
Mensch, mir schwant,
dich wurmt, was ich dir sage,
dich verstört mein Rat.
Es fuchst dich mein Gedicht –
und du unkst:
„Du spinnst, du Tier,
das rentiert sich alles nicht.“
Es twittern die Spatzen von den Dächern:
Ist die Katze aus dem Netz,
surfen die Mäuse.
Wie man in den Wald hineinpostet,
so mailt es heraus.
Wo man bloggt, da lass dich ruhig nieder.
Was miteinander chattet,
das liket sich.
Wer sich nicht ausweisen kann,
wird ausgewiesen.
Wer ausgewiesen wird,
bleibt für immer ohne Ausweis.
Wer aber einen Ausweis hat,
darf ausweisen.
Wer ausweist,
ist ausgewiesen ausgewiesen.
Denn:
Eine Ausweisung
ist ein Ausweis
ausgewiesener
Unmenschlichkeit.
“Heimat – was zum Kuckuck?!” ist das Motto des diesjährigen Open Ohr-Festivals. Eine kleine Idee, die mir schon länger zum Thema “Ausweisung” im Kopf herumspukt, habe ich deshalb heute noch mal aufgegriffen und zu einem vorläufigen Ende gebracht; sie passt ganz gut dazu, denke ich.
Manchmal
baue ich ein Gedicht,
wie der Architekt
ein Haus baut.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
sprießt.
Manchmal
male ich ein Gedicht,
wie der Maler
ein Bild malt.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
spricht.
Manchmal
backe ich ein Gedicht,
wie der Bäcker
ein Brot bäckt.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
sprudelt.
Manchmal
webe ich ein Gedicht,
wie der Weber
ein Tuch webt.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
spinnt.
Manchmal
komponiere ich ein Gedicht,
wie der Musiker
ein Lied komponiert.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
klingt.
Manchmal
drechsele ich ein Gedicht,
wie der Schreiner
ein Tischbein drechselt.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
tanzt.
Manchmal
bastele ich ein Gedicht,
wie das Kind
einen Papierflieger bastelt.
Schöner aber ist’s,
wenn das Gedicht
einfach aus mir heraus
fliegt – und
fliegt und
fliegt.
mitunter
durchaus
obenauf
zwischendurch
nebenan
untendurch
voran, vorab
gegenüber
zuwider
anbei: nebenbei
überaus
voraus
inzwischen
vorbei
vorüber
aus
Auch wenn Du weg bist,
spüre ich Dein Auge
auf meiner Haut,
lese ich Dein Lächeln
aus meiner Hand.
Auch wenn Du weg bist,
höre ich Deinen Mund
an meinem Haar,
trinke ich Deine Stimme
von meinem Kopf
bis zu meinem Fuß.
Auch wenn Du weg bist,
schmecke ich Dein Herz
neben meinem Herzen,
atme ich Deinen Atem
in meinem Atem.
Auch wenn Du weg bist,
bist Du da.