Das Wort braucht
den Gedanken
wie
der Gedanke
das Wort braucht.
Monat: November 2015
“Herzlich willkommen!” (VI)
“Herzlich willkommen!”
rufen wir euch zu
und erklären euch den Krieg.
Freitag, der 13.
Irgendwo, ein Freitag, der 13.
verschlafen
Kaffeemaschine kaputt
Bus verpasst
Unterlagen vergessen
Kantine zu
Sitzung auf Sitzung abgesessen
Computer abgestürzt
Feierabend weg
mit dem Bus im Stau
Schlüssel verloren
keiner zuhause
Paris, Freitag, der 13. November 2015
früh aufgestanden
mit Elan gearbeitet
gut zu Mittag gegessen
nachmittags frei genommen
ein neues Kleid gekauft
abends ausgegangen
tot
ausgebrannt
für eine liebe Kollegin
früh für’s Leben entbrannt
immer für alles gebrannt
nichts und nie angebrannt
oft die Finger verbrannt
den Kopf bald abgebrannt
der Seele für immer eingebrannt
ausgebrannt
warum nicht
rechtzeitig durchgebrannt?
“Herzlich Willkommen!” (V)
“Herzlich willkommen!”
rufen wir euch zu
und schränken den Familiennachzug ein.
Oh Gott!
Im Himmel
ist der Teufel los.
„Zum Teufel
mit dem Teufel!“
flucht Gott,
von Gott verlassen.
Der Teufel lacht
auf Teufel-komm-raus:
„Teufel noch mal!
Gott behüte.
Ich werd‘ den Teufel tun.“
„Lieber Gott,
dich reitet wohl der Teufel?“
mischt sich ein Engel ein.
„Weiß Gott!“
gibt der Teufel zu bedenken,
„Gott ist eben auch nur ein armer Teufel.“
Nachtschattengewächse
Die Nacht wirft
ihren Schatten
in den Tag.
Der Tag wächst
in den Schatten
der Nacht,
Tag für Tag.
Ein Rausch im Plauschbär-Lauschbär-Flausch
nur für Kerstin, die es allein versteht 🙂
Der Plauschbär spricht zum Lauschbär:
“Ich möcht’ so gerne mit dir plauschen.”
Der Lauschbär aber sagt zum Plauschbär:
“Ich mag dir doch nur lauschen.”
Da will der Plauschbär lieber tauschen
und den Lauschbär’n hören rauschen.
Doch der Lauschbär bleibt ganz still –
und lässt Plauschbärs Ohren bauschen.
Schatten
Ich bin nicht
Dein Schatten,
mein Schatten
sollst auch Du nicht sein.
Ich stehe nicht
in Deinem Schatten,
in meinem Schatten
sollst auch Du nicht stehen.
Doch kann ich nicht
über meinen Schatten springen,
über Deinen Schatten springen
sollst jedoch auch du nicht.
Du wirfst auf mich
keinen Schatten,
keinen Schatten
möchte ich auf Dich werfen.
Du bist
mein Licht,
Dein Licht
lass mich sein.
älter werden
länger brauchen
kürzer atmen
schlechter hören
schlechter sehen
besser verstehen
schwerer gehen
leichter nehmen
mehr erinnern
weniger erwarten
viel vergessen
tiefer denken
tiefer fühlen
tiefer leiden
mit der Zeit geizen
das Leben verschwenden
die Seele verkaufen für ein Stückchen Liebe
Denkfalle
Du denkst,
ich denke,
du denkst…,
denkst du?
Du denkst,
ich denke,
du denkst,
ich denke,
du denkst…,
denke ich.