#frapalywo 2/17: geräusche – tag 2: im regen

Der zweite Impuls der #frapalywo lautet: im regen. Auch hier sind mir zwei Varianten eingefallen, eine romantische (vom Geräusch aus) und eine sarkastische (von der Sprache aus):

im regen am see

im geflüster des regens
das gemurmel des sees:
was sie wohl tuscheln mögen?

im regen

lasst mich im regen stehen,
solange ich in meiner traufe
trommeln höre, was er
mir flüstert

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 1: unterm baum (2)

Zum ersten Impuls von Sophie Paulchen hatte ich zunächst noch einen ganz anderen ersten Impuls, an dem ich jetzt doch noch ein wenig weiter gefeilt habe. Auch er sei Euch hier nicht vorenthalten (für Psychologen sicher vielsagend…).

unterm baum

ein knacken im geäst: ich
lasse los und höre noch
das knacken in meinem
genick

#frapalywo 2/17: geräusche – tag 1: unterm baum (1)

Es ist mal wieder soweit: Sophie Paulchen startet eine neue “frapalywo”. Das Motto für diese lyrische Woche ist geräusche, und der Impuls für den ersten Tag ist: unterm baum. Eine echte Herausforderung für einen Augen- und Wortmenschen wie mich… – mal schauen (! – eben!), wie weit ich damit komme… Ich verspreche nichts!

Unterm Baum

In dieser Stille dort unterm Baum
kannst du das Gras wachsen, die Flöhe
husten hören. In dieser stillen Stille

hörst du die Wurzeln sich biegen, das Moos
sich schmiegen, die Äste sich wiegen
gelinde

hörst du die Rinde platzen, das Harz
schmatzen, den Borkenkäfer kratzen
geschwinde

hörst du die Vögel picken, die Zweige
knicken, die Blätter nicken
im Winde

hörst du die Schmetterlinge flittern, die Blüten
zittern, das Eichhörnchen wittern
die Hinde

hörst du die Spinnen weben, die Tautropfen
beben, eben: den Baum leben
unter seiner Rinde

In dieser stillen Stille hörst du, hörst
du nur zu, den Baum stehen, die Zeit
vergehen, die Welt sich drehen

Leselust

für Ule (nein, keine Ode auf die Lesebrille!)

Kennst du diese Leseecke,
wo im Sessel tief mit Decke
und im Schein der Leselampe
füllt mit Büchern sich die Wampe
eine alte Leseratte,
die im Sinn nur eines hatte:

Lesefutter, Lesewut,
Bücherstapel, Bücherflut,
überall ein Lesebuch.
Eins nur wurde ihr zum Fluch:
Mit dem Alter kam die Grille
und der Zwang zur Lesebrille.

Am Lesepult, im Lesesaal
wurd’ das Lesen nun zur Qual.
Lesestoff blieb ungepflegt,
hat die Brille sie verlegt.
Ist ihr Schicksal nicht zum Steinerweichen?
Das denkt auch das Lesezeichen.

Um zu retten ihr die Leselust
half schließlich ihr das Hörbuch, just
solange sie noch hören konnte
und sie sich in Wörtern sonnte.
Die letzten Bücher, die sie las,
– ja, das war ihr letzter Lesespaß –

waren nur noch Leseschatten
für blinde, taube Leseratten.

Aus-Zeit. Eine Art ‘Löffel-Liste’ *

Ich möchte aus alten Gewohnheiten
ausbrechen, vielleicht doch noch
auswandern, mir nicht nur Schönes
ausmalen, sondern überallhin
ausfliegen, nach allen Seiten
ausschwärmen, jeden Abend
ausgehen, jeden Morgen richtig
ausschlafen, nichts mehr
aussitzen, vor allem aber nie mehr
aussetzen, keine Torheit
auslassen, jede Menge Unsinn
aushecken, mir immer wieder Neues
ausdenken, viel Freude und Glück
aussäen, einfach alles
ausreizen, mich gänzlich
austoben, das Leben voll
auskosten, mich ganz und gar
ausleben und
aus.

*Für alle, die diesen wunderbaren Film “The Bucket List” (deutscher Titel: “Das Beste kommt zum Schluss”) und von daher diesen Ausdruck nicht kennen: Die ‘Löffel-Liste’ ist die Liste der Dinge, die man unbedingt noch machen will, bevor man ‘den Löffel abgibt’.