wie lang ist das Leben,
wenn wir es beginnen!
wie kurz ist das Leben,
wenn wir an seinem Ende stehn!
wie aber ist das Leben bemessen,
während wir gerade dabei sind zu leben?
wie lang ist das Leben,
wenn wir es beginnen!
wie kurz ist das Leben,
wenn wir an seinem Ende stehn!
wie aber ist das Leben bemessen,
während wir gerade dabei sind zu leben?
würde ich mich
meiner würde
würdig zeigen,
würde ich noch heute
die würde des menschen
– weder würdevoll noch würdelos –
in den würdegriff nehmen:
werde was würde
gelb das feld
so weit das auge
reicht von blau
zu grün lacht
gelb um gelb
der raps
gelb der raps
so gelb das gelbe
lacht von weit
zu auge reicht
grün um blau
das feld
feld das gelb
so aug das weite
blaut von reich
zu lach grünt
raps um raps
das gelb
raps das gelb
so raps der raps
reicht von grün
zu blau lacht
feld um feld
das aug
Dies sein letztes Gedicht, veröffentlicht heute posthum auf FAZ.net:
in manchen nächten
suchen platanen nach einem gott
der schweigen kann
die dunkelheit zieht sich zurück
der mond ruft die zikaden
die unbelehrbaren beten
auf eine geste des triumphs verzichten sieSAID (27. Mai 1947 in Teheran – 15. Mai 2021 in München)
und in den kommenden tagen
suchen die liebenden nach dem dichter
der singen kann
sei nacht zu mir
ich ruf zurück die vögel
die ferne mutterlandschaft schweigt
auf eine geste der trauer verzichte ich
wahr ist geworden sein wort:
wo ich sterbe
ist meine fremde
inspiriert von Jürgen Küsters Faltungen-Projekt auf Buchalovs Blog
ich schreib mir eine Fal
te ins Gedicht
und falz mir keine einfäl
lt, schreib ich mir glatt die Sorgfalt
aus dem Gesicht und falte sie auf
eine Spalte Papier
#ich zeige Faltung!
und schreib mir eine Fal
te ins Gedicht
zwiefältig, vielfaltig
fall mein Vers auf
kalten Asphalt
gern bin ich
unterwegs
im Unwegsamen
und Ausweglosen
nur auf Umwegen
geradewegs
geh ich meiner Wege
vollkommen abwegig
nachts
suche ich Wörter, die
das heimliche Lächeln
der stillen Dinge ent-
decken
morgens
finde ich Dinge, die
auf den stummen Gruß
der Wörter leise ant-
worten
so lass ich meine Wörter
tanzen in den Mai tanzen
lass ich die Wörter im Mai
tanzen meine Wörter und
ich den Mai über sehe ich
die Wörter tanzen und mich –
dem Sommer entgegen
deute du –
ich dichte
ein Liebesgedicht
schreibt
kein Herz
ein Kopf
schreibt
kein Liebesgedicht