Wurmsegen

Gang uz, nesso, möcht ich singen:
Gang uz, Wurm, und nimm bitte
all deine vermaledeiten Würmchen mit:
uz fonna marge in die Adern,
uz aus den Köpfen und den Herzen,
uz aus unserer schönen Welt
ins Wohinauchimmer: uz, uz, uz!
drei Vaterunser (fürchte ich)
werden nicht helfen

ach! – wo nur
ist dieser Zauberspruch, der
alles wieder heile macht?

Das althochdeutsche Vorbild findet ihr hier: https://de.m.wikisource.org/wiki/Pro_Nessia

ein prokrastinierendes Gedicht

für Fabio, der mich mit seinem aktuellen Post zu diesem Gedicht angeregt hat

bevor ich dieses Gedicht
schreiben kann, brauche ich
erst noch eine gute Idee

und bevor ich eine gute Idee
habe, muss ich mich erst noch
ein bisschen inspirieren lassen

und bevor ich mich inspirieren
lassen kann, muss ich erst noch
frische Luft schnappen gehen

doch bevor ich an die frische Luft
gehen kann, muss ich erst noch
einen Happen essen

aber davor muss ich noch

(ich schreib es morgen)

vergeblich

vergeblich
ist mein Ringen, mein Suchen:
kein Gedicht will mir gelingen –
oh, was könnte ich verfluchen
mich und meine Poeterei!
statt glänzend-schillernder Verse-Dinge
auf Pegasuses Wunderschwinge
nur klägliche eunuche Versuche,
nur Brei und Einerlei –
oh weiowei!
ich sollte es lieber mit Kuchen
versuchen; denn es wird wohl nichts
bringen, mich zum Singen
zu zwingen – außer
Eierei, gänzlich sinnfrei
und unerheblich