gegen trübe Tage

Sonnengelb (vermisst)
still bewahrt in einem Blatt:
wie licht es leuchtet!
gegen trübe Tage

Sonnengelb (vermisst)
still bewahrt in einem Blatt:
wie licht es leuchtet!
Gang uz, nesso, möcht ich singen:
Gang uz, Wurm, und nimm bitte
all deine vermaledeiten Würmchen mit:
uz fonna marge in die Adern,
uz aus den Köpfen und den Herzen,
uz aus unserer schönen Welt
ins Wohinauchimmer: uz, uz, uz!
drei Vaterunser (fürchte ich)
werden nicht helfen
ach! – wo nur
ist dieser Zauberspruch, der
alles wieder heile macht?
Das althochdeutsche Vorbild findet ihr hier: https://de.m.wikisource.org/wiki/Pro_Nessia
angeregt durch die Ausstellung „vom Teilen“ im ZAK Spandau
teilen: vereint
geteilt: entzweit
ein Teil: heil
in Teile: entzwei
teils: eins
teils: uneins
manche Wörter müssen ganz dick aufgetragen
werden; anderen genügt die flüchtige Skizze;
einige bestehen auf Großformat; doch manche
strahlen nur als Miniatur; und die einen sind
ganz bunt; die anderen monochrom –
und ich liebe sie alle
mag mir auch vergehen
hören und sehen:
ach, bleibe mir nur spüren
am eigenen Leibe
komm mal vorbei
auf ein Wort
oder zwei
für dich mach
ich doch gern
ein Wort auf
wo eben noch
plötzlich ein Loch
doch nur
weiter nichts
nichts weiter
nur doch
ein Loch plötzlich
noch wo eben
zwar hab ich das Zeug zu
allerlei Zeugs, aber wie sehr
ich mich auch ins Zeug lege:
als Zaumzeugin tauge ich
(so zeigt sich)
nicht
im Nachtschatten
wachsen schlaftrunken
tollwortselige Verse
ans Tageslicht
für Fabio, der mich mit seinem aktuellen Post zu diesem Gedicht angeregt hat
bevor ich dieses Gedicht
schreiben kann, brauche ich
erst noch eine gute Idee
und bevor ich eine gute Idee
habe, muss ich mich erst noch
ein bisschen inspirieren lassen
und bevor ich mich inspirieren
lassen kann, muss ich erst noch
frische Luft schnappen gehen
doch bevor ich an die frische Luft
gehen kann, muss ich erst noch
einen Happen essen
aber davor muss ich noch
(ich schreib es morgen)
jetzt strampel ich arme Maus
schon so unendlich lange, aber
diese vermaledeite Milch will
partout nicht zu Butter werden
vergeblich
ist mein Ringen, mein Suchen:
kein Gedicht will mir gelingen –
oh, was könnte ich verfluchen
mich und meine Poeterei!
statt glänzend-schillernder Verse-Dinge
auf Pegasuses Wunderschwinge
nur klägliche eunuche Versuche,
nur Brei und Einerlei –
oh weiowei!
ich sollte es lieber mit Kuchen
versuchen; denn es wird wohl nichts
bringen, mich zum Singen
zu zwingen – außer
Eierei, gänzlich sinnfrei
und unerheblich