Rondo potentialis

wäre würde hätte könnte:
ich kann wie ich kann
könnte ich wie ich nicht kann
könnte ich nicht wie ich kann

könnte wäre würde hätte:
ich habe was ich habe
hätte ich was ich nicht habe
hätte ich nicht was ich habe

hätte könnte wäre würde:
ich werde wozu ich werde
würde ich wozu ich nicht werde
würde ich nicht wozu ich werde

würde hätte könnte wäre:
ich bin was ich bin
wäre ich was ich nicht bin
wäre ich nicht was ich bin

wäre würde hätte könnte:
ich kann und ich habe
und ich werde und ich bin
was ich kann was ich habe
was ich werde was ich bin

Kalligraphie – Zweite Version

Ich schriebe mein Leben
gern in Schönschrift.

So schreibe ich mir
mein Leben schön,
mein Leben ins Schöne.

Und schreibe für
mein Leben schön
mich schön für
mein Leben. Und
schreibe mich schön
um mein Leben.

So schreibe ich
um mein Leben.
Schön.

Angeregt durch den Kommentar von wortwerkzeug zu meiner ersten Version hab ich noch mal nachgedacht und am Kalligraphie-Gedicht noch etwas weiter gefeilt. Wie gefällt Euch das Ergebnis?

Kalligraphie

Ich schreibe
mein Leben
in Schönschrift.

Ich schreibe mir
mein Leben
schön.

Ich schreibe mir
mein Leben
ins Schöne.

Ich tu meinem Leben
schön:
Ich schreibe.

Ich lebe mein Leben
schön:
Ich schreibe.

Ich schreibe
für mein Leben
schön.

Ich schreibe mich
schön
für mein Leben.

Ich schreibe mich
schön
um mein Leben.

Ich schreibe
um mein Leben.
Schön.

maulfaul

maulfaul,
singt das schreibweib,
bin ich beileibe nicht:
ich liebe verse tanglang,
dagegen sprüche furzkurz.
ich mag pointen darmwarm
und metaphern kloßgroß,
die gedanken eher jochhoch
und die moral schweinrein.
ich hab’s gern steinklein
und mieftief, doch
kein scheitbreit charme-arm,
lieber strengeng,
aalschmal und
blickdick, aber
dafür zeitweit.

bin ich nun scheichreich
an hirnzwirn
und sitzwitz –
oder einfach nur
krummdumm?

gemischte gefühle

hurra juche
ach weh mir weh
herrje oje ojemine – he

huch

haha huhu
igitt juhu
heissajuchei oh juppidu – hu

nanu

oweiowei ogottogott
auweia au backe
autsch aua au – wow!

aha

du meine güte hui
mein liebes bisschen pfui
zum donnerwetter ei
potzblitz pardauz – hei

oho

ups uff aha
hä bäh naja
grr brr heda
äh ähm – hoppla hoppala

na – tja

hm puh
aaah uuuh
oooh iiih
eijeijeijeijei – mmmh

pst

Glück

Ein kleines Dankschön an Eulenschwinge, die mich mit dem Wörtchen “abhanden” (in ihrem Gedicht “die lyrik ist mir abhanden gekommen”) aus dem Kreatief geholt hat – von diesen Wörtchen müsste es noch viel mehr geben! – und so hab ich einfach noch welche erfunden.

Kopfüber ins
Herzunter:
glückauf, glückab,
glückaus, glückein.

Überhaupt und
unterhaut: Kommt dir
voraugen das Glück
abhanden, liegt es dir
hinterrücks
vonherzen
zufüßen.

Im Wortrausch

wortreich, ja
mit einem Wortstreich
gründe ich ein neues Wortreich
aus altem Wortgut
entzünde ich heiße Wortglut
mir tut jedes Wort gut
in jedermanns Wortschwall
höre ich lieblichen Wortschall
jedes Wort ist ein Wortall
in seinem Wortlaut
wird jedes Wort laut
auf jedweder Wortart
eine fröhliche Wortfahrt
vorbei am Wortsinne
spinnt die Wortspinne
tote Wortwitze
würzen die Wortschwitze
selbst im Wortbruch
steckt ein Wortspruch
im Wortschatz
verborgen ein Wortschwatz
in jedem Wort ein Schatz

wortlos aber
stehe ich wortbloß
in meinem Wortlos
lass ich mein Wort los

Rat eines Tieres

Wer büffelt, ochst nur
und stiert Löcher in die Luft.
Mensch, schlängel dich doch lieber durch dein Leben!

Mensch, hechte nicht durch den Tag,
krebse und krabbel nicht herum,
robbe dich nicht mühsam vorwärts:
aale dich lieber in der Sonne.

Du kannst hamstern wie ein Hörnchen,
mausen, mopsen,
und bist am Ende doch verratzt.

Dackel nicht jeder Mode hinterher,
bocke lieber mal.

Äffe niemanden nach,
damit übertölpelst du dich nur selbst.

Tiger nicht immer hin und her,
wiesel nicht ständig auf und ab,
luchs lieber dem Himmel ein  Stück Sonne ab.

Igel dich ein,
drossel dein Tempo
und bremse.

Was maikäferst du denn den lieben langen Tag?
Schab dich nicht! Grille lieber –
oder noch besser: fliege.

Wer immer nur geiert,
am Ende reihert.
Vögel lieber!
Doch kiebitze nie beim
Liebesspiel des Nachbarn.

Denn nur wer mit Anstand ferkelt,
kann fröhlich gickeln
und schimmelt nicht.
Wer dagegen stets herumzickt,
muffelt.

Mensch, mir schwant,
dich wurmt, was ich dir sage,
dich verstört mein Rat.
Es fuchst dich mein Gedicht –
und du unkst:
„Du spinnst, du Tier,
das rentiert sich alles nicht.“