Ich widerlege mich krumm
und widersetze mich aufrecht
und widerstehe mir die Füße in den Bauch.
Ich widerrede mir den Mund fusselig
und widerspreche laut und deutlich.
Und doch kommt immer wieder alles wieder,
was mir zutiefst zuwider ist.
Ich widerlege mich krumm
und widersetze mich aufrecht
und widerstehe mir die Füße in den Bauch.
Ich widerrede mir den Mund fusselig
und widerspreche laut und deutlich.
Und doch kommt immer wieder alles wieder,
was mir zutiefst zuwider ist.
Wie kann ich nur
Kurzglückfragmente
schreiben, während
in dieser Republik
gerade wieder einmal
ein langes Unglück
heraufzieht, ungebrochen?
Recht ist gesprochen,
Gerechtigkeit gebrochen.
Aufklärung war versprochen,
doch wurde Unrecht nicht gerochen.
Rechts applaudiert, das Recht bleibt still.
Das ist nicht das Land, in dem ich leben will.
wir tragen Kippa
und fühlen uns bessa
wir glauben uns gut
nie trugen wir Stern
nie trügen wir Kopftuch
schon tragen wir wieder Kreuze
in öffentliche Gebäude
wir halten gut haus
mit unserer Solidarität:
Toleranz auf der
Kippe
zwischen den Jahren
wo nichts und niemand regiert
da fehlt es an nichts
da haben sie dich heimgesucht,
haben dir heimgeleuchtet, dir heimgegeigt
da haben sie es dir heimgezahlt,
lassen dich endlich heimgehen und heimholen
doch noch immer – so wundern sie sich –
fühlst du dich bei ihnen
nicht daheim
Von was für einer Art oder Unart
muss der sein, der für Kunst
noch immer und offenbar
ungebrochen selbstverständlich
das böse Wort „entartet“
im Munde führt?
Das ist doch keine Art!
wir ziehen Schlüsse
bevor wir ergründen
wir fällen Urteile
bevor wir verstehen
wir schreiten zur Tat
bevor wir wissen
Pack mich in Watte. Lull mich ein.
Wiege mich in Sicherheit.
Schirm mich ab von allem Bösen.
Streu mir Sand in die Augen.
Besser noch: Steck meinen Kopf in den Sand.
Schließ mich ein in mein Wolkenkuckucksheim.
Verschanz mich in meinem Elfenbeinturm.
Lock mich hinter den Ofen. Halte mich schön warm.
Bette mich auf Wolken. Deck mich zu
mit Märchen aus einer besseren Welt.
Gaukle mir ein Stück heile Welt vor.
Lüg mir in die Tasche. Und schenk
mir unreinen Wein ein.
für Aleppo und die vielen anderen Orte des Grauens
die gebliebenen
beneiden die geflohenen
die geflohenen wünschen
geblieben zu sein
die verwundeten
beneiden die toten
die toten wünschen
nie geboren zu sein
die neugeborenen
beneiden die ungeborenen
die ungeborenen wünschen
nie geboren zu werden
die lebenden
beneidet niemand mehr
die sterbenden wünschen
nur noch tot zu sein
auf frieden hofft
hier niemand mehr
Der Satz in den Nachrichten “Die Verwundeten beneiden die Toten” hat mich aus meiner Sprachlosigkeit geholt.
Kein Wunder,
wenn du da unten
nicht mehr weißt,
wo vorn, wo hinten ist,
wenn es dir
hinten und vorn nicht reicht,
während es denen da oben
vorn und hinten reingesteckt wird.
Kein Wunder,
dass du da hinten
die Welt derer da vorn
nur noch
von hinten sehen kannst.
Wir sollten vielleicht noch einmal
von vorn anfangen.
Es gibt Momente, da hilft nur noch Galgenhumor… Wobei: Jena finde ich mindestens genauso beunruhigend wie Washington…
Die Welt ist geschockt,
hat sie’s doch verbockt,
sich selbst eingebrockt,
zu lang hinterm Ofen gehockt
und lieber gerockt…
Sie wurde verlockt
von einem, der bockt.
Der Sieger frohlockt.
Die Welt ist geschockt,
doch: Verzockt ist verzockt.