gedichtweise
sing’ ich
gedichtweisen
bring’ ich
ins gedichtweiße
dring’ ich
gedichtweise
bin ich
gedichtweiß(was)
vielleicht
gedichtwaise
auch nur
Lyrik
Von meiner Seehnsucht
Eine Seerenade mit seedativer Wirkung für Seehnsüchtige
Ein Seekind
bin ich, dem
Sehnsucht sich
in seine Seele
immer nur als
Seehnsucht
schreibt
mir Seegel in die Seele,
dem Seehen, dem Seegen
entgegen: am See, am See nur
findet meine verseehrte Seele
Seeligkeit.
Winters Vermächtnis
Die Uhren ticken Sommerzeit.
Der Frühling schießt aus allen Knospen.
Doch mich kann er nicht treffen, denn
mir hat der Winter zu seinem Abschied
eine hippe Grippe mit Infekt vermacht:
Der Virus tanzt auf der Bazille Pirouetten,
ich hab hier mein ganz eig’nes Mandelblütenfest.
Und so üb ich mich im positiven Denken:
Der Frühling kann mir nichts, ich bin ja ganz immun,
gut geschützt sitz ich hier unter meiner Käseglocke,
ohne Käse zwar, dafür mit Erkältungstee,
Milch mit Honig, Wärmekissen und Vitamin C.
Lasst uns schniefen, lasst uns husten,
bis die Bronchien krachen: Es ist Sommerzeit!
Den Frühlingsanfang hab ich jetzt verschlafen,
mein Urlaub ist gelaufen, doch Winters Ende
lasst uns feiern, wie es ihm gebührt:
Hatschi!
Eiskalt erwischt
Erkaltet
Ist die Dichterei,
Ist die Dichterin
Erkältet.
Das Wort ist meine Höhle
Das Wort ist meine Höhle.
Ich schlüpfe hinein, bevor
mir die Welt auf
den Kopf
fällt.
Gedichte lesen. Ein Weg in 7 Vokal-Schritten
Vor kurzem gab es auf der G13-Lyrik-Seite einen sehr schönen Beitrag mit dem Titel Gedichte lesen: 20 Strategien. Eine Anleitung für Ratlose (von Mark Yakich). Für Leserinnen und Leser, die das gern kürzer haben, habe ich hier jetzt noch eine Kurzanleitung gebastelt.
iiiiih – ein Gedicht! (die erste Abwehrreaktion von Unerfahrenen)
äh – ein Gedicht? (anfängliche Rat- und Hilflosigkeit)
uuh – ein Gedicht! (Einsicht in die eigene Überforderung)
öööh – ein Gedicht? (zweite Phase der Rat- und Hilflosigkeit)
eh – ein Gedicht! (überraschtes Erstaunen)
aaah – ein Gedicht! (anerkennendes Erstaunen und beginnende Erkenntnis)
oooooooh – ein Gedicht! (anhaltendes Entzücken)
Transparenz
Sprecht mir nicht von
Durchblick, nur
weil ihr durch
mich hindurch
seht. Durchsichtig
scheine ich euch,
doch habt ihr mich
noch lange nicht
durchschaut.
Kreatives Schreiben: Impuls “Zwischen den Zeilen” / Impuls “hand lettering”
Über die Jahre
Über die Jahre
ist der Weg zu Deinem Herzen
unwegsam geworden, steinig, dornig, wild.
Die ehemals breite Treppe ist gänzlich zugewuchert,
rostige Riegel halten das Tor eisern verschlossen.
Ich habe die Wahl: Entweder
ich finde die Formel, die den bösen Zauber bricht,
oder ich versuche es über den Hintereingang.
Dieses kleine Gedicht aus Nichts
Es schreibt in dein Herz eine Spur sanften Lichts:
dieses kleine Gedicht aus Nichts.
Doch greifst du nach ihm, dann zerbricht’s:
dieses zarte Gedicht aus Nichts.
Doch lässt du es schweben,
dann lässt’s dich zurück lächelnden Gesichts:
dieses leichte Gedicht aus Nichts.
Von der Sehnsucht
Wer alles satt hat,
dürfte weit davon entfernt sein,
satt zu sein.
Und wer einen über den Durst trinkt
hat vermutlich noch lange nicht
seinen Durst gestillt.
Kreatives Schreiben: Impuls “Zwischen den Zeilen” / Impuls “Rondell”
Ja, und dann wollte ich dieses schöne Thema natürlich auch noch mal mit der Form des Rondells verbinden. Hier das Ergebnis:
Zwischen den Zeilen
ein offenes Feld.
Raum auch für Missverständnis.
Zwischen den Zeilen
so viele Wege:
Welche werde ich verstehen?
Zwischen den Zeilen
ein offenes Feld.
Es war ein schöner und anregender Nachmittag in einer wirklich sehr netten Gruppe. Lieben Dank an Regine und alle, die mitgewirkt haben!
