ach, Liebster, wenn
ich es doch nur könnte:
heimlich
schriebe ich
Dir in Dein Herz
ein kleines
Heimlicht
ach, Liebster, wenn
ich es doch nur könnte:
heimlich
schriebe ich
Dir in Dein Herz
ein kleines
Heimlicht
Vollmondnacht am See.
Im Schilf fiept leis ein Blässhuhn.
Ich bin zuhause.
Das Wort ist meine Höhle.
Ich schlüpfe hinein, bevor
mir die Welt auf
den Kopf
fällt.
Der zweite Impuls “unheimlich” ist der Auftakt zu einem Doppelimpuls, der mit “heimlich” fortgesetzt wird: Dieses Wort setzt natürlich vielfältige Assoziationen frei, ich bin am Wort geblieben: un-heim-lich.
unheimlich
ist mir dort, wo
in aller Unheimlichkeit
Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten,
ein Heim verweigert wird,
dort, wo sie
in aller Heimlichkeit
in die Unheimischheit verbannt oder
dorthin abgeschoben werden, was
man wohl Unheimat zu nennen hat,
dort ist mir
unheimlich
für Ahmad Schamlu, eine Art Antwort
Mit meinem Blau
male ich Sterne
in das Blaue vom Himmel.
Mit meinem Blau
schreibe ich ins Blaue.
Ein Meer von blauen Gedanken.
Die Farbe
der Tinte ist königsblau.
Das Blau war außer sich vor Freude
Als wir geboren wurden.
O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges
sucht noch immer die Blaue Blume.
Ein blauer Augenblick ist nun mehr Seele.
O Blau der Welt!
Der blaue Vogel deines Auges
sucht noch immer das blaue Wunder.
Ein blauer Tag. Blaue Stunde:
Mein blaues Klavier
spielt mein Blaues Lied.
Mir ist in solchen linden blauen Tagen,
als ob wir
mit einem blauen Auge
plötzlich sehen
daß Jahre später
Heimat bedeutet
ein schimmerndes Blau.
Dieses Gedicht ist eine Collage aus Texten von
- Rose Ausländer, Verwandelt
- Heinrich Heine, Mit deinen blauen Augen
- Rolf Dieter Brinkmann, Von der Gegenständlichkeit eines Gedichts
- Elisabeth Borchers, Nerudas Blau
- Paul Celan, O Blau der Welt
- Yvan Goll, Der blaue Vogel deines Auges
- Novalis, Die blaue Blume
- Ernst Trakl, Kindheit
- Hilde Domin, Ein blauer Tag
- Stefan George, Blaue Stunde
- Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier
- Joseph von Eichendorff, Was wollen mir vertraun die blauen Weiten
- Ahmad Schamlu, Blaues Lied
Bis auf Novalis und Ahmad Shamlu sind alle Gedichte zu finden in: Blaue Gedichte. Hrsg. von Gabriele Sander. Stuttgart 2001, 2012. (Reclams Universal-Bibliothek 18925). Novalis’ ‘Die blaue Blume’ ist Teil seines Romanfragmentes ‘Heinrich von Ofterdingen’. Ahmad Schamlus Gedicht ‘Blaues Lied’ findet man in dem gleichnamigen zweisprachigen Gedichtband, übersetzt von Farhad Showghi.
Ein Heim? Vielleicht,
aber keine Heimat.
Ein Zuhause? Vielleicht,
aber kein Nach-Hause-Kommen.
Eine Zuflucht? Vielleicht,
aber kein Fluchtpunkt für das eigene Leben.
Ein Nest? Wohl kaum –
eher ein Ast, ein Zweig zum Festhalten.
Eine Burg? Nur bedingt,
denn sie vermag der Sehnsucht nicht zu trotzen.
Ein Heim? Vielleicht,
aber keine Heimat,
vielmehr: eine Heimöde.
Ein Unterschlupf? Gewiss,
ein Unterschlupf in meinem Herzen
ein Obdach bei Nacht, bei Unwetter ein Unterstand –
mehr als Asyl,
weniger als Heimat.