Der siebzehnte Impuls – eine Frage von Max Frisch: “Möchten Sie das absolute Gedächtnis?” – hat bei mir ein klares “Nein!” hervorgerufen und mich dazu gebracht, ein “Loblied auf das Vergessen” zu schreiben. Blödeln war ja ausdrücklich erlaubt! – Eine ernste Antwort auf diese Frage würde dagegen wohl eher so ausfallen wie der Titel des Gedichts von Sophie: “nein ja nein”…
Loblied auf das Vergessen
Das Vergessen ist mir lieb,
denn in meinem Kopf das Sieb
wirkt befreiend allermeist:
Es räumt auf in Seel’ und Geist.
Ach, wie schön, dass mir entfallen
Dinge, die mir nicht gefallen.
Auch vergess’ ich mit Genuss
Dinge, die ich machen muss.
Warum mühsam rumgepuzzelt?
Ich sag lieber: „Hab’s verschusselt.“
Und zu dem, was mir da sitzt
tief im Nacken: „Oh! Verschwitzt!“
Was mir nur verursacht Falten,
kann ich einfach nicht behalten.
Denn ich hab’ in meinem Kopf
lieber Platz statt alten Zopf.
Ach, wie schön ist das Vergessen!
Denn: Erinnerungen können stressen
und nicht alles ist es wert,
dass es das Gedächtnis teert.
Ach herrje, jetzt ist’s geschehen!
– Ja, das war vorherzusehen. –
Tja nun: Das Gedicht ist jetzt gegessen,
denn den Schluss hab‘ ich – vergessen.