Ein Kleid aus
meiner Haut auf
meiner Haut: zieh
ich es aus, bin ich
nackt, zieh ich es an,
bin ich außen
wie innen
nackt.
Link zu den Bildern: Alba d’Urbano, Il Sarto Immortale
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Ein Kleid aus
meiner Haut auf
meiner Haut: zieh
ich es aus, bin ich
nackt, zieh ich es an,
bin ich außen
wie innen
nackt.
Link zu den Bildern: Alba d’Urbano, Il Sarto Immortale
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Das Feigenblatt,
das meine Blöße
bedeckt, mir meine
Blöße entdeckt, ist
bloß ein Feigenblatt.
Heute, am ersten Tag des neuen Jahres, war ich in einer Ausstellung, die mich tief beeindruckt hat: “Die zweite Haut” im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg. Sie hat in mir den Wunsch geweckt, mich diesem Thema und seinen Bildern in einem Gedichtzyklus anzunähern – wohin mich das tragen wird, weiß ich noch nicht, aber ich kann mir ja Zeit lassen. Das Motiv für das erste Gedicht stand aber sehr schnell fest, und hier ist es auch schon…
Nach Möglichkeit werde ich Links zu den Bildern, die die Texte jeweils inspiriert haben, einrichten (die Bilder hier direkt einzustellen, ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich). Links haben aber auch einen entscheidenden Vorteil: Ihr könnt (!) euch das Bild/die Bilder anschauen, aber ihr müsst es nicht – das entscheidet ihr selbst.
Die Texte sollten aber auch für sich stehen können. Denn es ist nicht das Ziel meiner Texte, die Bilder 1:1 in Worte zu überführen. Die Bilder sind nicht mehr, aber auch nicht weniger als die ‘Auslöser’ für die Texte, in denen ich mich den Reflexionen und Emotionen, die die Bilder in mir freisetzen, auf sprachliche Weise annähere.Link zu Bild und Ausstellung: Die zweite Haut
sich vorzunehmen
nachzugeben
und hinzunehmen
herzugeben
auch mal zuzugeben
aufzugeben
sich zurückzunehmen
um sich hinzugeben
sich mit sich abzugeben
um sich anzunehmen
zu nehmen und zu geben
zu geben und zu nehmen
Dies ist übrigens das 500. Gedicht, das ich auf diesem Blog veröffentliche – ich kann es selbst kaum glauben.
zwei menschen in verbundenheit – das sollt ihr sein: mensch für mensch.
tausend augenblicke voller glück seien euch gegönnt: in jedem augenblick.
sieben heiße sommerwochen seien euch gewährt: einen sommer lang.
zehn träume lasst endlich wirklichkeit werden: traum um traum.
Meine Freundin Bärbel hat mir aus Metz ein kleines Büchlein mitgebracht: “vive la poésie. cahier d’activité”, ein Büchlein, das zum Dichten anregen soll (“nicht, dass du das nötig hättest”, betonte sie, als sie es mir gab). Das Akrostichon mit Wörtern (nicht mit Buchstaben) hatte es mir dann doch gleich angetan: die perfekte Form für einen kleinen Neujahrsgruß.
Wo
ist der Ort,
an den ich gehöre?
Hier.
Wann
ist die Zeit,
auf die ich warte?
Jetzt.
Wer
ist der Mensch,
zu dem ich werden möchte?
Ich.
Und mit diesen weihnachtlich-besinnlichen Versen wünsche ich all meinen treuen Leserinnen und Lesern ein paar stille und friedliche Weihnachtstage und ein gutes Neues Jahr. Habt Dank für Eure stete Begleitung, Euren Zu- und Widerspruch, wovon dieser Blog lebt.
Süß, sagt der Verliebte.
Bitter, sagt der Enttäuschte.
Sauer, sagt der Vergrämte.
Scharf, sagt der Mutige.
Herb, sagt der Nüchterne.
Nach Leben, würde ich sagen.
Nach Leben eben:
mal süß, mal sauer,
mal bitter, mal herb,
und ab und zu auch scharf.
wir ziehen Schlüsse
bevor wir ergründen
wir fällen Urteile
bevor wir verstehen
wir schreiten zur Tat
bevor wir wissen
für Eulenschwinge – inspiriert vom Titel zu Deinem Eisvogel-Bild
Zeig mir bitte den Vogel,
den du abgeschossen hast.
Ach, wie gern möcht auch ich
einen Vogel haben.
***
Oder doch lieber in der reflexiven Variante:
Ich zeig mir den Vogel,
den ich abgeschossen habe
und frage mich: Willst du auch
einen Vogel haben?
Pack mich in Watte. Lull mich ein.
Wiege mich in Sicherheit.
Schirm mich ab von allem Bösen.
Streu mir Sand in die Augen.
Besser noch: Steck meinen Kopf in den Sand.
Schließ mich ein in mein Wolkenkuckucksheim.
Verschanz mich in meinem Elfenbeinturm.
Lock mich hinter den Ofen. Halte mich schön warm.
Bette mich auf Wolken. Deck mich zu
mit Märchen aus einer besseren Welt.
Gaukle mir ein Stück heile Welt vor.
Lüg mir in die Tasche. Und schenk
mir unreinen Wein ein.
Manchmal möchte ich einfach nur
unbehelligt bleiben.
Dafür nehme ich gern
etwas Dunkelheit in Kauf.
für Aleppo und die vielen anderen Orte des Grauens
die gebliebenen
beneiden die geflohenen
die geflohenen wünschen
geblieben zu sein
die verwundeten
beneiden die toten
die toten wünschen
nie geboren zu sein
die neugeborenen
beneiden die ungeborenen
die ungeborenen wünschen
nie geboren zu werden
die lebenden
beneidet niemand mehr
die sterbenden wünschen
nur noch tot zu sein
auf frieden hofft
hier niemand mehr
Der Satz in den Nachrichten “Die Verwundeten beneiden die Toten” hat mich aus meiner Sprachlosigkeit geholt.
Kein Wunder,
wenn du da unten
nicht mehr weißt,
wo vorn, wo hinten ist,
wenn es dir
hinten und vorn nicht reicht,
während es denen da oben
vorn und hinten reingesteckt wird.
Kein Wunder,
dass du da hinten
die Welt derer da vorn
nur noch
von hinten sehen kannst.
Wir sollten vielleicht noch einmal
von vorn anfangen.