muss ich heute doch noch –
so frag ich mich: habeck’s
oder habeck’s nicht begriffen?
erst so einen Baerbock schießen,
dann die Wunden lindnern –
wer glaubt, man könne da noch
unbescholzen davonkommen?
Sinn und Unsinn
Bratapfelglück
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 17
man solle sich was Gutes tun:
also briet ich mir einen Apfel
mit Marzipan und Rumrosinen –
zimtzuckersüß
jetzt will ich euch was Gutes tun:
also dicht ich euch einen Apfel
aus Metrikspan mit Reimrosinen –
wortwundersüß
Habt einen schönen 2. Adventsabend!
(für die Leser:innen von Lyrifants Adventskalender 2023 muss es natürlich heißen:
Habt einen schönen 3. Advent!)
Blogbeitrag
Erzähle deine Geschichte hier …
Welche Geschichte?
Dies ist ein Lyrik-Blog!
Dann: Schreib dein Gedicht hier nieder …
Welches Gedicht?
So einfach geht das nicht!
Dazu brauch ich erstmal eine Geschichte!
Dann erzähl deine Geschichte hier …
Nein, ich will hier keine Geschichte erzählen,
ich will nur ein Gedicht schreiben!
Dann schreib halt dein Gedicht hier nieder …
So einfach geht das nicht!
Dazu brauch ich erstmal eine Geschichte!
…
polyphone gedichte (schlicht extemporiert)
(1)
mono ton nie
klang farben reich
takt los
halb ton, halb licht
inter mezzo con spirito
pan tonal total
chrom a tisch
polyp honig süß
(2)
meer als geräusch, meer als gerausch:
meerstimmig, meersinnig –
ein rausch
(3)
poesie im akkord: ein thema, zwei saiten
lyrik im kanon, gegen den kammerton:
ah! ein fliehendes wort auf der stimmgabel –
horch, wie es den vers
durchtönt!
(da capo al fine)
Minischwein*
zwischen Minirock und Miniserie
nun auch: das Minischwein,
des Minischweins, die Minischweine –
wer hat’s gesehen: nur ich alleine?
dabei: das Minischwein, es findet sich
ganz gerne unter großen Tieren:
wer walbeobachtet, kann ihrer viele sehen,
in Elefantenrunden ist’s ein willkomm’ner Gast
nur ein Problem hat dieses Minitier:
dass oft die vielen Riesenschweine
die Sicht auf es verstellen – wie gemeine!
*Neu aufgenommene Wörter bei Duden online (gesehen heute, am 30.9.2021)
Aporien des Alltags
oft frage ich mich:
warum will ich sein,
wer ich nicht bin?
da muss ich mir antworten:
weil ich eben bin,
wer ich bin.
ein Artikel zum Gendern
der Mensch,
das Tier,
die Sache:
da weiß frau gleich,
was Sache ist
das Mensch,
das ist die Frau,
das böse Mädchen:
da beißt die Maus (oder der Mäuserich?)
keinen Faden (keine Fädin?) ab
und für divers fehlt
der/die/das Artikel:
der/die/das Sprache
ist doch gar verqueer!
wie einfach ist es doch,
wennd’ alemannisch schwätze dusch:
d’Mensch, d’Mann,
d’Frau, d’Sach’ –
nur sell s’ müsst gehn:
s’Mädle wird d’Mädchen
und s’Tier wird d’Tier –
das geht dann auch queer!
Impression mit Kompression
eigentlich fehlen mir Zeit und Muße, um mich an #juniverse von https://www.silbenton.de/ regelmäßig zu beteiligen, aber die “Sandaletten” vom 12.6. haben mich zu diesem ironisch-selbstmitleidigen Liedchen inspiriert – allen, denen es ähnlich geht, zum Trost
der sechste Sommer ist es nun,
den ich in Strumpf verbringen muss,
und keinen Sommer wird es je mehr geben,
in dem barfuß gehen kann so mit Genuss
und jeden Sommer hab ich nun die Impression,
dass alle andern ihre Füße in Sandalen stecken,
nur ich allein trag Kompression –
das kann schon Neidgefühle wecken,
wenn nicht sogar noch Depression
sich setzt in alle meine Ecken
der sechste Sommer ist es nun,
in dem ich Tag für Tag die Strümpfe trag,
auch wenn das Thermometer steigt
und ich selbst im Winter Strümpfe gar nicht mag
und jeden Sommer hab ich nun die Impression,
dass ich es eines Tages wagen werd:
da pfeif ich dann auf alle Kompression
und gehe wieder barfuß durch den Sommer –
den letzten Sommer wär’s mir wert!
rapsodie in gelb
gelb das feld
so weit das auge
reicht von blau
zu grün lacht
gelb um gelb
der raps
gelb der raps
so gelb das gelbe
lacht von weit
zu auge reicht
grün um blau
das feld
feld das gelb
so aug das weite
blaut von reich
zu lach grünt
raps um raps
das gelb
raps das gelb
so raps der raps
reicht von grün
zu blau lacht
feld um feld
das aug
auf Schnupperkurs
auch wenn es euch stinkt:
dort, wo mich niemand riechen kann,
verdufte ich am liebsten
Parusie
Karfreitag 2021
Heute, beim Spazierengehen
– ich traute meinen Augen kaum! –
sah ich ihn kauern in den Reben:
ohne Schutz, kein Strauch, kein Baum!
Er ließ sich überhaupt nicht stören
von meinem faszinierten Blick
und mümmelte – nein, keine Möhren! –
ein wenig Gras und Grün – sein Glück!
– und meins:
denn wer kann es von sich schon sagen
in diesen so verrückten Tagen,
dass ihm, dass ihr – ja, wirklich wahr! –
der Osterhase heut’ erschienen war!
das Warten auf den Schnee
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 18
die Luft atmet Schnee, doch
es will einfach nicht schneien –
am liebsten würd ich mir nun
die Schneekugel geben, doch
ich hab gar keine – so bleibt mir
nur das Warten: das Warten
auf den Schnee
bleibt es mir nur? – einst
schrieb ich voller Übermut:
“schneien möcht ich” …
sollte ich es nun nicht doch
versuchen? die Luft atmet
Schnee – und ich bin bereit:
schneien werd ich, bis es
endlich – endlich! –
schneit