Parusie

Karfreitag 2021

Heute, beim Spazierengehen
– ich traute meinen Augen kaum! –
sah ich ihn kauern in den Reben:
ohne Schutz, kein Strauch, kein Baum!

Er ließ sich überhaupt nicht stören
von meinem faszinierten Blick
und mümmelte – nein, keine Möhren! –
ein wenig Gras und Grün – sein Glück!

– und meins:
denn wer kann es von sich schon sagen
in diesen so verrückten Tagen,
dass ihm, dass ihr – ja, wirklich wahr! –
der Osterhase heut’ erschienen war!

das Warten auf den Schnee

Lyrifants Adventskalender 2023
Türchen 18

die Luft atmet Schnee, doch
es will einfach nicht schneien –
am liebsten würd ich mir nun
die Schneekugel geben, doch
ich hab gar keine – so bleibt mir
nur das Warten: das Warten

auf den Schnee

bleibt es mir nur? – einst
schrieb ich voller Übermut:
“schneien möcht ich” …
sollte ich es nun nicht doch
versuchen? die Luft atmet
Schnee – und ich bin bereit:

schneien werd ich, bis es
endlich – endlich! –
schneit

Schweinsamkeit

Geboren hat Lyrifant diese schöne Wortschöpfung in einem Kommentar zu Eulenschwinges Plüsch-Frischling am 6.12. – und damit musste Lyrifant jetzt noch ein bisschen weiter spielen

unserschweins weiß:
unterschweins, da liegt das Glück –
so zwischen Schwein und Schwein
bleibt kein Schwein ganz allein:
allschwein lebt es sich
schön und gut
in trauter Schweinsamkeit

Nikolaus

Lyrifants Adventskalender 2023
Türchen 6

Der Nikolaus, der Nikolaus
ist doch recht oft allein zu Haus.
Da wünscht er her, da wünscht er hin:
Ach wie fehlt ihm eine Nikoläusin!

Kaum war sie da, da wurd’s recht voll im Häuschen:
All überall springen um ihn her die Nikoläuschen
wie die Nikomäuse
(besser doch als Nikoläuse!).

Und selbstverständlich weiß ich:
Dies Gedicht ist nikolausig!

Habt einen schönen 2. Advent heute am 6. Dezember!

Nervenverse

auch wenn es mich
den letzten Nerv kostet:

Verse
will ich schreiben, die
auf die Nerven gehen,
Verse, die
an den Nerven sägen,
Verse, die
den Nerv treffen,
Verse, die
einen jeden Nerv blank legen,
Schicht um Schicht

ihr sagt jetzt (vielleicht):
du hast vielleicht Nerven! –
nein, nicht: vielleicht – gewiss,
zum Zerreißen hab ich sie!
sie gehen mit mir durch,
immer, bevor ich sie an
meine Verse verliere

Lyrifants Ei. Eine Osterspielerei

ein Ei,
wie aus dem Ei gepellt,
gleicht keinem Ei
wie ein Ei dem anderen

ein Ei,
das klüger sein will als die Henne
(und uns damit auf die Eier geht),
wird behandelt wie ein rohes Ei

ein Ei,
das stets das Gelbe sucht vom Ei
und doch nur ungelegte Eier findet,
eiert rum – für ‘nen Appel und ‘n Ei

Ei, Ei, Ei! ruft Lyrifant,
was soll dies Lied?
Wo steckt’s denn nun,
das Ei des Kolumbus?

Mit diesen launigen Verslein wünsche ich allen meinen Blog-Begleiter*innen ein frohes Osterfest. Habt sonnige Tage, vergesst für ein paar Stunden, was uns alle bedrückt, und kommt gut (und mit Humor) durch diese schwere Zeit!