Achtung! Lugalarm!
wo Ohrtürmer Stechtücken
als Erdschummeln tarnen und
Kartoffelschläfer Honigminen
unter Eintagsliegen verstecken:
da möge man gerade noch einmal
mit einem Heuschrecken
davonkommen
Achtung! Lugalarm!
wo Ohrtürmer Stechtücken
als Erdschummeln tarnen und
Kartoffelschläfer Honigminen
unter Eintagsliegen verstecken:
da möge man gerade noch einmal
mit einem Heuschrecken
davonkommen
sag mir: ab wann sind wir eine Herde?
ab zwei, ab drei?
wenn’s blökt, wenn’s muht?
nur wenn ein Leithammel dabei?
wenn alle denken: nur wir sind gut?
und muss es zwingend einen Hirten geben?
sag mir: was macht es aus, das Herdenleben?
wer weiß
schon, wie ich heiß?
na, und wenn
schon, dann
Emma wie Möve –
oder war es
Anna wie Blume?
egal, wer weiß
schon, wie ich heiß?
na, und wenn
schon, dann ist‘s auch
egal – vielleicht war‘s
Nikolaus oder –
Haus?
egal, was weiß
ich, wie ich heiß?
es müsste schon
wer weiß was für ein Name
sein, schön und leicht
zu vergessen – ist er‘s?
wer weiß?
da denk ich hin, da denk ich her –
so vieles gibt‘s, was man erfinden müsste,
vermutlich wär es gar nicht schwer …
und deshalb gibt‘s heut diese Liste
mit 7 Dingen, längst vermisste,
die schon bald auf Erden
sicher unverzichtbar werden:
und natürlich unbedingt:
ist Fallobst so etwas
wie Friedhofsgemüse?
kann aus Fallstricken
eine Steigleiter werden?
gibt es Fallpauschalen
für Einzelfälle?
ist der Idealfall
ein Wasserfall?
kann man mit einer Falltür
ins Haus fallen?
hilft ein Fallschirm
gegen Regenfall?
ergibt sich die Fallzahl
daraus, wie die Würfel fallen?
kann eine rechte Fallhöhe
für genug Untiefe sorgen?
ist es ein Glücksfall, wenn
man aus allen Wolken fällt?
es gibt Tage, da
frage ich mich ernsthaft:
ob uns ein Schirm vielleicht
besser regieren würde?
und: wäre dann
eine Sonnenschirmherrschaft
einer Regenschirmherrrschaft
vorzuziehen?
oder: könnte vielleicht
eine Taschenschirmherrschaft
sich als praktisch erweisen?
nur: eine Bildschirmherrschaft
hätte ich wohl doch
nicht so gerne
aber: eine Rettungsschirmherrschaft –
das könnte zur Zeit
echt sinnvoll sein
sog. “Scheiterreim”-Verse zu Ules “ABC des Scheiterns” – gescheitert? na, und wenn schon, gemeinsam scheitert es sich einfach schöner!
scheitern heißt:
sich erweitern
ohne Leitern
sich erheitern
an Prinzipienreitern
weiter schreiten
weiter scheitern
gerne mit Begleitern
lapidar
auf Stein
beißen
bestialisch
ist das!
botanisch
gehören Steine
doch zu den Tieren –
oder nicht?
Bei manchen Wörtern geht einfach der Schalk mit mir durch, bitte seht es mir nach …
sag, o Mensch, sag, liebst du ihn,
den süßen kleinen Pinguin?
doch selten werden Pinguine,
seltener als Linguine
am hohen Piz Buin –
ach, der arme Pinguin,
bist du, o Mensch, doch sein Ruin!
Das Original:
Joseph Freiherr von Eichendorff, Schläft ein Lied in allen Dingen (1835)
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort
(1) Schläft ein Lied …, selbstbewusst-destruktiv
schlaf ein Lied ich aus den Dingen,
die ich träume fort und fort,
und die Welt heb ich ins Singen,
treff genau ins Zauberwort
(2) Schläft ein Lied …, arrogant-pragmatisch
wach bin ich und zähl die Namen,
die ich finde da und dort,
pass die Welt in meinen Rahmen,
brauch dafür kein Zauberwort
(3) Schläft ein Lied …, resignativ-verzweifelt
schläft kein Lied mehr in den Dingen,
die da träumen nimmerfort,
keine Welt hebt an zu singen,
tot ist just das Zauberwort
unmerklich zuckt
das Augenlid, der Blick
ganz starr, ein leises Zittern
fährt durch die Schwanzspitze:
das Höchste der Gefühle
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 24
kein Weihnachtsgedicht
mag ich von der Seele
mir schreiben
ein “kein Weihnachtsgedicht”
möge vom Leibe
mir bleiben
mein “nein, kein Weihnachtsgedicht”
mochte nun doch aus Leib und Seele
mir treiben
dennoch: kein Weihnachtsgedicht
möchte ich schreiben –
nur gute Wünsche, ungereimt
Ihr Lieben,
die Ihr mir hier auch in diesem Jahr Eure wohlwollende Aufmerksamkeit geschenkt habt (durch Euer Mit-Lesen und Mit-Denken, wenn nicht gar Mit-Dichten), Euch sage ich DANKE und wünsche Euch friedvolle Weihnachtstage und einen geruhsamen Jahreswechsel. Und für 2022 wünsche ich Euch Gesundheit (vor allem), Geduld (in Tonnen), Schokolade (mindestens genauso viel), Frohsinn und Zuversicht (unendlich) und Freude (trotzdem!) …
Herzlich, Sabine alias Lyrifant