grau, nur grau?

Kurz bevor der November zu Ende geht, bedarf es doch noch einer Hymne auf Grau, finde ich (auch wenn der Text schon früher und in einem anderen Zusammenhang entstanden ist – und die, die ihn schon kennen, bitte ich diese Doppelung zu verzeihen).

über mir der Himmel grau, nur grau, monochrom
monophon das Lied der Wolken grau auf grau
ein jeder Tag so grau, so grau und monoton

doch schau nur, schau: ein stilles Grau
dort hinter dem lauten, ein Lichtgrau
unter Schattengrau, ein blaugrünes
im braungelben: Grau über Grau –
Grau polychrom, ja schau:
Polyphonie in Grau

mehr als mein Schmerz

wenn diese selbsternannten Therapeuten
dir wieder einmal sagen: Mensch, bedenke,
du bist mehr als dein
Schmerz

dann nickst du lächelnd, denn du weißt:
ja, ich bin auch das Wort, um meinen
Schmerz zu fassen, ich bin auch mein
Schmerzwort

doch wenn das Wort nicht so recht passen
mag, dann hast du zu all deinem Schmerz
auch noch diesen furchtbar quälenden
Wortschmerz

der dir vollends bewusst macht: ja,
ich bin mehr als mein
Schmerz

Versuch: Lyrische Landschaft

Auf der documenta 14 ist mir – neben einer Vorliebe für Topographien – der Trend aufgefallen, Bilder aus mehreren Einzelbildern wie ein Mosaik zusammenzusetzen. Das wollte ich jetzt mal ins Lyrische übersetzen: kleine Gedichte, die zusammen ein Gedicht ergeben. Und hier ist mein erster Versuch dazu.

das leben zeichnet
geheime zeichen
unter meine haut
mir neue wege in
bewegung singen
werd ich für mich
alte landschaften
in auge und ohr
schreiben worte