Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 8
Schneehäubchen blühen
weiß auf Geranien rot:
Wintersommerglück.
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 8
Schneehäubchen blühen
weiß auf Geranien rot:
Wintersommerglück.
Kurz bevor der November zu Ende geht, bedarf es doch noch einer Hymne auf Grau, finde ich (auch wenn der Text schon früher und in einem anderen Zusammenhang entstanden ist – und die, die ihn schon kennen, bitte ich diese Doppelung zu verzeihen).
über mir der Himmel grau, nur grau, monochrom
monophon das Lied der Wolken grau auf grau
ein jeder Tag so grau, so grau und monoton
doch schau nur, schau: ein stilles Grau
dort hinter dem lauten, ein Lichtgrau
unter Schattengrau, ein blaugrünes
im braungelben: Grau über Grau –
Grau polychrom, ja schau:
Polyphonie in Grau
grün und blau schlag ich
mich ins Grüne, ins Blaue
das Blaue vom Himmel
ist dasselbe in Grün
ihr seht mich rot: ich bin ein rotes Tuch
an einem roten Faden, rot geweint
nie wird ein roter Teppich, nie
ein Rotkäppchen daraus
vielleicht reicht es für
einen roten Knopf
ich sehe schwarz
auf weiß, ich weiß
ich male schwarz
nur in schwarz-weiß
denn ich bin ein
bis zur weißglut
schwarz
gebranntes kind
wenn diese selbsternannten Therapeuten
dir wieder einmal sagen: Mensch, bedenke,
du bist mehr als dein
Schmerz
dann nickst du lächelnd, denn du weißt:
ja, ich bin auch das Wort, um meinen
Schmerz zu fassen, ich bin auch mein
Schmerzwort
doch wenn das Wort nicht so recht passen
mag, dann hast du zu all deinem Schmerz
auch noch diesen furchtbar quälenden
Wortschmerz
der dir vollends bewusst macht: ja,
ich bin mehr als mein
Schmerz
schau
wie hell
ein jeder Augenblick
im Augenschein deines Augenlichts
leuchtet
der Sehsinn
turmhoch
stürme ich
türmen sich türme
stürmen mich stürme
türme ich
sturmtief
ohne Pause
pausenlos
bis du selbst
nur noch
eine Pause
deiner selbst
bist
Erinnerungen flattern auf wie Vögel,
die, wenn du näher kommst, auf
und davon stieben, doch sobald
du stehen bleibst, sich wieder auf
den Ästen nieder kauern. Sie nisten
für bestimmte Zeit, bis sie sich auf
den letzten Zug gen Süden machen.
Spätsommermorgen:
Sattes Gelb und klare Luft
künden den Frühherbst.
Auf der documenta 14 ist mir – neben einer Vorliebe für Topographien – der Trend aufgefallen, Bilder aus mehreren Einzelbildern wie ein Mosaik zusammenzusetzen. Das wollte ich jetzt mal ins Lyrische übersetzen: kleine Gedichte, die zusammen ein Gedicht ergeben. Und hier ist mein erster Versuch dazu.
| das leben zeichnet geheime zeichen unter meine haut |
mir neue wege in bewegung singen werd ich für mich |
alte landschaften in auge und ohr schreiben worte |