verletzt
bin ich nicht nur,
weil ihr mich
immer wieder
verletzt, sondern
weil ihr meine
Verletzlichkeit
immer wieder
ignoriert
Leben, Überleben
schneien möcht ich
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 14
Ja, weit vor der Zeit, ich weiß. Aber der “snow”-Impuls von #inktober neulich hat mir in Erinnerung gerufen, dass ich doch mal ein Schnee-Büchlein basteln wollte, und den ersten Versuch sehr Ihr hier auf Lyrifants Editionen.
(Inzwischen gibt es noch eine zweite Version dieses Schnee-Büchleins, die nun den Text selbst zum Schneien bringt – zumindest in Eurer Phantasie).
(1)
schneien
möcht ich
in stillen Flocken
die schwarze Erde
in tiefe Weiße
schreiben
(2)
schneien
möcht ich
in dicken Flocken
schreiben
in den eisblauen See
in den schneeweißen Schnee
(3)
schneien
lasst mich
in die guten Stuben
rein schreiben
die weiße Wand
auf weißem Papier
(4)
zuschneien
lasst mich
in Sternenflocken
eure Fenster und Türen
zuschreiben
mit der Weisheit
ewiger Weißheit
(5)
einschneien
möcht ich
Weiß auf Weiß
unsere alte Welt
einschreiben
in mein weißestes Weiß
einsinken
möge sie in meine
ewige weiße Ruhe
Puddingtage
es gibt Tage, die schmecken nach
Vanillepudding
(noch warm und direkt aus dem Topf
und natürlich mit dem Esslöffel)
(das Bauchweh kommt später)
und es gibt Tage, da braucht es
Vanillepudding
(noch warm und direkt aus dem Topf
und natürlich mit dem Esslöffel)
(und das Bauchweh ist dann auch egal)
Grammatik des Zweifels
ich zweifle
an mir, an dir, an Gott und Welt
ich bezweifle
grundsätzlich die Sinnhaftigkeit unseres Seins
ich erzweifle
mir die zweifelhaftesten Erkenntnisse
ich zerzweifle
alles, einfach alles
ich zweifle und zweifle
bis ich verzweifle
ich verzweifle
an mir, an dir, an Gott und Welt
wie kann ich mich nur
entzweifeln?
Kurzglückfragmente (20)
kaum entstiegen dem Meer hüllt
sich an diesem Morgen die noch
schlafrot Leuchtende in zarte
Nebelschleier, macht alle Wellen
sanft erröten und schenkt mir
ein Bad voller Magie in einem
Gemälde wie von Monet
an Tagen wie diesen (3)
an Tagen wie diesen
sitzen die Wörter in allen Ritzen
schwitzen schmoren in allen Poren
lugen aus allen Fugen, bis sie
blitzen aus allen Schlitzen spritzen
flitzen über den Strand
und mir dabei ritzen
für Dich ein goldnes Gedicht
in den Sand
an Tagen wie diesen (2)
an Tagen wie diesen schwärmen Wörter aus
wie kleine Fische glitzern und blinken im Licht
der Sonne das unter die Wasseroberfläche fällt
huschen so flugs an mir vorbei dass ich sie nicht
entziffern kann heften sich an die Flügel der Möwen
und steigen mit ihnen höher und höher so hoch dass
ich in ihnen nicht mehr zu lesen vermag –
und so schreib ich silbrige Gedichte
aus Fischen und Möwen für Dich in eine
verlassene Muschel am Strand
an Tagen wie diesen (1)
an Tagen wie diesen entgleiten mir die Wörter,
wollen sich nicht fügen lassen zum Gedicht:
tollen umher wie diese jungen Hunde jagen
den Wellen hinterher schlüpfen tief in diese
kleinen Sandlöcher wo sie sich überspülen
lassen wieder und immer wieder lassen sie
sich vom Meer weit hinaustragen reiten
ganz oben auf den Wellen bis sie sich
brechen in die Sonne lachen blau und
weiß und mit einem kühnen Sprung
übermütig in die
Wolken fallen
lassen
Kurzglückfragmente (19)
wenn dich die Seehnsucht packt in diesen heißen Tagen,
dann pack dein Badezeug und dich zum nächsten Badesee:
und zwischen Blässhuhn, Gummi-Krokodil und Blau-Libelle
schwimmst du dir deine Sehnsucht weg, und der See lächelt:
er kennt dich und nennt dich
seine kleine Blässkrokobelle
Kurzglückfragmente (18)
an einem Morgen dieses heißen Sommers erwachen
von der kühlen Berührung eines frischen Windes
und Luft schöpfen für den Tag
Kurzglückfragmente (17)
im Goldregen sammeln meine Augen die Sterntaler
vom Himmel, und ich hab Knallfrösche im Bauch: was ist
schon ein Feuerwerk, wenn Du bei mir bist?
Kurzglückfragmente (16)
Bässe im Bauch, Groove im Kopf,
durch Mark und Bein drummt mein Herz:
im Ohr den Sound of Summer