Pack mich in Watte. Lull mich ein.
Wiege mich in Sicherheit.
Schirm mich ab von allem Bösen.
Streu mir Sand in die Augen.
Besser noch: Steck meinen Kopf in den Sand.
Schließ mich ein in mein Wolkenkuckucksheim.
Verschanz mich in meinem Elfenbeinturm.
Lock mich hinter den Ofen. Halte mich schön warm.
Bette mich auf Wolken. Deck mich zu
mit Märchen aus einer besseren Welt.
Gaukle mir ein Stück heile Welt vor.
Lüg mir in die Tasche. Und schenk
mir unreinen Wein ein.
Am toten Punkt
Wunsch
Manchmal möchte ich einfach nur
unbehelligt bleiben.
Dafür nehme ich gern
etwas Dunkelheit in Kauf.
Zumutung
In Zeiten,
in denen ich für Dich
eine Zumutung bin,
riskiere ich Deinen Unmut,
vermute ich,
obgleich ich
dringend jemanden bräuchte,
der mir mit seinem Mut
wieder Mut macht.
Leere
Kein Wort singt in mir.
Kein Wort klingt in mir.
Kein Wort schwingt in mir.
Kein Wort kann Wurzeln schlagen
in meiner Seele.
Grundlos traurig bin ich.
Wortlos blicke ich in
bodenlose Leere.
Von meiner Seele löst sich ein
lautloser Schrei.
Bekenntnis
Leider bin ich
eher Fliege als Wespe:
Immer wieder stoße ich
mit dem Kopf gegen das
geschlossene Fenster,
wohingegen die Wespe
nach ein, zwei Fehlversuchen
durch die offene Tür
wieder ins Freie fliegt.
Memoria
Ich habe mir
einen Namen gegeben,
damit ich mich
an mich erinnere.
Nun habe ich
meinen Namen
vergessen.
Dunkel
Mir ist es
nicht hell genug,
und ich mache
das Licht aus.
Dieses Textchen ist gerade entstanden aus einer ganz banalen Alltagssituation heraus – aber die Sache selbst hat Potential für mehr, denke ich.
alles über
für C.
die Ansprüche überhöht
die Erwartungen übermächtig
der Kalender überfüllt
der Geist überlastet
die Seele überladen
der Mensch überfordert
vom Glück übersprungen
vom Wohl übergangen
vom Feind überboten
vom Freund überflügelt
vom Leben überholt
den Erfolg überbewertet
die Arbeit überdosiert
der Mensch überarbeitet
schließlich völlig übermüdet
immer überreizt
Urlaub überfällig
du überreif für die Insel
die Übergriffe nehmen überhand:
gerade nur so überleben
des Lebens überdrüssig
du hast es alles
über
Ungewissheit
Ungewissheit
behält jedweden Namen
für sich.
Namenlos aber
bleiben wir
in der Schwebe:
Wir können es nicht denken.
Wir können nicht darüber reden.
Wir können nichts tun.
Immerhin, das
ist gewiss und
hat einen Namen:
Ungewissheit.
Vergebliche Liebesmüh
Ich hab’ Pferde gestohlen
und Schafe gezählt,
Flöhe gehütet und
Mäuse gemolken.
Ich hab’ mir Bären aufbinden lassen
und mich zum Affen gemacht.
Alles für die Katz.
So geh’ ich vor die Hunde, doch
kein Schwein interessiert’s,
kein Hahn kräht danach.
Hälfte des Lebens
(Optimistische Varianten)
Gut die Hälfte meines Lebens
habe ich damit vertan, auf das Leben
zu warten.
Bleibt mir nun noch gut eine Hälfte,
in der ich die Wartezeit dazu nutzen kann
zu leben.
*
Gut die Hälfte meines Lebens
habe ich vom Leben nur
geträumt.
Bleibt mir nun noch gut eine Hälfte,
um den Traum, der Leben heißt,
zu leben.
*
Gut die Hälfte meines Lebens
habe ich mein Leben
nur gespielt.
Bleibt mir nun noch gut eine Hälfte,
um ernsthaft mein Leben
zu leben.
Hälfte des Lebens
(Pessimistische Variante)
Gut die Hälfte meines Lebens
habe ich geduldig auf das Leben
gewartet.
Bleibt mir nun noch gut eine Hälfte,
um ebenso geduldig auf den Tod
zu warten.