Meine Haut
ist die Leinwand,
auf die das Leben
seine Landschaften
malt.
Link zum Bild (darf leider nicht gezeigt werden): Huang Yan, Chinese Landscape Tattoo No. 9
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Meine Haut
ist die Leinwand,
auf die das Leben
seine Landschaften
malt.
Link zum Bild (darf leider nicht gezeigt werden): Huang Yan, Chinese Landscape Tattoo No. 9
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Während ich schlief,
flog aus mein Traum
aus rosa Nacht in
tausend Schmetterlinge.
Seitdem bin ich in
ihren Tanz gehüllt.
Seitdem enthüllt
ihr Tanz mir meine
Seele.
Link zum Bild: Su Blackwell, While You were Sleeping
oder im Portfolio der Künsterin (letztes Bild)
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Grünes Moos bedeckt
Erde, Stein und Wurzel.
Alt bin ich geworden. In grünes Moos
bette ich nun mein müdes Haupt.
In meine müden Augen
malt mir die Erde die vertrauten Bilder.
In meine müden Ohren
singen mir die Steine die alten Geschichten.
In meine müden Hände
nehme ich meine Wurzeln.
Ich spüre das grüne Moos
auf meiner Haut. Spüre
das grüne Moos wachsen
über meine Haut durch
meine Haut unter meine Haut.
Alt bin ich geworden. Grünes Moos
deckt mich zu. Ruhe finde ich nun hier
in meiner bemoosten Haut.
Link zum Bild: Karoline Hjort und Riitta Ikonen: Eyes as big as plates – Torleif
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
knüpf mir
ein Kleid aus
getrockneten Blüten, aus
verdorrten Stengeln der
Steinimmortelle
zu lösen klug
des Königs Rätsel:
weder nackt
noch bekleidet
web mir in Form
meinen Körper aus
dem Kleid aus getrockneten
Blüten, aus verdorrten Stengeln der
Steinimmortelle
zu wirken fein
des Menschen Traum:
sowohl unsterblich
als auch vergänglich
Link zum Bild: Ulla Reiss, Kleid für Marion
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
nicht Haut nicht
Knochen bloß:
trägst Fleisch von
meinem Fleisch
bist Fleisch aus
deinem Fleisch:
bloß Fleisch und
Blut und Haut
und Knochen
bist du und ich
dein Stachel
Link zum Bild: Jana Sterbak, Vanitas. Flesh dress for an albino anorectic
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Unser Pelz
ist eure
zweite Haut.
Eure Haut
sei unser
zweiter Pelz.
Link zu den Bildern: Deborah Sengl, Killed to be dressed (die Skulpturen!)
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Ein Kleid aus
meiner Haut auf
meiner Haut: zieh
ich es aus, bin ich
nackt, zieh ich es an,
bin ich außen
wie innen
nackt.
Link zu den Bildern: Alba d’Urbano, Il Sarto Immortale
Link zur Ausstellung: Die zweite Haut
Das Feigenblatt,
das meine Blöße
bedeckt, mir meine
Blöße entdeckt, ist
bloß ein Feigenblatt.
Heute, am ersten Tag des neuen Jahres, war ich in einer Ausstellung, die mich tief beeindruckt hat: “Die zweite Haut” im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg. Sie hat in mir den Wunsch geweckt, mich diesem Thema und seinen Bildern in einem Gedichtzyklus anzunähern – wohin mich das tragen wird, weiß ich noch nicht, aber ich kann mir ja Zeit lassen. Das Motiv für das erste Gedicht stand aber sehr schnell fest, und hier ist es auch schon…
Nach Möglichkeit werde ich Links zu den Bildern, die die Texte jeweils inspiriert haben, einrichten (die Bilder hier direkt einzustellen, ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich). Links haben aber auch einen entscheidenden Vorteil: Ihr könnt (!) euch das Bild/die Bilder anschauen, aber ihr müsst es nicht – das entscheidet ihr selbst.
Die Texte sollten aber auch für sich stehen können. Denn es ist nicht das Ziel meiner Texte, die Bilder 1:1 in Worte zu überführen. Die Bilder sind nicht mehr, aber auch nicht weniger als die ‘Auslöser’ für die Texte, in denen ich mich den Reflexionen und Emotionen, die die Bilder in mir freisetzen, auf sprachliche Weise annähere.Link zu Bild und Ausstellung: Die zweite Haut
sich vorzunehmen
nachzugeben
und hinzunehmen
herzugeben
auch mal zuzugeben
aufzugeben
sich zurückzunehmen
um sich hinzugeben
sich mit sich abzugeben
um sich anzunehmen
zu nehmen und zu geben
zu geben und zu nehmen
Dies ist übrigens das 500. Gedicht, das ich auf diesem Blog veröffentliche – ich kann es selbst kaum glauben.
zwei menschen in verbundenheit – das sollt ihr sein: mensch für mensch.
tausend augenblicke voller glück seien euch gegönnt: in jedem augenblick.
sieben heiße sommerwochen seien euch gewährt: einen sommer lang.
zehn träume lasst endlich wirklichkeit werden: traum um traum.
Meine Freundin Bärbel hat mir aus Metz ein kleines Büchlein mitgebracht: “vive la poésie. cahier d’activité”, ein Büchlein, das zum Dichten anregen soll (“nicht, dass du das nötig hättest”, betonte sie, als sie es mir gab). Das Akrostichon mit Wörtern (nicht mit Buchstaben) hatte es mir dann doch gleich angetan: die perfekte Form für einen kleinen Neujahrsgruß.
Wo
ist der Ort,
an den ich gehöre?
Hier.
Wann
ist die Zeit,
auf die ich warte?
Jetzt.
Wer
ist der Mensch,
zu dem ich werden möchte?
Ich.
Und mit diesen weihnachtlich-besinnlichen Versen wünsche ich all meinen treuen Leserinnen und Lesern ein paar stille und friedliche Weihnachtstage und ein gutes Neues Jahr. Habt Dank für Eure stete Begleitung, Euren Zu- und Widerspruch, wovon dieser Blog lebt.
Süß, sagt der Verliebte.
Bitter, sagt der Enttäuschte.
Sauer, sagt der Vergrämte.
Scharf, sagt der Mutige.
Herb, sagt der Nüchterne.
Nach Leben, würde ich sagen.
Nach Leben eben:
mal süß, mal sauer,
mal bitter, mal herb,
und ab und zu auch scharf.