fragen – möcht ich so vieles
fraglos – ist kaum noch etwas
fraglich – wird mir gerade einiges
fragil – ist mir alles geworden
politisches Gedicht
der Ruck
mein Kiez rückt nach rechts
dieses Land rückt nach rechts
die ganze Welt rückt nach rechts
doch ich bleibe, wo ich bin:
links
Gesetz der Scheiße
Lyrifants notdürftige Ausscheidung zur Wahl von Sachsen-Anhalt
wer’s richtig verkackt,
hat’s eben verschissen
doch sollte, wer Mist baut, nicht
noch groß auf die Kacke hauen
eine Frage der Haltung. Bestiarium des Widerstands
Haltung ist in diesen Zeiten angesagt, doch welche?
mach ich den Vogel Strauß
und steck einfach den Kopf in den Sand?
oder nehm ich mir den Igel zum Vorbild
und roll mich zu einer stacheligen Kugel?
oder halt ich es mit dem Stier
und stell mich, hufescharrend, dem Kampf?
oder orientier ich mich am Reh
und ergreif lieber gleich die Flucht?
oder nehm ich mir am Hasen ein Beispiel
und sorg für Verwirrung, indem ich Haken schlag?
oder mach ich es wie das Chamäleon
und wechsel zur Tarnung meine Farbe?
oder verhalt ich mich wie das Opposum
und stell mich einfach tot?
oder richt ich mich nach der Kobra
und verspritz überall mein übelriechendes Gift?
hm, ich kann mich einfach nicht entscheiden …
und dann hätte ich ja auch noch diese Option:
versuchen, Mensch zu bleiben
Oh, wie weit ist dieses Bestiarium entfernt von Lyrifants idyllischem “Sommer-Bestiarium” aus dem letzten Sommer, das ich gerade in diesen Tagen – endlich! – zu einem Büchlein verarbeitet habe.
Mensch, du Mensch
gedankliche Nachlese zum Antikriegstag am 1. September
du kannst fliegen ohne Flügel
du kannst träumen ohne Schlaf
du kannst lachen ohne Grund
aber
du kannst nicht atmen ohne Lunge
du kannst nicht leben ohne Wasser
du kannst nicht sein ohne Frieden
fugato
aus den Fugen
geraten mir Zeichen
und Wunder verraten
das Unverfügbare
Zur Genealogie der Moral, neu gefasst
gewiss: die Moral von heute
hat keine Eltern, hat keine Großeltern –
und bitte: hoffentlich auch keine Kinder!
wie weit
wie weit ist es nur gekommen?
wir sollten weinen um die Menschen
und sorgen uns um Energiepreise
und wie weit wird es noch gehen?
Sprache des Krieges (3)
es gebe „zu viele Bösewichte auf dieser Welt“
sagt einer von den einen zu einem von den einen
(und beide denken sie – na, klar! – an die anderen)
ein Bösewicht, wer Böses dabei denkt!
im (gewohnten) Gang?
alles geht seinen (unaufrechten) Gang:
doch stets nur einen Gang und runter
(schon schon jetzt jenseits aller Gangbarkeit)
wann kommen wir endlich wieder
in die (aufrechten) Gänge?
Frage an die Elefantenrunde
wie viele Elefanten
müssen eigentlich noch
im Raum stehen, bis
wir sie endlich sehen?
Sprache des Krieges (2)
und die Helfershelfer der einen
verurteilen nur die „Reaktion“
der (jetzt eben auch) anderen,
nicht aber die ‚Aktion’ der einen