bevor ein Wort
stimmt,
musst du es
stimmen
poetologisches Gedicht
an der Wortgrenze
diesseits des Wortes
schweigen die Dinge
jenseits des Wortes
singt die Stille
Wörtter
in ihren Strahlen
finden meine Augen Licht
und Wärme meine Haut.
laut und leise scheinen sie in mich hinein.
an ihren schweren Tropfen
labt dürstend sich mein Mund.
ihr Hagelkorn trifft mich ins Herz.
ihr Blitz schlägt mich entzwei.
in dicken Flocken wirbeln sie
mir durch das wilde Hirn.
mit zarten Schleiern umwölken sie
die irr verwirrte Stirn.
sie blasen mich fort.
sie streicheln und umschmeicheln mich.
sie hauchen mich an.
und sie entwurzeln mich.
und bei besonders guter wörtterlage
schreib ich aus ihnen ein Gedicht.
Dichtdenken
Dichten ist
Denken in Bildern und Klängen,
dicht, ganz dicht
(nicht) ganz dicht
dicht
am Leben dichten
ist mir zu wenig
lieber dichte ich
mitten aus dem Leben
mitten ins Leben hinein
vielleicht bin ich
nicht ganz dicht:
doch will ich dichten
dicht, ganz dicht
Dichten und Schwimmen
Dichten
ist Schwimmen
in Sprache
Schwimmen
ist Dichten
in Wasser
im Wort
im Wort
stehe ich:
meine Worte
so zu legen, bis
ein jedes Wort
sitzt
Wort ohne Worte
kein Wort
möchte ich verlieren
dort, wo ich keine Worte finde
das andere Wort
ein Wort gibt das andere –
und das andere Wort
ist der Stoff, aus dem
Gedichte steigen
Dichten
Wörter
atme ich
ein
Worte
atme ich
aus
Poesie
am Wortrand
stehe ich, zitternd –
doch bereit zum
Sprung
Musterstück
unter Wortformen
such ich die eine, die passt,
mein Leben aus
zu stanzen