mehr als mein Schmerz

wenn diese selbsternannten Therapeuten
dir wieder einmal sagen: Mensch, bedenke,
du bist mehr als dein
Schmerz

dann nickst du lächelnd, denn du weißt:
ja, ich bin auch das Wort, um meinen
Schmerz zu fassen, ich bin auch mein
Schmerzwort

doch wenn das Wort nicht so recht passen
mag, dann hast du zu all deinem Schmerz
auch noch diesen furchtbar quälenden
Wortschmerz

der dir vollends bewusst macht: ja,
ich bin mehr als mein
Schmerz

umarmen möcht ich Dich

umarmen möcht ich Dich
umhalsen umbauchen umbeinen
ummunden auch

abküssen könnt ich Dich
auf und ab und aufküssen
von Fuß bis Kopf

herzen möcht ich Dich
und leiben und körpern
geisten und seelen

einkuscheln möcht ich
mich in Dich und uns
aus und hinauskuscheln

beiliegen will ich Dir
beileben und beilieben
nicht neben nicht mit
nur um und in

Lied wider die Kontinuität

Immer wieder lote ich aus, wie viel ich mit wie wenig Wort sagen kann. Besondere Beachtung finden dabei immer wieder Wörter, die zwar unverzichtbar sind, aber sonst nicht im Vordergrund stehen. An die Qualität meines Erstversuches – Das Lied vom Scheitern – komme ich leider nicht wieder ran, aber es bleibt spannend!

und und und
und und und und
aber
und doch
aber aber
doch doch
und aber doch

na und?

In Sturm und Frieden

Heute Abend war ich wieder einmal bei einem wunderschönen Konzert der fantastischen Capella Moguntina – und der Titel ihres neuen Herbstprogramms “In Sturm und Frieden” (nach einem Zyklus von Gabriel Rheinberger) hat mich inspiriert zu folgendem Liebesgedicht.

In Sturm und Frieden
Bist Du bei mir.
Trägst mich durch Sturm.
Schenkst Frieden mir.

Bringst mich auf Sturm.
Nimmst mir den Frieden.
Nimmst mich im Sturm.
Bringst mir den Frieden.

Läufst mit mir Sturm.
Schließt für mich Frieden.
Hältst mich im Sturm.
Lässt mich in Frieden.

Läutest Sturm
In meinen Frieden.
Findest Frieden
In meinem Sturm.

In Sturm und Frieden
Bist Du bei mir.
Bist Sturm, bist Frieden
mir.