wenn es mir noch nicht einmal mehr
gelingt, im Dunkeln zu pfeifen –
wie kann ich dann noch
im Hellen singen?
Lyrik
Erklärt mir den Krieg
Erklärt mir den Krieg, wenn
ihr mir schon den Frieden
nicht erklären könnt.
Was ich bereits weiß:
Wo Krieg herrscht, dort
kann Frieden nicht herrschen.
Wo Frieden herrscht, dort
kann Krieg die Herrschaft an sich reißen.
Was ich auch schon weiß:
Frieden wird gestiftet, jedoch
nicht, indem Krieg geführt wird.
Frieden wird verhandelt, jedoch
nicht, indem Krieg Handel ist.
Was ich auch noch weiß:
Kriege werden gewonnen.
Kriege werden verloren.
Immer beides zugleich.
Frieden wird geschenkt.
Erklärt mir den Krieg, wenn
ihr mir schon den Frieden
nicht erklären könnt.
Was uns geblieben ist
Einen Tag nach dem Hanau-Gedenktag – noch fassungslos, wie man seitens der Politik noch zwei Jahre nach dem Anschlag “lückenlose Aufklärung” versprechen kann, ohne rot zu werden – und gefühlt einen Tag vor einem vielleicht dritten Weltkrieg musste ich nun einfach zu solch plakativen Mitteln greifen.

fangVerse (11) – wolkenBlatt
aus allen Wolken / fällt ein Wölkchen /
licht / umwölkt / mein weißes Blatt /
mit einem blauen Wolkenband
auf allen Wolken / schwebt mein Blatt /
leicht / blaut / weiße Verse /
auf eine schwarze Wolkenwand
in allen Wolken / mit Herz und Kopf /
wolkig / ziehen meine Verse / licht und leicht /
über blauen Himmel / wolkenlos
fangVerse (10) – blätterHagelFeuer
alle Wetter / schreiben sich auf / mein Blatt /
das Wort ein Hagelkorn / tiefeinprägsam /
der Reim ein Feuerfunke / hochentzündlich /
der Vers ein Sturmwind / ein Donnerblitz /
einschlägig / alle Wetter / tausend Blätter und /
ein Blatt / Lebensgefahr
jedes Wort unversichert / feurig / hageldicht /
jeder Reim verunsichernd / windig / wetterfest /
jeder Vers ein Tod / sicher
im Schadensfall / ein Blatt / mit Aussicht auf /
Sternhagellyrik / Störfeuerpoesie
Hommage an Rosa

Himmelsspiegelung in der Havel (Spandau, 11.2.2022)
wer würde nicht
im Lichte
eines Abends wie diesem
zugeben wollen, dass
Schönheit
den Menschen
ein Grundbedürfnis ist
(so wichtig wie Wasser und Frieden)
und dass die Farbe Rosa
es vermag, die Welt
ein bisschen schöner
(und friedlicher)
zu machen?
fangVerse (9) – sonnenBlatt
Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein” (Ingeborg Bachmann, An die Sonne)
ein Blatt / an der Sonne / finde mein Wort /
das Sonne im Herzen hat / wohin die Versfüße /
tragen / sonnenversonnen / sonnenversponnen /
so licht / so warm / kannst du es fühlen?
so finde die Sonne / mein Blatt / mein Wort /
in der Sonne / unter der Sonne / wo nichts als /
Sonne / Sonne / die Sonne allein / unter der /
Sonne
Echstase
unmerklich zuckt
das Augenlid, der Blick
ganz starr, ein leises Zittern
fährt durch die Schwanzspitze:
das Höchste der Gefühle
fangVerse (7) – tauBlatt
morgens / weihen Luft und Wasser /
die Erde / ein / in ein altes Geheimnis /
netzen / Gras / Moos / und Blatt /
mit ihren Lippen / feucht / bleibt / haften /
das Signum Tau
fangVerse (6) – blattSpiel
spielt / der Wind / ums Blatt / spielt / das Blatt / im Wind /
wellt / der Wind / das Blatt / wogt / das Blatt / zu Wind /
strömt / Wind / übers Blatt / schwimmt / Blatt / auf Wind /
fließt blatts / der Wind / quellen / Verse / auf das Blatt /
wallt winds / das Blatt / sprudeln / Verse / in den Wind /
das Wind=Spiel / und das Blatt=Spiel / vereint /
zu Wasser=Spielen / die nicht mehr sind als /
ein Wort=Spiel
fangVerse (5) – nebelBlatt
Nebel schwaden / wabern / übers Blatt /
schleiern worts reim=heimlich ein /
streifen / decken / zeichen=fein /
glocken / nebels / wortfeldein /
Verse / dicht
seh ich das Blatt / vor Nebel / nicht /
seh ich nur Nebel / nebellicht /
schau! / auf Sicht / dicht’ ich /
durch dicken Nebel / mich /
ans Licht
Paarbildungsgrammatik
bin ich nur eine Derivation
von Dir?
oder bin ich eine Komposition
aus Dir und mir?
oder bin ich vielleicht eine Konversion
– und Du bist meine neue Syntax?