Der Sinn des Lebens
dürfte ganz einfach sein:
leben.
Ein Fass ohne Boden
zu Boden gehen
auf schwankendem Boden
am Boden sein
und keinen Fuß auf den Boden bekommen
auf dem Boden mit beiden Beinen
den Boden unter den Füßen verlieren
ins Bodenlose fallen
ohne Netz und doppelten Boden
am Boden zerstört
verloren
verloren habe ich
das Spiel
die Schlacht
den Krieg
verloren habe ich
den Mut
den Glauben
die Hoffnung
verloren habe ich
den Überblick
das Gleichgewicht
die Fassung
verloren habe ich
die Spur
den Faden
die Orientierung
verloren habe ich
das Gesicht
den Kopf
den Verstand
den Atem
verloren habe ich
den Boden
unter den Füßen
verloren habe ich
mich
verloren bin ich
Grmpf!
nicht ganz ernst gemeint!
hupft aus dem Topf
lupft den Pfropf
stupft auf den Knopf
schlupft unter den Tropf
schnupft in den Kropf
tupft sich an den Kopf
rupft sich den Schopf
zupft sich am Zopf
es klopft
ein Schlumpf auf den Stumpf
den Rumpf im Sumpf
einen Trumpf im Strumpf
stampft
dampft
mampft
den Karpfen im Napf
grmpf!
Leben
Die eine Hälfte
des Lebens wird
verschlafen.
Die andere Hälfte
des Lebens wird
vertan.
Gäbe es noch
eine dritte Hälfte,
so würde sie wohl
verspielt.
Bärenlesezeit
Wenn der Himbär
mit dem Brombär
den Johannisbär besucht
und der Heidel-
mit dem Stachel-
einen Flug zum Erdbär bucht,
dann, ihr Bärenfreunde, seid bereit:
Es ist Bärenlesezeit.
Schmerz
Ich habe das große
Schmerzlos gezogen.
Jenseits der
Schmerzgrenze im
Schmerzmittelpunkt des großen
Schmerzensreiches sitze ich in
Schmerzhaft.
Schmerzvoll.
Schmerzstill.
Schmerz verzerrt mein
Schmerzempfinden:
Schmerz lindert schmerzlich die
Schmerzunempfindlichkeit.
Schmerz erfüllt das
Schmerzgedächtnis:
Keine Erinnerung mehr an
Schmerzfreiheit.
Wartend sitze ich auf der
Schmerzschwelle.
Adieu!
Das böse Kind
sagt euch Adieu,
weil ihr
das Gute in ihm
nicht sehen wolltet.
Das ungehorsame Kind
sagt euch Adieu,
weil ihr
seine Liebe und Treue zu euch
nicht wahrhaben wolltet.
Das undankbare Kind
sagt euch Adieu,
weil ihr
seine Dankbarkeit
nicht annehmen wolltet.
Das missratene Kind
sagt euch Adieu,
weil ihr
das, was ihm gelungen ist,
nicht wertschätzen wolltet.
Euer Kind
sagt euch Adieu,
weil ihr
dieses Kind
nicht haben wolltet.
An einen ungebetenen Gast
Eingeladen
habe ich dich nicht.
Eines Tages warst du
einfach da und bist
geblieben. Hast dich
häuslich eingerichtet
in meinem Haus.
Anfangs hast du nur deine Nägel
in meine Wände geschlagen,
aber Bilder hast du keine daran aufgehängt.
Später bist du dann mit Sack und Pack
hier eingezogen,
hast zunächst ein Zimmer,
dann Küche und Bad
und schließlich das ganze Haus
in Beschlag genommen.
Du schläfst sogar in meinem Bett
und lässt mich draußen liegen.
Inzwischen hast du mein Haus und meinen Garten
mehrfach in Brand gesteckt.
Die Feuerwehr hat mich bereits aufgegeben.
Kein Rat kann mir helfen.
Kein Mittel wirkt gegen dich.
Kein Zauberspruch vertreibt dich.
Ich werde dich nicht los.
Ich leide.
O, Schmerz,
lass uns gemeinsam Bilder suchen,
das Haus aufräumen,
die Brände löschen,
damit ich wieder schlafen kann.
wo bin ich?
in geschichten
und gedichten
mal im licht
mal im dickicht
bald auf sicht
im leichten und seichten wie
im wichtigen und richtigen
auf dem teppich
unterm strich
im gekicher
im gestichel
im mich, im dich
im stich
im nichts
wer bin ich?
ich bin ich
oder?
ich bin du für dich
ich bin sie für sie und ihn und sie
ich bin wir für dich und mich, für uns
ich bin ihr für euch
ich bin Sie für Sie
ich bin zu oft nur mich
ich bin zu oft nur mir
ich bin viel zu selten wirklich ich
nicht dort, nicht hier
hier wie dort
weder hier noch dort
schon viel zu lange
weg von dort
von dort hierher
hier nur der von dort
hier nie ganz hier
hier immer noch dort
nur bald wieder
weg von hier
von hier dorthin
dort wieder der von hier
dort ganz dort
dort wieder hier –
doch
nie mehr dorthin
nie wieder dort
für immer hier
für immer hier
und doch nicht hier
nicht dort, nicht hier
nur da