für eine liebe Kollegin
früh für’s Leben entbrannt
immer für alles gebrannt
nichts und nie angebrannt
oft die Finger verbrannt
den Kopf bald abgebrannt
der Seele für immer eingebrannt
ausgebrannt
warum nicht
rechtzeitig durchgebrannt?
für eine liebe Kollegin
früh für’s Leben entbrannt
immer für alles gebrannt
nichts und nie angebrannt
oft die Finger verbrannt
den Kopf bald abgebrannt
der Seele für immer eingebrannt
ausgebrannt
warum nicht
rechtzeitig durchgebrannt?
länger brauchen
kürzer atmen
schlechter hören
schlechter sehen
besser verstehen
schwerer gehen
leichter nehmen
mehr erinnern
weniger erwarten
viel vergessen
tiefer denken
tiefer fühlen
tiefer leiden
mit der Zeit geizen
das Leben verschwenden
die Seele verkaufen für ein Stückchen Liebe
Dichten ist
Wortbildung:
Ein wortgebildeter
Wortbildhauer
bildet Worte aus Wörtern,
um wortzubilden.
Dichtkunst ist
Wortart:
Ein wortartiger
Wortartist
ortet Worte unter Wörtern in ihrer
Wortartenvielfalt.
Dichtung ist
Wortsinn:
Ein wortsinnlicher
Wortsinniger
sinnt nach Worten in Wörtern zur
Wortsinnfindung und
Wortsinnstiftung.
ausgebootet,
bevor eingeschifft
ausgeschlossen,
bevor eingeladen
ausgeschieden,
bevor teilgenommen
ausquartiert,
bevor eingezogen
ausgegliedert,
bevor aufgenommen
ausgegrenzt,
bevor angekommen
Schreib dich nicht ab.
Schreib dich auf.
Schreib dich aus.
Schreib dich ein in dein Leben.
Schreib dich nicht klein.
Schreib dich groß.
Schreib dich schön.
Schreib dich laut und deutlich.
Schreib dich nicht wund.
Schreib dich gesund.
Schreib dich rund.
Schreib dich bunt.
Schreib dich nicht fort.
Schreib dich um.
Schreib dich neu.
Schreib dich ins Reine.
Schreib dich nicht nach unserem Mund.
Schreib dich für die eigenen Augen.
Schreib dich uns hinter die Ohren.
Schreib dich uns ins Herz.
Vor allem aber:
Schreib.
Aus allen Wolken gefallen
stehe ich im Regen
mit einem Hagel von Fragen.
Solange ich im Nebel tappe,
sehe ich keine Sonne.
Ich bin völlig durch den Wind
und suche den Schnee von gestern.
Du bist
durchs Feuer gegangen
und dennoch ist dein Leben
ins Wasser gefallen.
Jetzt hängst du
in der Luft
und bekommst keinen Fuß mehr
auf die Erde.
Ich schreibe nicht nur für
erlesene Belesene oder gar
eine Auslese handverlesener Leser.
Ich schreibe für
Lesestarke und Leseschwache,
Lesereiche und Lesearme,
Lesefleißige und Lesefaule,
Lesehungrige und Lesesatte,
Lesemutige und Lesescheue,
Leselustige und Lesemüde,
Lesekundige und Leseneue.
Ich schreibe für
Vor- und Nachleser,
Auf- und Ableser,
Ein- und Ausleser,
Miss- und Verleser,
Rauf- und Runterleser,
Drunter- und Drüberleser,
Kreuz- und Querleser,
Viel- und Wenig- und sogar für
Nichtleser.
Kurz: Ich schreibe für
Leser jedweder Lesart.
Du planst voraus.
Du weißt vorweg.
Du siehst voraus.
Vorher.
Du stellst vornan.
Du kommst voran.
Du gehst vorwärts.
Vorerst.
Du fällst vornüber.
Und du beginnst
von vorn.
Muss man alles machen,
was man darf?
Darf man alles machen,
was man will?
Will man alles machen,
was man kann?
Kann man alles machen,
was man muss?
Das liebste Buch
ist mir das
Wörterbuch.
Es nennt
die Wörter
bei ihrem Namen.
Es sieht
den Wörtern
ins Gesicht.
Es kennt
der Wörter
Her- und Zukunft.
Es spricht
der Wörter
Sprache
und denkt
ein jedes Wort
zu Ende.
Es fasst
ein jedes Wort
in das ihm eigene Gefäß.
Es setzt
ein jedes Wort
in den ihm eigenen Satz.
Es träumt
die Wörter
zu Gedichten und Geschichten
und lässt doch
die Wörter
Wörter sein,
indem es
Wort und Sache
trennt
und für jedes seiner Wörter
in gleichem Maße
brennt.
Es ist ein Unterschied,
ob ich einen Reim auf die Welt finde oder
ob ich mir einen Reim auf die Welt mache oder
ob ich mir die Welt zusammenreime.
Es ist auch ein Unterschied,
ob ich der Welt das Wort gebe oder
ob ich der Welt das Wort rede oder
ob ich der Welt das Wort aus dem Mund nehme.
Und es ist auch ein Unterschied,
ob ich der Welt ein Lied singen mag oder
ob ich von der Welt ein Lied zu singen weiß oder
ob ich von der Welt immer nur das alte Lied singen kann.