Des Kürenbergers Falkenlied

„in Lyrifants wîse“ (wie es Davina nennen würde)

hab ‘nen Falken aufgezogen:
erst gehegt, dann gepflegt,
sehr verwöhnt, sehr verschönt –
trotzdem ist er mir entflogen

hab ihn später fliegen sehen:
sehr gehegt, sehr gepflegt,
mehr verwöhnt, mehr verschönt –
ach, mögen Liebende zusammen gehen!

Eher eine freie Nachdichtung denn eine Übersetzung, lautet der mittelhochdeutsche Text dann doch ein wenig anders:

Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete, als ich in wolte hân,
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und vlouc in ándèriu lant.

Sît sach ich den valken schône vliegen,
er vuorte an sînem vuoze sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende sî zesamene, die gelíeb wéllen gerne sîn!

Afghanistan. Aporie des Helfens

ihnen dabei helfen, das Land
zu verlassen, heißt:
ihnen dabei helfen, weiter
zu leben

heißt aber leider auch:
ihnen dabei helfen, ins Exil
zu gehen – ist das nicht auch
eine Art Tod?

dennoch:
ihnen dabei helfen, dem Tod
(dem einen) zu entkommen, ist
das Mindeste, was wir tun müssen

das nahezu Unmögliche aber:
ihnen dabei helfen, den Tod
(den anderen) zu ertragen