wie es im Buche steht:
schwarz auf weiß
doch denk daran:
möglich ist, dass es lügt
wie gedruckt
wie es im Buche steht:
schwarz auf weiß
doch denk daran:
möglich ist, dass es lügt
wie gedruckt
es könnte reizvoll sein:
alljährlich von Zeit zu Zeit
unter einer dünnen Haut aus Eis
ganz still zu werden, zu verharren,
für eine Weile zu erstarren, um bald
in der Wärme erster Sonnenstrahlen
allmählich aufzutauen und aufs Neue
zu glucksen beginnen und zu gluckern,
zu sprudeln, zu fließen und zu strömen
in Schnee schrieb ich
meine alten Lieder, schrieb sie
ins Reine – Vers für Vers: horch,
wie harsch sie knirschen
unter meinem Schritt
aus Schnee schreib ich
meine neuen Verse, schreib sie
ins Weiße – Flocke um Flocke: sieh,
wie forsch sie stieben
über meinem Kopf
von Schnee schrieb ich
meine alten Lieder, von Schnee
schreib ich meine neuen Verse: fühl,
wie sie schon beginnen zu schmelzen
in der noch verhaltenen Wärme
der Wintersonne
und während ich
– noch immer wartend auf den Schnee –
so vor mich hin schneie
stürmen da doch so Trumpisten
den amerikanischen Kongress, o!
kann ich nur noch singen:
let it snow
let it snow
let it snow
Es mögen wichtige Wörter sein, ja gewiss, doch alles, Seine Heiligkeit, das müssen Sie schon zugeben, lässt sich damit doch nicht regeln!
Bitte,
mein Kleiner,
still mein unheiliges Verlangen
Danke,
mein Kleiner,
gabst mir für Momente Erlösung
Entschuldigung,
mein Kleiner,
vergib mir meine tiefe Schuld
wenn die Nebel zäh sich endlich
lichten, tut die Welt
grad so, als sei sie immer noch
die alte, nur neu erwacht –
grad so, als sei es Tag geworden
nach einer langen Nacht
es ist zum
davonlaufen: dieses ewige
daheimbleiben. mögen wir dadurch
davonkommen, möge es schützen vor dem
heimgang für immer und ewig.
davonstehlen würd ich mich gern. doch
davon nehm ich Abstand und bleibe
daheim. mögen wir alle was haben
davon: danach –
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 1
leichten Schneefall schenkt
er mir so kurz nach Mitternacht
zu seinem ersten Tag im Jahr.
ich fang mir eine Flocke ein
aus seinem weißen Haar.
ich atme tief: Dezemberluft!
und lass mich von ihm rufen
so, wie er allein mich nennt:
bei meinem Schneenamen
Lyrifants Adventskalender 2023 Türchen 2
zum 1. Advent
Schnee
von gestern
wünsch ich mir
und die Zimtsterne
vom Himmel, mehr Licht
und mehr Lametta – ja, fallen
möcht ich aus unsrer Zeit auf einen
grünen Tannenzweig
gut stochert es sich
bei Nacht und Nebel:
der Stock wird schon
treffen: irgendwas,
irgendwen, irgend-
wohin
das welkende Laub der Bäume
leuchtete, heute auf der Fahrt,
in Gelb, Orange, Braun und Rot –
so intensiv, dass ich mich fragte:
ist das wirklich Herbst oder
fahre ich durch ein Bild
von David Hockney?
Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich
aufs Kreuz gelegt?