Ich schreibe
mich ein
in die Gedichte, die
ich lese.
Ich lese
mich auf
in den Gedichten, die
ich schreibe.
Ich schreibe
mich ein
in die Gedichte, die
ich lese.
Ich lese
mich auf
in den Gedichten, die
ich schreibe.
alles im Blick
nichts im Griff
immer nur Unsinn im Sinn
Wer dichtet, ist ein Wortungeheuer,
das in Wörtern
nach Worten taucht.
Wer dichtet, ist ein Wortsammler,
der zwischen Wortfetzen und
treibendem Wortgut
manch Wortschatz entdeckt.
Wer dichtet, ist ein Wortkenner,
der – das Ohr am Wortlaut –
von jeder Wortart
ein Wörtchen zu sagen weiß.
Wer dichtet, ist ein Wortspieler,
der neue Wörter
aus dem Wortschwall schöpft,
der Phrasen
auf dem Wortfeld drischt,
der Sprüche
im Wortbruch klopft.
Wer dichtet, ist ein Wortführer,
der den Wortreichen
ihr großes Wort abschneidet
den Wortmächtigen
das Wort aus dem Mund nimmt
und den Wortlosen
das letzte Wort gibt.
Wer dichtet, ist ein Wortverdreher,
der um Wort und Antwort,
um Spruch und Zuspruch,
um Rede und Gegenrede
nie verlegen ist und
der das Wort ergreift,
um dem Wort das Wort zu reden.
Wer dichtet, ist ein Wortklauber,
der jedes Wort auf die Goldwaage legt,
und sich selbst das Wort im Mund umdreht,
der ins Wort fällt,
der im Wort steht,
der sein Wort hält.
Wer dichtet, den kannst du
beim Wort nehmen, denn
wer dichtet, lässt kein Wort fallen,
wer dichtet, verliert kein Wort.
Wer dichtet, ist ein Wortkünstler,
der dir sein Wort gibt,
weil ihm die Worte fehlen.
an der außenseite
inmitten der innenseiter
im einzelgang
auf dem gemeinschaftsflur
eingeschlossen ausgeschlossen
gemeinsam einsam
allein: die eine
zwischen allen
alleinsam
sehe den Wald
vor lauter
Bäumen nicht
habe mir
den eigenen
Ast abgesägt
komme auf
keinen grünen
Zweig
sitze zwischen
Baum und
Borke
habe ein
Brett vor
dem Kopf
bin auf dem
Holzweg
nach der Schafskälte
nun noch die Hundstage
der Löwenzahn
nur noch Erinnerung
im Löwenmäulchen
einst Schwanenhals
und Wespentaille
(das hatte ich noch nie)
nun Krähenfüße
und Hühneraugen
(das habe ich noch nicht)
doch nie einen Katzenbuckel
aber dafür jede Menge
Eselsohren in der Gänsehaut
Ich suche.
Ich schaue hin, aber
ich sehe es nicht.
Ich suche weiter.
Ich suche.
Ich fasse hin, aber
ich greife es nicht.
Ich suche weiter.
Es ist da.
Vor meinen Augen.
Vor meinen Händen.
Ich suche.
Ich suche weiter.
Die Rosen schlafen
noch unter Tannenzweigen:
Bald kommt ihre Zeit.
Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache des Himmels
und eine Sprache der Erde.
Es gibt eine Sprache der Berge
und eine Sprache des Meeres.
Es gibt eine Sprache der Tiere
und eine Sprache der Pflanzen.
Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache der Trauer
und eine Sprache der Freude.
Es gibt eine Sprache des Zorns
und eine Sprache der Lust.
Es gibt eine Sprache der Angst
und eine Sprache des Glücks.
Es gibt eine Sprache der Liebe
und eine Sprache des Hasses.
Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache für den Freund
und eine Sprache für den Feind.
Es gibt eine Sprache für die Eltern
und eine Sprache für die Kinder.
Es gibt eine Sprache für die Frau
und eine Sprache für den Mann.
Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache zum Arbeiten
und eine Sprache zum Spielen.
Es gibt eine Sprache zum Fluchen
und eine Sprache zum Beten.
Es gibt eine Sprache zum Loben
und eine Sprache zum Tadeln.
Es gibt eine Sprache zum Töten
und eine Sprache zum Überleben.
Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache zum Sprechen
und eine Sprache zum Schreiben.
Es gibt eine Sprache zum Denken
und eine Sprache zum Handeln.
Es gibt eine Sprache zum Singen
und sogar eine Sprache zum Dichten.
Die Sprache zum Dichten aber spricht
die Sprache des Himmels und der Erde,
die Sprache der Berge und des Meeres,
die Sprache der Tiere und der Pflanzen;
die Sprache der Trauer und der Freude,
die Sprache des Zorns und der Lust,
die Sprache der Angst und des Glücks,
die Sprache der Liebe und des Hasses;
die Sprache für den Freund und für den Feind,
die Sprache für die Eltern und für die Kinder,
die Sprache für die Frau und für den Mann;
die Sprache zum Arbeiten und zum Spielen,
die Sprache zum Fluchen und zum Beten,
die Sprache zum Loben und zum Tadeln,
die Sprache zum Töten und zum Überleben;
die Sprache zum Sprechen und zum Scheiben,
die Sprache zum Denken und zum Handeln,
die Sprache zum Singen und zum Dichten.
Alles hat seine Sprache.
Alles spricht seine Sprache
im Gedicht.
anfangs über Tische und Bänke
später zwischen allen Stühlen
immer mit der Tür ins Haus
geradewegs durch die Wand
gern auch aufs Dach
oft über den Zaun
mal um die Häuser
mal in fremden Betten
ab und zu aus dem Fenster
wenn nötig durch den Kamin
meist achtlos in der Ecke
oft im Keller
noch was in der Schublade
gut versteckt im Schrank
viel unter der Decke
viel unter den Teppich
am Ende hinterm Ofen
zu guter Letzt am Boden
Ich hab mich aus den Augen verloren,
bin unbekannt verzogen.
Ich hätte noch eine Nachricht
für mich, aber ich erhalte nur
eine Abwesenheitsnotiz.
Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Ich mach mich auf
die Suche.
Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken wir.
Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken auch die anderen.
Wer sind denn nun wir?
Und wer sind die anderen?