Am Abend aller Tage
seufzt Gott erleichtert auf:
“Endlich Schluss!” –
und er legt sich entspannt
zur ewigen Ruhe.
Am nächsten Morgen
weckt ihn der Teufel
und lacht ihm schelmisch ins Gesicht:
“Ätsch! Angeschmiert!”
Am Abend aller Tage
seufzt Gott erleichtert auf:
“Endlich Schluss!” –
und er legt sich entspannt
zur ewigen Ruhe.
Am nächsten Morgen
weckt ihn der Teufel
und lacht ihm schelmisch ins Gesicht:
“Ätsch! Angeschmiert!”
Neue Wurzeln
wollte ich Dir geben
in meiner Erde.
Meine Erde aber hat
Deine Wurzeln
nicht aufgenommen.
Meine Erde hat dafür
meine Wurzeln
abgestoßen.
So hängen nun
Deine Wurzeln und
meine Wurzeln
in der Luft –
frei von Deiner Erde,
frei von meiner Erde.
So sind nun
Deine Wurzeln und
meine Wurzeln
Luftwurzeln,
die Halt finden,
indem sie einander umschlingen.
Inspiriert ist dieses Gedicht von der Bezeichnung “LuftwurzelLiteratur”, in die der sujet-Verlag die Exil-Literatur programmatisch umbenannt hat – ein Wort, das mich unmittelbar angesprungen hat, auch wenn es erst noch etwas in mir arbeiten musste, bis ich zu diesem Gedicht fand.
Im Schatten der Erde
wird der Mond
zur Sonne der Nacht.
Ich blicke
in den dunklen
Mond Deines Auges.
Mit einem Wimpernschlag
ist es
taghell.
zuerst nur
das Nackenstützkissen
und ein paar Kopfwehtabletten
dann noch
das Heizkissen
und ausreichend Schmerzmittel
schließlich noch
die Gesundheitsschuhe
und diverse Salben
jetzt also auch noch
die Kompressionsstrümpfe
und die Thrombosespritzen
ich bin wohl angekommen
im Club der alten Damen
“Wir sind ein christliches Land
und wollen es bleiben.”
Und so befestigen wir unsere Zäune.
“Herzlich willkommen!”
rufen wir euch zu
und schließen die Grenzen.
ausgebootet,
bevor eingeschifft
ausgeschlossen,
bevor eingeladen
ausgeschieden,
bevor teilgenommen
ausquartiert,
bevor eingezogen
ausgegliedert,
bevor aufgenommen
ausgegrenzt,
bevor angekommen
„Geschlossene Gesellschaft!“
Ja, wir feiern Party, unentwegt.
Aber ihr seid nicht eingeladen.
Denn wir wollen unseren Kuchen mit niemandem teilen,
schon gar nicht mit euch.
„Bitte nicht stören!“
Ja, wir wollen unter uns bleiben.
Wir wollen ganz ungestört unseren dreckigen Geschäften nachgehen,
und wir verdienen am meisten an euch,
wenn ihr draußen bleibt.
„Wir müssen draußen bleiben.“
Hier ist kein Raum für Humanität.
Wenn ich mal in den letzten Zügen liege,
dann hab ich nur noch einen Wunsch:
Ich will mein Leben gern in einem Zuge leeren.
Doch bis der Tod zum Zuge kommt,
bis dahin will ich noch mein Leben
– Zug um Zug –
in vollen Zügen ganz genießen.
Schreib dich nicht ab.
Schreib dich auf.
Schreib dich aus.
Schreib dich ein in dein Leben.
Schreib dich nicht klein.
Schreib dich groß.
Schreib dich schön.
Schreib dich laut und deutlich.
Schreib dich nicht wund.
Schreib dich gesund.
Schreib dich rund.
Schreib dich bunt.
Schreib dich nicht fort.
Schreib dich um.
Schreib dich neu.
Schreib dich ins Reine.
Schreib dich nicht nach unserem Mund.
Schreib dich für die eigenen Augen.
Schreib dich uns hinter die Ohren.
Schreib dich uns ins Herz.
Vor allem aber:
Schreib.
“Dieser Zug
ist abgefahren.”
Dann nehm ich eben den nächsten.
“Auf diesem Gleis
fährt kein Zug.”
Dann wechsel ich eben das Gleis.
“Du sitzt
im falschen Zug.”
Dann steige ich eben aus oder um.