Du bist
durchs Feuer gegangen
und dennoch ist dein Leben
ins Wasser gefallen.
Jetzt hängst du
in der Luft
und bekommst keinen Fuß mehr
auf die Erde.
Du bist
durchs Feuer gegangen
und dennoch ist dein Leben
ins Wasser gefallen.
Jetzt hängst du
in der Luft
und bekommst keinen Fuß mehr
auf die Erde.
Traurig stand
der Lyrifant.
Seine Leier
er nicht fand.
Seine Lyrik
ihm entschwand.
War nur noch
ein Elefant. 🙂
Abend
ist es geworden
über die Jahre im Exil.
Du aber wartest
noch immer auf den
Morgen.
Die Letzten ihrer Art
kamen zu uns
und suchten Schutz.
Sie waren wild.
Sie waren groß.
Sie waren stark.
Sie waren schön.
Sie waren jung.
Wir machten sie zahm.
Wir machten sie klein.
Wir machten sie schwach.
Wir machten sie hässlich.
Wir machten sie alt.
Wohin
können sie jetzt
noch ziehen?
Takt für Takt
immer im Takt
immer intakt
mach den Auftakt
gib den Takt an
schlag den Takt
halt den Takt
bleib im Takt
für ein paar Takte
Kontakt
wir wechseln den Takt
im Minutentakt
im Sekundentakt
im Dreivierteltakt
alles getaktet
alles taktiert
alles nur Taktik
nur scheinbar taktil
scheinbar taktvoll
scheinbar taktfest
und doch taktlos
sei so mit Takt
aus dem Takt
gebracht
Er sagte:
Ich habe
Gott gesucht
und habe
mich gefunden.
Wie schön für dich,
sage ich.
Ich habe
mich gesucht
und habe
niemanden gefunden.
Schön ist
eine Wanderung
von der Fußsohle
über das Rückgrat
bis hinauf zum Schulterblatt.
Die Fingerkuppe verspricht
eine gute Aussicht über
die Bauchdecke bis
hinunter zur Kniescheibe.
Schon lockt
die Armbeuge.
Vor den Lendenwirbeln
finden wir
Schutz in der Achselhöhle.
Bald klettern wir über
Haarwurzeln, sammeln
Ohrmuscheln im Brustkorb.
Im Mundwinkel
machen wir Picknick:
Du knabberst
an meinem Augapfel.
Das Gaumensegel
ist gespannt. Wir
breiten unsere Nasenflügel aus und
fliegen –
unzählbar
das leid,
das diese menschen
kaum zu erzählen vermögen:
die verfolgten,
die gefolterten,
die geflohenen
undenkbar
das leid,
das diese menschen
zu erdenken in der lage sind:
die verfolger,
die folterer,
die schlepper
untragbar
das leid,
das menschen menschen
zu ertragen zwingen:
die verfolger die verfolgten,
die folterer die gefolterten,
die schlepper die geflohenen
unfassbar
das leid,
das diese menschen
nie wirklich zu erfassen suchen:
unsere journalisten,
unsere obersten richter,
unsere regierenden
unsagbar
das leid,
das die menschlichkeit
zum versagen verdammt
Orientierungslos
treibt das Schiff
auf offenem Meer.
Die Segel zerschlissen.
Die Ruder verloren.
Ankerlos.
Rettungslos.
Rettungslos überfüllt
die wenigen Rettungsboote.
Zerstört die Rettungsringe.
Einen Rettungsanker gibt es nicht.
Mann über Bord.
Frau über Bord.
Kind über Bord.
Über Bord auch
unsere Menschlichkeit.
Kein Ende des Leidens.
Kein Ende des Sterbens.
Kein Ende des Mordens.
Kein Land in Sicht.
“Kein Land in Sicht” ist das Motto des diesjährigen “Open Ohr Festivals” in Mainz, das der Flüchtlingsproblematik gewidmet ist.
Der See
trinkt errötend
die untergehende Sonne.
Eine späte Libelle
tanzt glitzernd
im letzten Abendlicht.
Der See
schlägt Purzelbaum um Purzelbaum
ans Ufer.
Eine Ringelnatter
schlängelt sich ins Wasser.
Der See
weint dicke Tränen.
Der Frosch
hat bereits aufgehört
zu quaken.