ein offenes Wort (ganz offen:
ich trau es mich fast nicht zu sagen):
ein offenes Wort ist – scheint’s –
nicht mehr erwünscht, geduldet sind
ganz offenbar nur Worte noch, die
nur nach einer Seite offen sind
politisches Gedicht
toccata e fuga
toccata – eine geschlagene
ist die Welt, wir improvisieren
Leben, in seinen Tasten
spüren wir Schlag
um Schlag
e fuga – und Flucht
allenthalben, die flüchtige
Hoffnung, noch flüchten
zu können, wo die Welt
aus den Fugen, nur noch fliehen
aus dieser Welt –
doch wohin?
Von Petra Pawlofsky dankenswerterweise reblogged auf ihrem wunderbaren Blog „DA SEIN IM NETZ": https://ppawlo.com/2023/12/01/lyrifants-toccata-e-fuga-und-mein-bild-wohin-nur/
zum Tag der Deutschen Einheit
lieber
ein Freitagsgebet
zum (blauen) Mittwoch
und Samstagsarbeit
am langen Donnerstag
als diese Sonntagsreden
an einem Dienstag
aus Montagsproduktion
die entscheidende Frage
nicht wann, nicht wo,
weder warum noch wozu
wird was wie entschieden
die entscheidende Frage ist doch:
wer entscheidet,
wer entscheidet?
political correctness?

der entscheidende Machtfaktor
warum liegt Macht (so scheint es)
immer in den Händen der Falschen?
vermutlich weil die Richtigen niemals
für Macht über Leichen gehen würden
„Behalte den Flug im Gedächtnis“
„Behalte den Flug im Gedächtnis. / Der Vogel ist sterblich.“
Schlussverse aus „Mein Herz ist bedrückt“ von Forugh Farrochsad
Zur Erinnerung an den Tod von Jina Mahsa Amini heute vor einem Jahr und im Gedenken an die vielen, die im Widerstand gegen das iranische Mullah-Regime ihr Leben gelassen haben
wie aber
die Erinnerung
an das Fliegen wachhalten
im immer abgeriegelten Käfig?
nur noch die toten Vögel
wissen davon zu singen
das Wort zum Tag
schwere Unwetter
sind das eine
das andere ist
leichtfertige Uneinsichtigkeit
die Probleme abwiegeln
ist das eine
das andere sind
versiegelte Böden
eine Frage der Perspektive?
Putins Krieg: böse sei er,
unnötig und völkerrechtswidrig –
ja, gewiss: Krieg ist eben
Krieg!
unser Krieg aber: gut sei er,
notwendig und legitim –
wie das? Krieg ist doch
Krieg!
ein Reim auf Krieg?
Krieg reimt auf Sieg:
dabei wären Tod, Leid und Qual
die Reimwörter der Wahl
Krieg reimt nicht auf Frieden:
denn Frieden ist ein Wort, das
wird im Krieg gemieden
Krieg reimt auf Gewinn:
doch nur in einem Sinn,
von dem ich lieber schwieg‘
von Krieg und Kriegen
vom Krieg
kriegen sie nie genug –
immer weiter kriegen sie, um
immer mehr zu kriegen
vom Krieg
“ein graues Gefühl”
noch unter dem (ersten) Eindruck des Dokumentarfilms “1001 Nights Apart” über ein junges Untergrund-Tanzstudio im Iran, wo Tanzen verboten ist
Hand und Fuß greifen
in grauen Nebel, fassen in
graue Leere, ziehen weiße Linien
über graues Linoleum:
den Mund weit offen
zu stummem Schrei
sie tanzen in diesem grauen Keller:
jeder Schritt, jeder Griff, jeder Blick
ein Versuch, ihren Traum zu leben –
oder eher: ein Versuch zu leben
sie tanzen (denn tanzen ist atmen) –
stets begleitet von diesem Etwas
(sie nennen es “ein graues Gefühl”)