es gebe „zu viele Bösewichte auf dieser Welt“
sagt einer von den einen zu einem von den einen
(und beide denken sie – na, klar! – an die anderen)
ein Bösewicht, wer Böses dabei denkt!
politische Lyrik
im (gewohnten) Gang?
alles geht seinen (unaufrechten) Gang:
doch stets nur einen Gang und runter
(schon schon jetzt jenseits aller Gangbarkeit)
wann kommen wir endlich wieder
in die (aufrechten) Gänge?
Frage an die Elefantenrunde
wie viele Elefanten
müssen eigentlich noch
im Raum stehen, bis
wir sie endlich sehen?
Sprache des Krieges (2)
und die Helfershelfer der einen
verurteilen nur die „Reaktion“
der (jetzt eben auch) anderen,
nicht aber die ‚Aktion’ der einen
Sprache des Krieges (1)
was die einen bei den anderen
„völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“
nennen, heißt bei den einen selbst
„Präventivschlag“
Sein und Zeit, neu gefasst
in dieser Zeit
will ich nicht sein –
denn für das Sein
ist keine Zeit
Phänomenologie des Geistes, neu gefasst
es ist schon ein Phänomen, wie wenig
Geist es braucht, um logisch zu erscheinen:
vernunftfreies Selbstbewusstsein
ohne Sinn und Verstand
scheint ausreichend
Zeitlyrik
wo Sicherheit
nicht einmal mehr Wörter geben können:
wo schlafen dann die Verse, wenn
selbst Reime zum Steilhang werden?
kein Satz taugt zum Geländer:
wir können nur noch
im freien Fall
dichten und
denken
Kritik der reinen Vernunft, neu gefasst
wo gar keine Vernunft mehr: dort ist
auch Kritik rein gar nicht erwünscht
Die Welt als Wille und Vorstellung, neu gefasst
die gegenwärtige Welt über-
steigt meine Vorstellung
bei weitem, und dabei unter-
läuft sie alles, was mensch
überhaupt so wollen kann
Zeitwortzeit
den Teufel mit dem Beelzebub
oder vom Regen in die Traufe:
den Mullah mit dem Schah
und sich verkaufen an die USA –
und dann tatsächlich doch noch glauben,
einen Trump im Ärmel zu haben
Herbst 25
es wäre wieder die Zeit: Goldlichtverse
auf fallende Blätter schreiben, Igelworte
unter raschelndem Laub verstecken und
in Nebelsätzen über Felder huschen
und Kastanienreime sammeln
wenn da nicht wären: düstere Wehrlyrik,
die täglich in unsere Köpfe fällt, Hetzworte
über rauschende Bildschirme, unverhohlen,
jeder Absatz marschtrittfeste Feldeuphorie
und geballte Kriegspropaganda