tief geschnitten habe ich mich
an meinen Gedankensplittern
schief gewickelt liege ich nun
mit jeder Faser im Denkgezettel
woher all diese Scherben auf dem Holzweg?
bin doch nur ein Mensch: splitterfasernakt
Leben
retten

In seiner Form ist dieser Text inspiriert von „gedanken zerren“, dem Debüt-Gedichtband von Özlem Özgül Dündar, wobei ich die Form einerseits radikalisiert und andererseits aufgebrochen habe für eine Idee, die in mir gärte und die ich nun glaubte, mit diesem Format am besten umsetzen zu können. Das Potential dieser Form ist einfach klasse, weil diese gebrochene Sprache gleichzeitig so viel Ungesagtes mitschwingen lässt – eine echte Entdeckung!
für mein Leben gern
ja, ich lebe
für mein Leben gern
und Tod und Teufel
würde ich darum geben:
auch für mein Leben gern
zu sterben
Leben und Sterben
ach, könnten wir doch
gleich mit dem Sterben
beginnen, um danach
unendlich Zeit zu haben
für das pralle Leben
nur eine Brücke

vielleicht ist das Leben nur eine Brücke
von Irgendwo ins Nirgendwo:
woher?
wohin?
so große Fragen, sowieso!
lasst es uns wagen – zu unserem Glücke –
und dennoch eine Brücke schlagen!
mein neues Mantra
nicht mehr abwarten:
nur Tee trinken
in Gottes Mühle
aus dem Gröbsten
bin ich raus
(dachte ich)
dabei war das
nur das Feinste
vom Feinen
Jahreswechsel
ich sitze am Jahresrand.
es wechselt das Jahr.
ein Jahr geht.
ein Jahr kommt.
das Rad dreht sich. immer weiter.
wann stehe ich auf?
(Anspielungen auf … sind volle Absicht)
Jahr und Tag
als die Tage wie Jahre
vergingen, konnten wir
es kaum erwarten
seit die Jahre wie Tage
vergehen, würden wir
lieber noch zuwarten
UnterKörperSprache
aus dem Bauch heraus
würde ich sagen:
in den Schoß gefallen
ist mir nichts –
ich musste mir für alles
den Arsch aufreißen
Zeit für ein Loko-Motiv
wer das Leben in vollen Zügen
genießen will, sollte seine Bahnen
nicht in ausgefahrenen Gleisen ziehen
du stellst die Weichen
und gibst das Signal
Einsicht, angesichts des Todes
im Gedenken an Anke und Claudia
(auf dass Ihr beide nun eine wirklich glückliche Zeit habt)
dass im Angesicht des Todes
der Tod wünschenswerter als
das Leben erscheint, gehört zu
den Absurditäten des Lebens