Alles hat seine Sprache

Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache des Himmels
und eine Sprache der Erde.
Es gibt eine Sprache der Berge
und eine Sprache des Meeres.
Es gibt eine Sprache der Tiere
und eine Sprache der Pflanzen.

Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache der Trauer
und eine Sprache der Freude.
Es gibt eine Sprache des Zorns
und eine Sprache der Lust.
Es gibt eine Sprache der Angst
und eine Sprache des Glücks.
Es gibt eine Sprache der Liebe
und eine Sprache des Hasses.

Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache für den Freund
und eine Sprache für den Feind.
Es gibt eine Sprache für die Eltern
und eine Sprache für die Kinder.
Es gibt eine Sprache für die Frau
und eine Sprache für den Mann.

Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache zum Arbeiten
und eine Sprache zum Spielen.
Es gibt eine Sprache zum Fluchen
und eine Sprache zum Beten.
Es gibt eine Sprache zum Loben
und eine Sprache zum Tadeln.
Es gibt eine Sprache zum Töten
und eine Sprache zum Überleben.

Alles hat seine Sprache.
Es gibt eine Sprache zum Sprechen
und eine Sprache zum Schreiben.
Es gibt eine Sprache zum Denken
und eine Sprache zum Handeln.
Es gibt eine Sprache zum Singen
und sogar eine Sprache zum Dichten.

Die Sprache zum Dichten aber spricht
die Sprache des Himmels und der Erde,
die Sprache der Berge und des Meeres,
die Sprache der Tiere und der Pflanzen;
die Sprache der Trauer und der Freude,
die Sprache des Zorns und der Lust,
die Sprache der Angst und des Glücks,
die Sprache der Liebe und des Hasses;
die Sprache für den Freund und für den Feind,
die Sprache für die Eltern und für die Kinder,
die Sprache für die Frau und für den Mann;
die Sprache zum Arbeiten und zum Spielen,
die Sprache zum Fluchen und zum Beten,
die Sprache zum Loben und zum Tadeln,
die Sprache zum Töten und zum Überleben;
die Sprache zum Sprechen und zum Scheiben,
die Sprache zum Denken und zum Handeln,
die Sprache zum Singen und zum Dichten.

Alles hat seine Sprache.
Alles spricht seine Sprache
im Gedicht.

Biographie

anfangs über Tische und Bänke
später zwischen allen Stühlen

immer mit der Tür ins Haus
geradewegs durch die Wand

gern auch aufs Dach
oft über den Zaun

mal um die Häuser
mal in fremden Betten

ab und zu aus dem Fenster
wenn nötig durch den Kamin

meist achtlos in der Ecke
oft im Keller

noch was in der Schublade
gut versteckt im Schrank

viel unter der Decke
viel unter den Teppich

am Ende hinterm Ofen
zu guter Letzt am Boden

Kunst und Leben

Früher
wollte ich immer
so sein wie
eine Figur in einem Roman:
Teil einer Geschichte,
voller Möglichkeiten –
das Leben: ein Kunstwerk.

Was ich nicht bedachte:
Vielleicht
würden die Romanfiguren
lieber so sein wollen wie ich:
einfach nur lebendig,
voller Leben –
das Leben: ein Leben eben.

Das Lied vom Leben

mal hier, mal dort
stets überall und nirgends
nur mal eben
sofort und gleich
allzeit allerorten

hin und wieder
im Hier und Jetzt
ab und zu
im Dort und Einst
dann und wann
im Da und Dann

immerzu
im Auf und Ab
im Hin und Her
immerzu, immerfort
fort und weg
nie und nimmer
heim

irgendwann im Nirgendwann
irgendwo im Nirgendwo
ganz da
ganz nah
ganz ja

für immer und ewig

Lob der Faulheit

Das Faultier liegt
in seinem Faulpelz
auf der faulen Haut
und sagt zum
Fleißmenschen:
“Du irrst,
wenn du Muße
für Faulheit hältst
und es beflissen zulässt,
dass das Muss
dein fleißiges Leben bestimmt,
so dass dir statt Genuss
nur Gemuss bleibt.
Lass es dir gesagt sein:
Es ist etwas faul
am Fleiß,
denn wer zu fleißig ist,
verfault.
Glaub mir:
Müßiggang ist aller Musen Anfang!
Denn die Musen übersehen
geflissentlich die Fleißigen
und küssen nur die Faulen.”