Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken wir.
Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken auch die anderen.
Wer sind denn nun wir?
Und wer sind die anderen?
Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken wir.
Wir sind wir.
Die anderen sind die anderen.
Das ist ein klarer Fall,
so denken auch die anderen.
Wer sind denn nun wir?
Und wer sind die anderen?
Wer Gewinne macht,
verliert.
Wer Verluste macht,
gewinnt.
Man muss Geld sparen,
um es auszugeben.
Man muss Geld ausgeben,
um es zu sparen.
Wer verkauft,
ist gekauft.
Wer kauft,
ist verkauft.
Wer Arbeit gibt,
nimmt.
Wer Arbeit nimmt,
gibt.
Früher
wollte ich immer
so sein wie
eine Figur in einem Roman:
Teil einer Geschichte,
voller Möglichkeiten –
das Leben: ein Kunstwerk.
Was ich nicht bedachte:
Vielleicht
würden die Romanfiguren
lieber so sein wollen wie ich:
einfach nur lebendig,
voller Leben –
das Leben: ein Leben eben.
Einmal über den Tellerrand
geradewegs ins offene Messer –
und unversehens den Löffel abgegeben.
Wäre ich jung,
wäre das Leben reicher.
Wäre ich reich,
wäre das Leben schöner.
Wäre ich schön,
wäre das Leben leichter.
Wäre ich nur klug,
dann wüsste ich, dass es nicht
Jugend,
Reichtum,
Schönheit
sind, die das Leben
reicher,
schöner,
leichter
machen.
aus Anlass des verkaufsoffenen Sonntags am Bundestagswahlsonntag 2013
Votieren und Konsumieren –
das ist die erste Bürgerpflicht.
Kaufe ein und stimme ab,
wähle, kaufe, zahle.
Kaufe vier, bezahle drei.
Wählst du eine, regiern dich zwei.
Das ist unser Wahlrabatt,
ganz ohne Paybackkarte.
Blöd nur, dass neu gewählte Regierungen
vom Umtausch ausgeschlossen sind.
Mit jedem Gewinn
an Erfahrung
verlierst du ein Stück
heilige Einfalt.
Mit jedem Gewinn
an Einsicht
verlierst du ein Stück
Gottvertrauen.
Mit jedem Gewinn
an Erkenntnis
verlierst du ein Stück
Unschuld.
Doch mit jedem dieser Verluste
gewinnst du auch ein Stück
jener luziferischen Weisheit,
die dir hilft,
in einer paradieslosen Welt
zu bestehen.
Sollte das nicht eine
(Erb-)Sünde wert sein?
Worauf es im Leben ankommt
– als ob es einen Fahrplan gäbe -,
Was das Leben bietet
– als ob das Leben ein Gemischtwarenladen wäre -,
Was im Leben wirklich zählt
– als ob sich das Leben rechnen müsste -,
Was das Leben lebenswert macht
– doch zu welchem Preis? -,
wird mich wohl das Leben kosten.
Dass das Leben sich lohnt,
werde ich mit dem Leben bezahlen müssen.
Muss ich mein Leben wirklich so teuer verkaufen?
Ich bin gewiss nicht so töricht wie
der Rabe,
der seinen Käse fallen lässt,
nur weil der Fuchs ihm schmeichelt.
Ob ich aber so einsichtig wäre wie
der Bär,
der aufhört zu tanzen,
als das Schwein ihm applaudiert?
Doch sicherlich wäre ich eitel genug,
mein Affenherz hinzugeben,
wenn mich – in aller Freundschaft –
das Krokodil darum bäte.